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08.09.2015

10:03 Uhr

Größeres Ausfuhrplus

Deutsche Exporteure bleiben auf Rekordkurs

Der „China-Effekt“ bleibt erst mal aus: Die deutschen Exporteure können ihre Ausfuhren trotz der Turbulenzen im Land der Mitte deutlich steigern. Auch die Importe legen stark zu. Es könnte neue Rekorde regnen.

Die schwächelnde Binnennachfrage steigert die Zahl der Exporteure. dpa

Exporte

Die schwächelnde Binnennachfrage steigert die Zahl der Exporteure.

Wiesbaden/BerlinDie deutschen Exporteure sind mit einem unerwartet starken Umsatzplus ins zweite Halbjahr gestartet. Die Ausfuhren stiegen im Juli zum Vormonat um 2,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 0,7 Prozent gerechnet. Bereinigt um jahreszeitliche Schwankungen exportierten die Firmen so viel wie noch nie seit Beginn der Datenerhebung 1991.

Insgesamt verkauften die Unternehmen Waren im Wert von 107,1 Milliarden Euro ins Ausland. Das waren 6,2 Prozent mehr als im Juli 2014. Dafür sorgte vor allem die starke Nachfrage aus Ländern außerhalb der EU - also etwa der Handel mit den USA oder Schwellenländern wie China. Hier gab es ein Anstieg von 6,4 Prozent.

„Das sind solide Daten. Der China-Effekt scheint nicht so groß zu sein“, sagte Ökonom Stefan Kipar von der BayernLB. „Das gute Geschäft mit den wichtigen Absatzmärkten USA, Großbritannien und dem gesamten Euro-Raum kann die Schwäche der Schwellenländer und vor allem Chinas mehr als ausgleichen.“ Und Stefan Schilbe kommentierte: „Das sind überraschend gute Zahlen. Der Beginn in die zweite Jahreshälfte sieht ausgezeichnet aus.“

Fünf Gründe für Deutschlands Aufschwung

Starker Konsum

Weil Sparen sich wegen der Mini-Zinsen nicht lohnt, tragen die Verbraucher ihr Geld in die Geschäfte oder reisen viel. Löhne und Gehälter steigen zudem weiter kräftig.

Billiges Öl

Der Rückgang der Rohölpreise um nahezu die Hälfte seit dem Sommer 2014 entlastet Unternehmen und Verbraucher. Dies wirkt wie ein kostenloses Konjunkturprogramm.

Schwacher Euro

Die Exporteure jubeln, weil der im Verhältnis zum US-Dollar extrem schwache Euro Ausfuhren außerhalb des Euroraums günstiger macht.

Boom in den USA

Die US-Wirtschaft brummt – und die Amerikaner schätzen Waren „made in Germany“, gerade Luxusautos und Maschinen.

Job-Motor

Auf dem Arbeitsmarkt jagt ein Beschäftigungsrekord den nächsten. Bald dürften über 43 Millionen Deutsche erwerbstätig sein – das gibt Sicherheit und stützt den Aufschwung.

Der Ökonom sieht aber auch eine Menge Fragezeichen für die Zukunft. „Im August begannen die Turbulenzen für viele Währungen in den Schwellenländern und an den Börsen in China.“, so Schilbe. „In dem Tempo wird es für die deutschen Exporte daher nicht weiter gehen. Darauf deuten beispielsweise die Frühindikatoren hin. Der Exportsektor wird in den kommenden Monaten schlechter laufen.“

Die Importe kletterten im Juli um 2,2 Prozent zum Vormonat, nachdem sie im Juni leicht gesunken waren. Ökonomen hatten einen Anstieg um 0,5 Prozent erwartet. Die um Saison- und Kalendereffekte bereinigte Handelsbilanz - die Differenz zwischen Aus- und Einfuhren - wies ein Plus von 22,8 Milliarden Euro aus.

„Die anziehenden Importe sprechen dafür, dass die Binnennachfrage weiter sehr gut ist“, sagte Kipar von der BayernLB. „Im Sommerquartal dürften sowohl vom Außenhandel als auch von der Inlandskonjunktur Impulse kommen. Wir rechnen für das dritte Quartal mit einem Wirtschaftswachstum von rund einem halben Prozent.“

Von

rtr

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