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23.12.2014

16:12 Uhr

Größtes Wachstum seit zehn Jahren

US-Konjunktur startet nach langer „Reha“ durch

Die Daten sehen gut aus: Die US-Verbraucher kaufen, denn die Arbeitslosigkeit ist niedrig. Nach einer langen Zeit des Strauchelns nach der Finanzkrise 2008 hebt die US-Konjunktur zu einem rekordverdächtigen Höhenflug an.

Die Tüten sind voll, die Verbraucher kaufen wieder mehr – das treibt die US-Konjunktur an. dpa

Die Tüten sind voll, die Verbraucher kaufen wieder mehr – das treibt die US-Konjunktur an.

Die Wirtschaftsleistung der Vereinigten Staaten ist im dritten Quartal so schnell gestiegen wie seit über zehn Jahren nicht mehr.

Das Bruttoinlandsprodukt nahm in den drei Monaten von Juli bis September, aufs Jahr hochgerechnet, um 5 Prozent zu, wie das Handelsministerium in Washington am Dienstag mitteilte. Damit wurde die Erstschätzung von 3,9 Prozent deutlich übertroffen. Eine solche Wachstumsdynamik hatte die amerikanische Volkswirtschaft zuletzt im dritten Quartal 2003 gezeigt. 75 von Bloomberg befragte Volkswirte hatten im Mittel ein Plus von 4,3 Prozent erwartet.

Die Kauflaune der Amerikaner ist wegen der sinkenden Benzinpreise und der steigenden Beschäftigung so gut wie seit fast acht Jahren nicht mehr. Das Barometer für die Verbraucherstimmung kletterte im Dezember um 4,8 auf 93,6 Punkte, wie Thomson Reuters und die Universität von Michigan am Dienstag nach endgültigen Berechnungen zu einer von ihnen durchgeführten Umfrage mitteilten. „Die Verbraucher beurteilen die langfristigen Aussichten für die heimische Wirtschaft so gut wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr“, sagte Umfragechef Richard Curtin.

Die Verbraucherausgaben werden angesichts höherer Beschäftigungsstände und niedrigerer Treibstoffpreise wohl auch im neuen Jahr weiter ansteigen. Die wachsende Zuversicht der Privathaushalte sowie ihre zunehmende Kaufkraft gehören zu den Gründen, aus denen die US-Notenbank im kommenden Jahr wohl die Zinsen anheben wird. Andere BIP-Faktoren, wie die Lagerbestände und die öffentlichen Ausgaben, werden die im letzten Quartal feststellbare Stärke wohl nicht beibehalten. Zum Jahresende hin wird sich das Wachstumstempo voraussichtlich verlangsamen.

Die US-Notenbank Fed

Fed?

Das Federal Reserve System – kurz Federal Reserve oder einfach Fed – ist die Notenbank der USA.

Die Funktion

Die 1913 vom amerikanischen Kongress gegründete staatliche Organisation leitet die US-Geldpolitik, kontrolliert und reguliert die Banken des Landes und beeinflusst die Bedingungen für die Kreditvergabe.

Die Ziele

Die übergeordneten Ziele der Fed sind eine möglichst hohe Beschäftigung, stabile Preise sowie günstige Zinsen. Die mächtige Organisation kontrolliert damit einige der wirtschaftlichen Stellschrauben der Vereinigten Staaten.

Die Präsidentin

Präsidentin ist Janet Yellen. Die 68-Jährige hatte ihren Posten offiziell Anfang Februar 2014 angetreten. Sie ist die erste Frau an der Fed-Spitze in der 100-jährigen Geschichte der Zentralbank.

„Nach fünf Jahren schwachen Wachstums wird die Wirtschaft endlich aus der Reha entlassen“, schrieb Ethan Harris, Co- Leiter Weltwirtschaftsanalyse bei der Bank of America in New York, in einer Studie vor der Veröffentlichung der Daten. „Stellen Sie sich darauf ein, dass die Fed ihre Geldpolitik nur behutsam und in bescheidenem Ausmaß straffen wird.“

Ein weiterer Datensatz vom Dienstag deutet darauf hin, dass vergleichbare Zuwachsraten in naher Zukunft nicht zu erwarten sind. Die Bestellungen für langlebige Güter gingen im November unerwartet zurück, wie das Handelsministerium mitteilte. Die Nachfrage nach Rechnern, Metallen und Elektrogeräten stagnierte im vergangenen Monat bzw. ging vor dem Hintergrund einer sich abkühlenden Weltkonjunktur sogar zurück.

Zum BIP-Anstieg trug ein schrumpfendes Handelsbilanzdefizit rund 0,8 Prozent bei, wie die Daten vom Dienstag zeigten. Auch das dürfte sich zum Jahreswechsel nicht wiederholen, unter anderem, weil die steigenden Verbraucherausgaben die Einfuhren in die Höhe treiben.

Kommentare (13)

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Beo Bachter

23.12.2014, 16:16 Uhr

Na haben die Amis mal wieder die Statistiken wohlwollend interpretiert oder frisiert?

Wie auch immer, die wirklichen Herausforderungen vor den das Land der 50 Mill. Essenmarkenempfänger steht, bestehen ganz bestimmt nicht darin, eine Interpolataion/ein Aufblasen überlebter Wirtschaftsstrukturen mit Falschgeld und anderen Formen der Desinformation als tragfähige Basis einer Gesellschaft zu verkaufen.

Wenn die ersten Fracking-Unternehmen aufgrund des von feudalistisch-autoritären Freunden Washingtons in Saudi-Arabien pleite gehen, wird das jetzt schon wieder steigende Leistungsbilanzdefizit der USA der Wahrheit die Ehre geben...

Celo Abdi

23.12.2014, 16:24 Uhr

Was erlauben Sie sich, das US-Wachstum anzuzweifeln?

Auch Europa wird Dank Draghi brummen ab dem nächsten Jahr. Wir werden blühende Landschaften in Griechenland und Südeuropa sehen.

Aktien sind alternativlos. Der Euro ist alternativlos. Merkel ist...

Beo Bachter

23.12.2014, 16:49 Uhr

"Was erlauben Sie sich, das US-Wachstum anzuzweifeln?"

Naja, die Amerikaner hätten mal auf den Zettel mit den Nebenwirkungen ihrer Doping-Mittel schauen sollen. Mit dem (vorhersehbar vorübergehenden!) Aufplustern der Muskeln, die ein gesunder Organsimus in der Form gar nicht braucht, schrumpft nämlich das Gehirn und wächst vor allem eines: eine aggressive Dummheit!

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