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24.01.2005

07:42 Uhr

Großbritannien hat sich als Wachstumsstandort etabliert, doch die Gefahren steigen

Das Musterland in Europa wird zu satt

VonFelix Schönauer (Handelsblatt)

Großbritannien steht vor der Wahl: Die Politiker werden die Bürger vermutlich am 5. Mai zu den Urnen rufen. Alles andere als ein klarer Sieg der regierenden Labour-Partei wäre eine große Überraschung. Das Land steht nach sieben Jahren mit Premierminister Tony Blair an der Spitze so gut da wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Hinter der glänzenden Fassade schimmern jedoch viele Herausforderungen.

LONDON. Wer die Insel nach langer Zeit wieder besucht, ist überrascht: Die Städte sind heller, bunter und sauberer als früher. Der Bahnhof von Leeds wirkt wegen der vielen Neubauten wie eine neue Stadt. Landauf, landab prägen moderne Bauten renommierter Architekten das Bild.

Auch die Zahlen stimmen: Die Arbeitslosigkeit ist gerade einmal halb so hoch wie in Deutschland. Die Wirtschaft wächst stärker als im europäischen Durchschnitt, die Verschuldung ist niedriger. „Dass die Wirtschaft so stark boomt, liegt an den guten Rahmenbedingungen für Unternehmen“, sagt Michael Saunders, Volkswirt bei der Citigroup. Flexible Arbeitsmärkte führen zu hohen Investitionen der Firmen, seit Jahren steigen die Gehälter stärker als die Inflation.

Dem Land ist der Wandel zur Dienstleistungs-Gesellschaft gelungen: Fast drei Viertel der wirtschaftlichen Leistung wird durch Banken und Versicherungen, Dienstleistungen in der Informationstechnologie und für Unternehmen geschaffen. Das wachstumsschwache verarbeitende Gewerbe – vom Autozulieferer bis zur Glasmanufaktur – bringt nicht einmal ein Fünftel des Bruttosozialproduktes zu Stande.

Stimuliert wird das Wirtschaftswachstum durch die Kauflust der Briten. Nach Angaben der nationalen Statistiker haben britische Einzelhändler zwar im Dezember das schwächste Weihnachtsgeschäft seit gut 20 Jahren verzeichnet. Im Gesamtjahr 2004 stieg der Einzelhandelsumsatz aber um 5,9 Prozent gegenüber dem Jahr 2003.

Für die steigende Kauflust haben vor allem auch die stetig steigenden Immobilienpreise gesorgt. Mehr als zwei Drittel der Einwohner besitzen ihre eigenen vier Wände. Da Platz begrenzt ist und öffentliche Wohnungsbauprogramme kaum vorhanden sind, werden Immobilien seit Jahren teurer. Der Wert eines durchschnittlichen Hauses ist heute mehr als doppelt so hoch als noch vor einer Dekade – das steigert die Kauflust. Die Entwicklung birgt aber auch Risiken: Viele Experten warnen, die Preise seien in den Himmel geschossen und befürchten eine Korrektur der Immobilienpreise.

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