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25.01.2005

13:20 Uhr

Große internationale Erfahrung

Italien schlägt Bini Smaghi als EZB-Direktor vor

Italien bleibt einer alten Tradition treu, nur seine besten Köpfe in internationale Organisationen zu entsenden: So soll der angesehene Finanzfachmann Lorenzo Bini Smaghi am 1. Juni den nicht minder hochgeschätzten Tommaso Padoa Schioppa als Direktoriumsmitglied der europäischen Zentralbank in Frankfurt ablösen.

mab MAILAND. In einem Brief an den derzeitigen Ratspräsidenten Jean Claude Juncker schlägt Italiens Finanzminister Domenico Siniscalco seinen 48-jährigen Leiter der internationalen Beziehungen für den prestigereichen Posten vor. Bini Smaghis Benennung stößt in Italien auf einhellige Zustimmung: Sowohl aus dem Lager der Regierung als auch aus jenem der Opposition kommt Applaus.

„Er ist kompetent, gegen diese Entscheidung lege ich keinen Widerspruch ein,“ sagte der frühere Finanzminister Vincenzo Visco von den oppositionellen Linksdemokraten. Von einer „optimalen Wahl“ spricht Sozialminister Roberto Maroni. Entgegen diverser Presseberichte soll nach Informationen aus Kreisen der Banca d’Italia die Kandidatur Bini Smaghis auch in der italienischen Notenbank auf Zustimmung gestoßen sein. Mailänder Banker begrüßen die Wahl fast einhellig.

So viel Konsens ist ungewöhnlich in einem Land, in dem Personalien oft in Glaubenskriege ausarten. Doch die Qualifikation des smarten Bini Smaghis lässt keine Zweifel offen: Der in Belgien und Chikago ausgebildete Ökonom blickt trotz seiner relativen Jugend bereits auf eine brillante Karriere zurück. Gestartet in der volkswirtschaftlichen Abteilung der Banca d’Italia - eine der profiliertesten Eliteschmieden des Landes - wechselte der Vater zweier Kinder in den 90er Jahren zum Vorläufer der EZB, dem Europäischen Währungsinstitut. Dort war er zuletzt stellvertretender Generaldirektor der volkswirtschaftlichen Abteilung. 1998 kehrt der polyglotte Florentiner mit dem Hang zu moderner Kunst zurück nach Rom, wo ihn der damalige Finanzminister und heutige Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi zu seinem Sherpa macht. Als einer der engsten Mitarbeiter Ciampis, aber auch dessen Nachfolgern Visco, Tremonti und Siniscalco, bereitet er für die Regierung die internationalen Treffen wie den G7 vor. Als geborener Kommunikator macht er sich einen gleichsam guten Namen bei Delegationen und Journalisten. Parallel zu seinen Aufgaben im Finanzministerium ist er Präsident der staatlichen Exportversicherung Sace und sitzt im Verwaltungsrat der teilstaatlichen Rüstungskonzerns Finmeccanica.

Angesichts seiner großen internationalen Erfahrung wird sich Bini Smaghi auf dem rutschigen Parkett der EZB unter ihrem Präsidenten Jean Claude Trichet voraussichtlich sicher zu bewegen wissen. Bini Smaghi ist einer der in Italien seltenen Vertreter der liberalen Denkschule. Es fällt immer wieder sein Name, ebenso wie jener von Finanzminister Domenico Siniscalco, wenn südlich des Brenners von marktwirtschaftlichen Reformkräften die Rede ist. Sie haben es aber in der Regierung Berlusconi nicht leicht, die von staatsinterventionistischen Ministern dominiert wird.

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