Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.10.2013

17:05 Uhr

Günstiges Benzin

Inflation in Deutschland erneut gesunken

Sprit ist so günstig wie lange nicht, und der milde Oktober lässt die Heizölpreise purzeln. In Deutschland ist die Inflation auf dem Rückzug - auch wenn Nahrungsmittel weiter deutlich teurer werden.

Handel auf dem Markt: Die Inflationsrate ist trotz kräftig steigender Nahrungsmittelpreise erneut gesunken. dpa

Handel auf dem Markt: Die Inflationsrate ist trotz kräftig steigender Nahrungsmittelpreise erneut gesunken.

WiesbadenDer kräftige Preisrückgang an den Tankstellen hat die Inflation in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit April gedrückt. Im Oktober sank die Jahresteuerung nach vorläufigen Zahlen von 1,4 Prozent im Vormonat auf 1,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Im Vergleich zum September sanken die Verbraucherpreise voraussichtlich um 0,2 Prozent.

Die niedrige Inflationsrate sei maßgeblich auf die gesunkenen Mineralölpreise zurückzuführen, erklärten die Statistiker. Binnen Jahresfrist verbilligten sich Haushaltsenergie und Kraftstoffe um 0,5 Prozent. Im Monatsvergleich fielen die Preise für Heizöl und Kraftstoffe nach Berechnungen der Commerzbank um 3,0 Prozent. „Das Minus gegenüber September ist vollständig gesunkenen Energiepreisen zuzuschreiben“, analysierte Commerzbank-Ökonom Johannes Werner.

Inflationsrisiken

Lohn-Preis-Spirale

Wegen der guten Konjunktur haben die Gewerkschaften kräftige Lohnerhöhungen durchgesetzt: Die Chemie-Beschäftigten bekommen 4,5 Prozent, die Metaller 4,3 Prozent mehr Geld, mit einer Laufzeit von rund einem Jahr. Die Beschäftigten bei Bund und Kommunen handelten ein Plus von 6,3 Prozent für zwei Jahre aus. Unternehmen und Staat werden versuchen, die höheren Personalkosten aufzufangen, indem sie ihre Preise beziehungsweise Gebühren und Abgaben anheben. Verteuert sich die Lebenshaltung dadurch merklich, werden die Gewerkschaften in der nächsten Lohnrunde einen Ausgleich verlangen. Es droht eine Spirale, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig nach oben schaukeln.

Lockere EZB-Geldpolitik

Bei ersten Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale müsste die EZB ihre Zinsen anheben. Mit teurerem Geld kann sie Konsum und Investitionen drosseln, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen könnte. Aus Rücksicht auf die schwere Wirtschaftskrise in Ländern wie Spanien wird die Zentralbank ihren Leitzins aber wohl noch längere Zeit auf dem Rekordtief von einem Prozent lassen - oder sogar weiter senken. Die extrem niedrigen Zinsen aber können den Konsum im prosperierenden Deutschland weiter befeuern und die Preise anheizen.

Schwacher Euro

Wegen der eskalierenden Schuldenkrise steht der Euro unter Abwertungsdruck. Mit rund 1,25 Dollar ist er so billig wie seit Sommer 2010 nicht mehr. Das Problem: Deutschland als rohstoffarmes Land muss Öl, Metalle und andere Materialien im Ausland kaufen. Auf dem Weltmärkten werden die Rohstoffe überwiegend in Dollar abgerechnet. Ein schwächerer Euro macht damit deutsche Importe teurer.

Enorme Liquidität

Zusätzliche Gefahren gehen von der Politik der Europäischen Zentralbank aus, den Finanzhäusern billiges Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen. Allein Ende 2011 und Anfang 2012 hat sie mehr als eine Billion Euro zum Zins von aktuell einem Prozent für drei Jahre in den Finanzsektor gepumpt. Zieht die Kreditvergabe an die Unternehmen erst einmal an, kann das viele Geld schnell in Inflation münden.

Christian Schulz vom Bankhaus Berenberg begründet den Rückzug der Inflation auch mit dem relativ milden Wetter zum Start der Heizsaison: „Da bald mehr Haushalte ihre Heizungen anschalten werden, dürfte diese Preisentwicklung nur vorübergehend sein.“

Wie der ADAC am Mittwoch berichtete, können Autofahrer in Deutschland derzeit so günstig tanken wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Der bundesweite Durchschnittspreis für einen Liter Super E10 rutschte verglichen mit der Vorwoche um 2,3 Cent knapp unter die Marke von 1,50 Euro. Damit habe der Preis wieder den Stand von Anfang Januar 2012 erreicht.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

30.10.2013, 17:58 Uhr

vielleicht sollten wir Benzin, E10 ist ja noch etwas billiger, saufen. Ist ja energiereich, dann muss man weniger essen.

Republikaner

30.10.2013, 18:24 Uhr

Schon mal in dieser Saison Nüsse gekauft? Gefühlte Inflation bei mind. 20%! Müssen wir uns eigentlich verarschen lassen? Welche Art von Hirnwäsche geht hier eigentlich vor sich?

anonym

30.10.2013, 18:26 Uhr

Traue keiner Statistik,die Du nicht selber gefälscht hast!Ein sehr berühmter Englischer Staatsmann.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×