Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.06.2013

13:52 Uhr

Handelsbeziehungen

Interesse der deutschen Wirtschaft an Afrika wächst

Nach Asien gilt Afrika als aussichtsreichster Markt weltweit. Auch deutsche Unternehmen wollen mehr und mehr davon profitieren, heißt es beim DIHK. Schließlich geht es um 1,2 Milliarden potenzielle Kunden.

Bauern in Malawi: Afrika wird für deutsche Unternehmen interessanter. dpa

Bauern in Malawi: Afrika wird für deutsche Unternehmen interessanter.

BerlinIn der deutschen Wirtschaft steigt das Interesse an Geschäften mit den teils kräftig wachsenden afrikanischen Ländern. DIHK-Präsident Eric Schweitzer sprach am Donnerstag von einer zunehmenden Bereitschaft bei deutschen Unternehmen, sich in Afrika zu engagieren. Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel räumte allerdings ein, die deutsche Wirtschaft habe sich mit dem Ausbau ihrer Afrika-Geschäfte etwas Zeit gelassen. Sie hole aber auf. Das sei angesichts von Wachstumsaussichten in dieser Region, die nur von Asiens übertroffen würden, auch nötig.

„Afrika ist definitiv nicht dieser Katastrophen- und Kriegskontinent, für den man ihn hier oftmals hält“, sagte Niebel bei einer Veranstaltung zum 50-jährigen Bestehen der Afrikanischen Union (AU) in Berlin. 2040 werde es dort 1,2 Milliarden Menschen im erwerbsfähigen Alter geben. „Es liegt auch mit an uns, ob das Kunden, Partner werden oder ob es Flüchtlinge werden“, fügte er hinzu.

Rohstoffe aus Nordafrika

Mali

In dem Land, in dem mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt, werden Bodenschätze vor allem im Norden vermutet. Abgebaut wird bisher nur Gold, weltweit belegt das Land hier den 18. Rang. Doch in der Region zwischen den bisherigen Islamistenhochburgen Kidal und Gao gibt es auch Uran. "Es handelt sich um eine ähnliche geologische Formation, wie die, die im benachbarten Niger die Uranminen des französischen Atomkonzerns Areva beherbergt", sagte die Afrikaexpertin Gaelle Aerson vor einiger Zeit dem Deutschlandfunk. Erdöl- und Erdgas-Projekte wurden laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) inzwischen wieder eingestellt.

Niger

Das Land stand 2011 bei der Uranproduktion weltweit an vierter Stelle, wie aus einer Energiestudie 2012 der Deutschen Rohstoffagentur hervorgeht. Frankreich, der größte Atomstromproduzent Europas, ist von dem Rohstoff abhängig. Und auch für die französischen Atomwaffen ist Uran unerlässlich. Nach Kasachstan ist Niger für Frankreich das zweitwichtigste Land, um seinen Uran-Bedarf zu decken. Deutschland wiederum deckt einen guten Teil seines Uranbedarfs aus Frankreich.

Im Niger baut der staatliche französische Atomkonzern Areva, 2011 der zweitgrößte Uran-Produzent weltweit, seit 40 Jahren Uran ab. Ende 2014 will Areva dort eine dritte Mine eröffnen, die nach Unternehmensangaben zur zweitgrößten weltweit werden soll. Derzeit sind vier Franzosen, die bei der Uranmine Arlit im Norden des Landes im September 2010 entführt wurden, nach wie vor Geiseln von Al-Kaida in Nordafrika (Aqmi). Neuerdings sichern auch Spezialkräfte der französischen Armee diese Areva-Anlagen. Mit den Minen machte Areva 2011 einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro.

Darüber hinaus gibt es im Niger auch Erdöl, das von einer chinesischen Firma gefördert wird. China ist dort auch im Uran-Abbau aktiv.

Algerien

Das nördliche Nachbarland Malis, in dem im Januar ein islamistisches Kommando hunderte Menschen in einer Gasanlage als Geiseln nahm, gehört für die deutsche Wirtschaft unter den zehn wichtigsten Ländern Afrikas für Raffinerieproduktion. Zwar liegen bei der Erdölproduktion weltweit andere Länder wie Saudi-Arabien weit vor Algerien. Doch für das nordafrikanische Land machen der Export von Erdöl, Erdgas und Raffinerieprodukten laut Auswärtigem Amt rund 98 Prozent seiner Deviseneinnahmen aus. Zudem verläuft von dort aus eine wichtige Pipeline zur Versorgung Südeuropas mit Erdgas.

Der Angriff der Islamisten auf das Gasfeld von In Aménas in Südalgerien wurde denn auch als Attacke auf die vitalen Interessen und als Versuch einer Destabilisierung Algeriens angesehen.

Libyen

Ähnlich ist die Lage in Libyen. Auch dort machen Energieexporte fast den gesamten Erlös im Außenhandel aus. Nach dem Umsturz im Jahr 2011 hat sich laut einem Bericht der deutschen Gesellschaft für Außenwirtschaft die Erdölproduktion Anfang 2012 wieder weitgehend normalisiert. Die Produktion von Erdöl und Erdgas soll künftig deutlich ausgeweitet werden. Rund 40 Prozent der Landesfläche gelten demnach noch als unerforscht, es werden noch große Vorkommen in Libyen vermutet. Viele Großprojekte stehen wegen der politischen Unsicherheit aber still.

Derzeit vergeht in Libyen kaum ein Tag ohne einen Anschlag oder Angriff von Islamisten, die oft mit Gruppen in Algerien, Mali oder Niger zusammenarbeiten.

Quelle: dpa

Die deutschen Exporte in die Länder des Erdteils wuchsen nach Schweitzers Worten 2012 um fünf Prozent auf 21,8 Milliarden Euro, die Importe um acht Prozent auf 23,9 Milliarden Euro. „Das ist noch kein hohes Niveau, aber es entwickelt sich nach oben“, erklärte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Auch weiterhin seien für Afrika durchschnittliche Wachstumsraten von fünf bis sechs Prozent zu erwarten. In einer Umfrage vor einiger Zeit hätten mehr als jedes fünfte im Ausland tätige deutsche Unternehmen angegeben, ein Engagement in Afrika zu prüfen. Vor kurzem habe dieser Prozentsatz noch bei 18 Prozent gelegen.

Von

rtr

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Tabu

27.06.2013, 14:20 Uhr

Nach Asien gilt Afrika als aussichtsreichster Markt weltweit. Auch deutsche Unternehmen davon profitieren.
Schließlich geht es um 1,2 Milliarden potenzielle Kunden.
---------------
Bald reicht diese Welt zum abgrasen nicht mehr.
1,2 Milliarde potenzielle Kunden..wo denn in Afrika.
50% davon,werden von der Welthungerhilfe betreut.

naheru

27.06.2013, 15:16 Uhr

Mal ernst bleiben, Südafrika als stärkste Wirtschaft hat ein GDP von 491 Milliarden USD, also weniger als Baden Württemberg (500 Mrd USD), Ghana, das z Zt boomt hat ein GDP von 34.2 Mrd USD, das ist weniger als Bremen (35 Mrd)und die DR Kongo mit all ihren Rohstoffen hat ein GDP von 20 Mrd USD, das ist die Hälfte des Saarlandes (40 Mrd USD)....

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×