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08.01.2010

09:02 Uhr

Handelsbilanz

Deutsche Exporte steigen überraschend deutlich

Die deutschen Exporte sind im November unerwartet deutlich gestiegen: Sie legten um 1,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat zu. Experten hatten lediglich ein kalender- und saisonbereinigtes Plus von 0,5 Prozent erwartet. Doch die Importe gingen unerwartet deutlich zurück.

Auf Jahressicht ergaben sich sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen nach wie vor Rückgänge. dpa

Auf Jahressicht ergaben sich sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen nach wie vor Rückgänge.

HB WIESBADEN. Der Saldo der Handelsbilanz habe 17,4 Milliarden Euro betragen, nach 13,4 Milliarden Euro im Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mit. Auch auf Jahressicht stieg der Überschuss. Im November 2008 hatte er noch bei 10,0 Milliarden Euro gelegen. Kalender- und saisonbereinigt lag der Überschuss im November 2009 bei 17,2 Milliarden Euro. Die Ausfuhren stiegen im Vergleich zum Vormonat bereinigt um 1,6 Prozent, während die Einfuhren deutlich um 5,9 Prozent sanken. Auf Jahressicht ergaben sich sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen nach wie vor Rückgänge.

Die Leistungsbilanz schloss im November nach vorläufigen Berechnungen mit einem Überschuss von 18,1 Milliarden Euro ab. Im Vormonat hatte der Überschuss bei 11,1 Milliarden Euro gelegen. Im November 2008 war der Überschuss mit 9,4 Milliarden Euro ebenfalls deutlich niedriger.

Insgesamt wurden Waren im Wert von 73,7 Milliarden Euro ausgeführt, 3,1 Prozent weniger als im November 2008. Während die Ausfuhren nach Europa erneut schrumpften, nahmen die übrigen Kontinente 2,9 Prozent mehr ab. In den ersten elf Monaten setzten die Unternehmen 19,9 Prozent weniger im Ausland um als ein Jahr zuvor. Der Exportverband BGA erwartet, dass sich dieses Minus bis Jahresende auf etwa 18 Prozent reduziert. Das wäre der größte Rückgang seit Bestehen der Bundesrepublik und der erste seit 1993. Für 2010 rechnet BGA-Präsident Anton Börner wieder mit einem Wachstum von bis zu zehn Prozent. Waren im Wert von 56,3 Milliarden Euro wurden insgesamt importiert. Das waren 14,8 Prozent weniger als im November 2008.

„Deutschland profitiert von der Belebung des Welthandels. Das ist ein sehr positives Zeichen, weil wir sehr exportabhängig sind“, wertet Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim die aktuellen Daten. Die Exporte belebten sich. „Der Außenhandel dürfte 2010 wieder eine wesentliche Stütze der Wirtschaft sein“, meint die Volkswirtin. Die Importe seien zum zweiten Mal in Folge kräftig gesunken. Offenbar hätten die Unternehmen ihre Lager im Sommer sehr stark aufgebaut. Das werde jetzt wieder korrigiert. Volkswirt Sebastian Wanke von der Deka-Bank findet es überraschend, dass die Importe noch einmal so stark zurückgegangen sind. „Der Handelsbilanz-Überschuss hat sich unerwartet stark ausgeweitet. Das bedeutet, dass im vierten Quartal noch einmal ein richtig starker Schub vom Außenhandel gekommen ist“, sagt Wanke. „Wir sind zum Jahresende stark gewachsen.“ Der Rückgang der Importe sei damit kurzfristig gut. Tatsächlich seien aber bei den Importen zahlreiche Vorleistungsgüter dabei, die einen Hinweis auf die künftige Produktion und die Stärke des Konsums gäben – und vor diesem Hintergrund seien die Zahlen etwas mit Vorsicht zu genießen. „Wenn man sich dazu den Auftragseingang ansieht, dessen Dynamik sich im Herbst abgeschwächt hat, ist Pessimismus für das erste Quartal angebracht.“

Dirk Schumacher von Goldman Sachs werdet die Handelsbilanz-Daten als ein Indiz dafür, dass die Binnennachfrage etwas schwächer wird. „Unter dem Strich träg der Außenhandel wieder deutlich zum Wirtschaftswachstum im vierten Quartal bei, weil die Exporte und der Außenhandelsüberschuss gestiegen sind“, sagt der Volkswirt. „Wir halten im Schlussquartal ein Wirtschaftswachstum von bis zu einem Prozent für möglich.“

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