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02.01.2007

08:31 Uhr

Handelsblatt Business-Monitor International

Deutsche Unternehmen strotzen vor Kraft

VonDorit Hess

Deutschland startet als wettbewerbsfähigstes Land der Euro-Zone ins neue Jahr. Die größte Volkswirtschaft Europas hat ihre Konkurrenzsfähigkeit 2006 nach Ansicht europäischer Spitzenmanager stärker als andere Nationen verbessert – und wird sie weiter steigern. Bemerkenswert: Die heimischen Führungskräfte sehen die deutsche Lage schwärzer als ihre ausländischen Kollegen.

Ford-Neuwagen auf dem Gelände des Werks in Köln. Foto: ap Quelle: ap

Ford-Neuwagen auf dem Gelände des Werks in Köln. Foto: ap

DÜSSELDORF. Nach Einschätzung von 1 175 Führungskräften aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Österreich und der Schweiz ist die deutsche Wirtschaft im gerade beendeten Jahr wieder erstarkt. Auf einer Skala von eins (sehr gut) bis fünf (sehr schlecht) kommt die Bundesrepublik auf eine Durchschnittsnote von 2,5. Im Jahr 2005 lag sie erst bei 2,8, im vom Irak-Krieg überschatteten Jahr 2003 sogar nur bei 3,4. Befragt wurden die Top-Manager im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege und Comp. vom Hamburger Psephos-Institut sowie den Marktforschern Innofact und Marktagent.com im November und Dezember für den Handelsblatt Business-Monitor International.

Ausschlaggebend für die dynamische Entwicklung der deutschen Wirtschaft sei die beharrliche Restrukturierung der Unternehmen, sagte der Chefvolkswirt der Dresdner Bank, Michael Heise: „Nach früheren Rezessionsphasen haben wir Restrukturierungen als Reinigungskrisen betrachtet, diesmal dagegen handelt es sich nicht um eine kurzfristige Erscheinung.“ Aus Sicht von Timo Klein, Deutschland-Experte des privaten Wirtschaftsforschungsunternehmens Global Insight, hat auch die „überdurchschnittliche Lohnzurückhaltung“ der deutschen Gewerkschaften einen wichtigen Beitrag zur gestiegenen Konkurrenzfähigkeit hiesiger Unternehmen geleistet.

44 Prozent der Führungskräfte aus sechs Ländern führen die Stärkung des Standorts Deutschland zum Teil auch auf den Wechsel der Bundesregierung im November 2005 zurück. Die Antwort der deutschen Manager ist noch deutlicher. Hier gehen 56 Prozent der Befragten davon aus, dass die von Bundeskanzlerin Angela Merkel geführte Regierung die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen verbessert habe. Dieser Befund sei vor allem „psychologisch“ erklärbar, sagt der Mainzer Politikwissenschaftler Jürgen Falter. Durch den Konjunkturaufschwung habe sich die Stimmung in Deutschland erheblich verbessert, die Regierung profitiere davon beinahe automatisch.

Inzwischen erwarten allerdings nicht mehr so viele Manager wie noch vor einem Jahr, dass die große Koalition die Attraktivität des Standorts Deutschland im Laufe des Jahres 2007 weiter erhöhen wird. Damit rechnen jetzt nur noch 55 Prozent der deutschen Führungskräfte, vor zwölf Monaten waren es 68 Prozent.

Bemerkenswert ist auch, dass die deutschen Führungskräfte von der Stärke der hiesigen Wirtschaft weniger überzeugt sind als ihre ausländischen Kollegen: Erhält Deutschland bei den Befragten aller sechs Länder die Note 2,5, so bewerten die deutschen Manager die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Standorts nur mit 2,7. In sämtlichen anderen Ländern geben die Führungskräfte dem jeweils eigenen Standort eine bessere Note als der Durchschnitt. „Wir müssen erst noch lernen, die Realität objektiv wahrzunehmen“, kommentiert Deutschland-Experte Klein dieses Teilergebnis. In den Köpfen der Manager habe sich in den von Stagnation und schwachem Wachstum geprägten Jahren 2001 bis 2005 die Vorstellung verfestigt, Deutschland habe den Anschluss verloren. Tatsächlich aber ist Deutschland in puncto Wettbewerbsfähigkeit binnen vier Jahren vom letzten auf den ersten Platz der Euro-Zone aufgestiegen.

Viele Volkswirte sind mittlerweile davon überzeugt, dass die deutsche Wirtschaft auch in den kommenden Jahren prosperieren wird. Dresdner-Bank-Chefvolkswirt Heise etwa sieht „erhebliche strukturelle Veränderungen der Rahmenbedingungen, vor allem im Tarifsektor“. Wenn Deutschland diesen Weg weitergehe, könne das Wachstumspotenzial von derzeit knapp 1,5 Prozent bis zum Ende des Jahrzehnts auf drei Prozent erhöht werden, sagt Heise voraus.

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