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04.02.2005

10:32 Uhr

Handelsblatt Business-Monitor: Zwei Drittel rechnen für 2005 nicht mit Belebung der Inlandsnachfrage

Manager schreiben Binnenkonjunktur ab

Die große Mehrheit der deutschen Top-Manager schreibt die deutsche Binnenwirtschaft auch in diesem Jahr ab: Fast zwei Drittel (62 Prozent) der Führungskräfte glauben nicht daran, dass die Binnenkonjunktur 2005 in Fahrt kommt. Das ist das Ergebnis des "Handelsblatt Business-Monitors", einer regelmäßigen Repräsentativ-Umfrage des Psephos-Instituts unter 885 deutschen Topmanagern im Auftrag von Handelsblatt und der Unternehmensberatung Droege & Comp.

Grafik: Handelsblatt.com

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ost DÜSSELDORF. Die deutschen Führungskräfte stellen damit eine der zentralen Voraussetzungen für eine Fortsetzung der Konjunkturerholung in Frage. Eine zumindest zaghafte Belebung der chronisch schwachen Binnenkonjunktur gilt unter Volkswirten als zentrale Voraussetzungen dafür, dass die deutsche Wirtschaftsleistung 2005 um 1,2 bis 1,4 Prozent wachsen kann. In den vergangenen Wochen hatten Anstiege beim Ifo-Geschäftsklima-Index und der Verbraucherstimmung Hoffnungen auf eine Belebung der Binnenkonjunktur genährt. Die Wirtschaftselite selbst allerdings ist weiterhin skeptisch: Gerade einmal 37 Prozent der befragten Top-Manager rechnet damit, dass die Inlandswirtschaft 2005 in Schwung kommt.

Trotz der weit verbreiteten Zweifel gegenüber einer Belebung der Binnenwirtschaft sind die Führungskräfte zu Jahresbeginn insgesamt für den Standort D optimistischer gestimmt als Ende 2004. Immerhin 38 Prozent der Führungskräfte bezeichnen die aktuellen Standort-Bedingungen als „gut“ oder „eher gut“, imDezember waren nur 32 Prozent dieser Meinung. Die Unzufriedenen sind mit 62 Prozent zwar noch in der Mehrheit. Innerhalb der vergangenen beiden Jahre hat sich die Stimmung aber massiv aufgehellt: Im Frühjahr 2003 bewerteten fast 90 Prozent der Top-Manager die Standortbedingungen als schlecht oder sehr schlecht, gerade einmal jeder Zehnte war positiv gestimmt.

Mit Blick auf die Standortbedingungen sind immer mehr Top-Manager auch für die Zukunft hoffnungsvoll gestimmt: Zu Jahresbeginn rechnen 49 Prozent damit, dass sich die Standortbedingungen in den nächsten zwölf Monaten verbessern werden oder dass sie zumindest gleich gut bleiben. Ende des vergangenen Jahres waren nur 45 Prozent so optimistisch. Besonders zuversichtlich sind derzeit die Führungskräfte in Großunternehmen gestimmt – 59 Prozent der Top-Manager von Firmen mit mehr als 5 000 Beschäftigen rechnen mit einer positiven Entwicklung der Standortbedingungen. Über alle Unternehmensgrößen hinweg sind die Skeptiker dagegen noch knapp in der Überzahl: 43 Prozent glauben, dass die Standortbedingungen gleich schlecht bleiben, weitere acht Prozent rechnen sogar damit, dass schlechter werden.

Die gewachsene Zuversicht spiegelt sich auch in den Investitionsplänen der Unternehmen. Das Investitionsklima ist im Januar auf den höchsten Stand seit fast vier Jahren gestiegen. Jedes vierte Unternehmen will in den kommenden zwölf Monaten seine Investitionen erhöhen – Kürzungen planen dagegen nur noch 15 Prozent. Weitere 58 Prozent wollen ihre Investitionsbudgets immerhin konstant halten.

Der Beschäftigungsabbau in den Unternehmen ist dagegen auch eineinhalb Jahre nach dem Beginn der Konjunkturerholung noch nicht vollständig zum Stillstand gekommen. Anfang 2005 ist zwar der Anteil der Unternehmen, die in den nächsten zwölf Monaten ihre Belegschaft verkleinern wollen, mit 28 Prozent auf den tiefsten Stand seit fast vier Jahren gesunken. Trotzdem sind sind die Unternehmen, die Stellen streichen, weiterhin in der Überzahl. Neue Arbeitsplätze schaffen wollen im Januar nur 20 Prozent der Führungskräfte – der Anteil der einstellungswilligen Unternehmen bewegt sich damit seit dem Sommer seitwärts. 51 Prozent wollen die Zahl ihrer Mitarbeiter im nächsten Jahren konstant halten.

Eine deutliche Belebung auf dem Arbeitsmarkt ist damit 2005 nicht in Sicht. Mitte der Woche hatte die Bundesagentur für Arbeit berichtet, dass die Zahl der registrierten Arbeitslosen im Januar zum ersten Mal die Fünf-Millionen-Marke überschritten hat – allerdings hauptsächlich wegen statistischer Effekte im Zuge der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Die Top-Manager hatten ab Sommer 2001 danach mit massiven Kündigungen auf das Ende der Hochkonjunktur reagiert – im Herbst 2002 planten 58 Prozent der Firmen Entlassungen. 2002 und 2003 gingen insgesamt mehr als 600 000 Jobs verloren.

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