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15.12.2014

14:21 Uhr

Handelsblatt BWL-Ranking 2014

Die digitale BWL

VonHans Christian Müller-Dröge

Das neue Handelsblatt-Ranking der forschungsstärksten Betriebswirte zeigt: Internetthemen stehen in der Wissenschaft gerade ganz oben auf der Agenda. Das Netz stellt die BWL vor neue Herausforderungen.

Neue Herausforderungen: Produktionswissenschaftler beschäftigen sich mit der Digitalisierung der sogenannten Industrie 4.0. dpa

Neue Herausforderungen: Produktionswissenschaftler beschäftigen sich mit der Digitalisierung der sogenannten Industrie 4.0.

DüsseldorfWer sich ansieht, welche Forschungsthemen bei Betriebswirten zuletzt besonders angesagt waren, der sieht einen großen Trend: Das Geschäftemachen im Internet – mit all seinen Chancen und Risiken – ist in den letzten Jahren zum absoluten Topthema geworden. Das sieht auch Ruth Stock-Homburg so: „Die Digitalisierung zieht sich wie ein roter Faden durch die Betriebswirtschaftslehre“, sagt die Dekanin des Fachbereichs Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der TU Darmstadt.

Das Netz stelle dabei fast alle Disziplinen der BWL vor neue Herausforderungen, sagt Stock-Homburg: So beschäftigten sich die Logistiker mit der digitalen Unterstützung von Lieferketten; die Produktionswissenschaftler mit der Digitalisierung der sogenannten Industrie 4.0; die Finanzierungsexperten mit Phänomenen wie dem Crowdfunding – und die Innovationsforscher mit den modernen Möglichkeiten, neue Produkte mit Hilfe von Netz-Communitys zu entwickeln.

Auch im aktuellen Handelsblatt-Ranking der forschungsstärksten Betriebswirte aus dem deutschsprachigen Raum steht ein Internet-Forscher ganz vorne: Bernd Skiera von der Uni Frankfurt. Kein anderer Betriebswirt hat in den letzten fünf Jahren so viele so prominente Studien in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht wie er. „Das Internet ist für uns Betriebswirte einfach von vielen Seiten interessant“, sagt Skiera. Ökonomisch gesehen natürlich, aber auch technologisch – etwa, wenn es darum gehe, Werbeplätze auf Internetseiten mit Hilfe von Auktionen in Echtzeit zu versteigern. Und nicht zuletzt sei da noch das wichtige Thema Datenschutz.

Handelsblatt BWL-Ranking 2014 – Die Methodik

Punkte für Artikel

Für jeden Artikel, den ein BWLer, der aus dem deutschsprachigen Raum stammt oder dort forscht, in einem prominenten Fachjournal veröffentlicht hat, bekommt er Punkte.

Renommee ausschlaggebend

Die Zahl richtet sich dabei einerseits nach dem Renommee der Zeitschrift: Für eine Publikation in einem der Top-Journale gibt es einen ganzen Punkt, für andere gibt es zwischen 0,1 und 0,7.

Berücksichtigung der Co-Autoren

Zum anderen ist die Zahl der Co-Autoren ausschlaggebend: Arbeitet ein Forscher alleine an einem Projekt, bekommt er die Punkte alleine – ansonsten wird die Zahl aufgeteilt.

Wertigkeit der Journale

Die Handelsblatt-Liste der Zeitschriften, die die Wertigkeit der Journale festlegt, entsteht durch die Zusammenfassung von vier anderen Listen, die international in der Forschung benutzt werden. Im Ranking der aktuellen Forschungsleistung zählen jeweils die Publikationen aus den letzten fünf Jahren, in das Ranking des Lebenswerks fließen alle Publikationen ein.

Minutiöse Kleinarbeit

Das Ranking entsteht durch minutiöse Kleinarbeit: Ein Forscherteam der ETH Zürich sichtet dafür mehr als 1 000 internationale und deutschsprachige Journale – und nutzt auch Daten der ZBW Bibliothek.

Nachtragen möglich

Die Forscher haben danach noch die Möglichkeit, ihre Daten zu validieren und fehlende Artikel nachzutragen.

Doch natürlich ist das Internet nur ein Forschungsfeld der BWL, schließlich ist das Spektrum der Forscher enorm breit. Alle zwei Jahre lässt das Handelsblatt alle Studien erfassen, die Forscher, die aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stammen oder dort forschen, in den Fachjournalen der BWL publiziert haben – und kürt damit die forschungsstärksten Betriebswirte. Die Datenarbeit übernimmt dabei ein renommiertes Forscherteam der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. Insgesamt werden dabei weit über 2000 Forscher berücksichtigt. Sie kommen aus allen Teildisziplinen der BWL – vom Rechnungswesen bis zur Managementlehre.

Und nicht nur die aktuelle Forschungsleistung – also die der letzten fünf Jahren – wird bewertet. Gleichzeitig gibt es ein Ranking für das Lebenswerk der Forscher, in das alle prominenten Publikationen einfließen, die sie je veröffentlicht haben. Und auch für die unter 40-Jährigen gibt es ein extra Ranking. Die Liste der forschungsstärksten BWL-Fakultäten aus dem deutschsprachigen Raum erscheint in der kommenden Woche.

Doch für die meisten Forscher steht die Frage, ob sie ihre Ergebnisse in einem prominenten Journal der BWL publizieren können, nicht im Vordergrund. „Klar hat man das bei einem Forschungsprojekt im Hinterkopf“, sagt Holger Patzelt, der Studiendekan der Münchener Fakultät. Trotzdem: In erster Linie sei es die Lust am Forschen, die den Ausschlag gebe.

Eine ausführliche Beschreibung der Methodik des Rankings finden Sie hier.

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