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15.04.2016

13:48 Uhr

Handelsblatt Wirtschaftsclub

Von Salz- und Brackwasserökonomen

VonCorinna Nohn

Bei der ersten Veranstaltung des Handelsblatt Wirtschaftsclubs in Düsseldorf dreht sich alles um Vorhersagen und Wahrscheinlichkeiten. Und der Präsident des Handelsblatt Research Institute Bert Rürup liefert davon einige.

Bert Rürup: „Jeder Wissenschaftler hat eine Brille auf der Nase, und die ist nicht dazu da, um die Realität scharf zu sehen. Sondern sie ist das Paradigma, das seine Arbeit bestimmt.“

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Bert Rürup: „Jeder Wissenschaftler hat eine Brille auf der Nase, und die ist nicht dazu da, um die Realität scharf zu sehen. Sondern sie ist das Paradigma, das seine Arbeit bestimmt.“

DüsseldorfMittags das Frühjahrsgutachten der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute, am Abend der Europapokal-Krimi zwischen dem FC Liverpool und Borussia Dortmund – die Wettbewerbslage am Donnerstag war durchaus ambitioniert für die erste Veranstaltung des Handelsblatt Wirtschaftsclubs in Düsseldorf. Bert Rürup, Präsident des Handelsblatt Research Institute (HRI), und sein Team hatten geladen, um exklusiv und persönlich ihre Konjunkturprognose für 2016 und 2017 zu erläutern.

Die Konkurrenzlage scheuten die Gastgeber nicht, wie Handelsblatt-Chefökonom Dirk Heilmann bei der zur Begrüßung im Foyer des Verlagshauses in der Düsseldorfer Kasernenstraße mit humorvollem Unterton klarmachte: „Wir können Ihnen heute Abend nicht Jürgen Klopp bieten, aber Bert Rürup steht ihm im Unterhaltungspotential um nicht viel nach.“ Eine gewagte Prognose für einen Ökonomen – weniger, zumal zu diesem Zeitpunkt keiner ahnen konnte, wie der BVB das fulminante Spiel erst dominieren und doch am Ende 3:4 unterliegen und ausscheiden würde.

Um Vorhersagen und Wahrscheinlichkeiten sollte es weiterhin an diesem Abend gehen. 80 Gäste hatten sich eingefunden, um Bert Rürups Einschätzungen aus erster Hand zu erhalten. Und der wortgewandte Redner machte das Versprechen, Infotainment auf hohem Niveau zu liefern, wahr: Mit einer Mischung aus prägnanter Einführung in die Volkswirtschaftslehre, kurzweiliger Analyse der weltwirtschaftlichen Herausforderungen und pointierter Kritik der aktuellen politischen Lage in Deutschland bettete er die Zahlen, die am Ende der Rechnungen des HRI standen: Um 1,3 Prozent wird die Wirtschaft in Deutschland in diesem Jahr nach Ansicht von Rürup, Heilmann und ihrer Ko-Autoren wachsen, 2017 soll sich das Wachstum auf ein Prozent verlangsamen.

Prognose des Handelsblatt Research Institutes

Deutsches Geschäftsmodell kriselt: Stottert das Wirtschaftswachstum in 2017?

Prognose des Handelsblatt Research Institutes: Deutsches Geschäftsmodell kriselt: Stottert das Wirtschaftswachstum in 2017?

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Die ausführliche Analyse zu Binnenkonsum, Außenhandel und Inflationsrate dazu findet sich im Handelsblatt, doch den Gästen vom Donnerstagabend wurde mehr geboten: Etwa der seltene Einblick in die Gemütslage eines Ökonomen, von dem erwartet wird, all seine Berechnungen, Schätzungen und Annahmen am Ende in einer einzigen Zahl mit Kommastelle zu präzisieren. „Jeder Wissenschaftler hat eine Brille auf der Nase, und die ist nicht dazu da, um die Realität scharf zu sehen. Sondern sie ist das Paradigma, das seine Arbeit bestimmt.“

Zur Veranschaulichung ließ der Ökonom Kleckse aus einem Rorschachtest an die Wand beamen und rief die Zuschauer auf, die Bildnisse zu deuten. Klar: Wo die junge Mutter vielleicht ein Nest sieht, erblickt ein anderer einen Schmetterling, und manch einer deutet einen Klecks als Frosch, den andere als Nase erkennen. Rürups Fazit: „Jedes Lebewesen deutet die Realität anders, und so ist das auch bei Ökonomen.“

Hans-Werner Sinn etwa, der seit 1999 dem Münchner Ifo Institut für Wirtschaftsforschung als Präsident vorstand und gerade erst in den Ruhestand gewechselt ist, „den können Sie zu jedem Problem in der Welt fragen, und die Löhne werden immer zu hoch sein.“ Beim Wirtschaftsweisen Peter Bofinger hingegen „sind sie immer zu niedrig“, rief Rürup ins amüsierte Publikum.

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