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20.06.2014

10:05 Uhr

„hartnäckig niedrige“ Inflation

IWF drängt EZB zu Asset-Käufen

In einem Bericht über die Euro-Zone drängt der IWF zu Maßnahmen gegen die niedrige Inflation. Der Kauf von Staatsanleihen soll dabei unter anderem das Vertrauen stärken. Die Deutsche Bank lobt indes die Zentralbank.

Gegen die niedrige Inflation wird EZB-Chef Mario Draghi zum Kauf von Staatsanleihen gedrängt. ap

Gegen die niedrige Inflation wird EZB-Chef Mario Draghi zum Kauf von Staatsanleihen gedrängt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) müsste eine groß angelegte quantitative Lockerung durchführen, sollte die Inflation in der Eurozone weiter niedrig bleiben. Das hat der Internationale Währungsfonds (IWF) am späten Donnerstag in einem Bericht empfohlen.

„Falls die Inflation hartnäckig niedrig bleibt, sollte die EZB ein großangelegtes Programm zum Aufkauf von Assets in Erwägung ziehen“, sagte der IWF in seiner Beurteilung zur Konjunktur der Eurozone. „Das würde das Vertrauen stärken, die Bilanzen von Unternehmen und Haushalten verbessern und die Kreditvergabe durch Banken anregen.“

EZB-Chef Mario Draghi hatte diesen Monat den Einlagensatz auf minus 0,1 Prozent gesenkt. Damit führte erstmals eine bedeutende Zentralbank einen ihrer Zinssätze unter Null. Um den Kreditfluss in den Teil der Wirtschaft zu lenken, der diesen benötigt, eröffnete die EZB auch einen 400 Milliarden Euro schweren, an die Kreditvergabe der Banken gebundenen Liquiditätskanal. Außerdem werden die Währungshüter mit Arbeiten zum Ankauf von Aktiva beginnen. Somit führte die EZB vorerst aber noch keine quantitative Lockerung ein.

Worauf Anleger bei der EZB-Entscheidung achten sollten

Welche Zinssätze wird Draghi senken, und wie stark?

Alle bis auf zwei der 60 von Bloomberg befragten Ökonomen sagen eine Reduzierung des Hauptrefinanzierungssatzes von dem aktuellen Rekordtief bei 0,25 Prozent aus voraus. Sie sind allerdings geteilter Meinung, was das Ausmaß der Senkung angeht. Während 21 Volkswirte einen Schritt von 10 Basispunkten auf 0,15 Prozent erwarten, prognostizieren 34 Analysten eine Minderung um 15 Basispunkte auf 0,10 Prozent. Drei Experten sehen den Leitzins sogar noch tiefer fallen.

Die Mehrheit der Ökonomen aus einer separaten Umfrage geht davon aus, dass die EZB die erste große Zentralbank werden wird, die einen negativen Einlagensatz einführt. Hier rechnen 32 der 50 Umfrageteilnehmer mit einem Satz von dann minus 0,10 Prozent, während zwölf eine Reduzierung auf minus 0,15 Prozent erwarten. Solch ein Schritt würde den Euro schwächen, der in den vergangenen zwölf Monaten um vier Prozent zum Dollar aufgewertet hat. Nur sechs Ökonomen prognostizieren einen unveränderten Einlagensatz von null.

Über welche unkonventionellen Maßnahmen spricht Draghi?

Die Währungshüter erwägen ein Maßnahmenpaket, bei dem länger laufende und an Bedingungen geknüpfte Kredite an Banken im Mittelpunkt stehen könnten. Angelehnt an das „Funding for Lending“-Programm der Bank of England würden solche Kredite wohl unter der Auflage vergeben werden, dass die Banken ihre Kreditvergabe an Unternehmen erhöhen.

Auch das Aussetzen der Absorptionstender, mit denen die EZB die Liquidität ihrer Bondkäufe aus der Krisenära entzieht, Änderungen an den Reserveanforderungen und am Sicherheiten-Rahmen sowie eine Verlängerung des Vollzuteilungs-Modus bei den Refinanzierungsgeschäften zu einem Festzinssatz dürften diskutiert werden. Der Vollzuteilungs-Modus bleibt bislang nur bis Juli 2015 in Kraft.

Wie schwerwiegend ist die Deflationsgefahr im Euroraum?

Die Inflationsrate liegt seit Oktober unter der Marke von ein Prozent, während die EZB eine Jahresteuerung von knapp unter zwei Prozent anpeilt. Im vergangenen Monat schwächte sich der Preisauftrieb im Euroraum sogar auf 0,5 Prozent ab. Im März hatte die EZB prognostiziert, dass die Teuerung bis Ende 2016 nicht an ihr Ziel zurückkehren wird. Draghi wird die neuen Prognosen des EZB-Mitarbeiterstabs zu Preisen, Wachstum und Arbeitslosigkeit vorstellen. Diese könnten die EZB zwingen, weiter in unbekannte Gewässer vorzudringen.

Was kann die EZB tun, falls sich die Lage verschlechtert?

Draghi hatte am 24. April gesagt, dass breitgefächerte Asset-Käufe gerechtfertigt wären, wenn sich die Aussichten für die Inflation mittelfristig verschlechterten. Jegliche Programme würden eine Mischung von Assets avisieren, um die Term Premia über alle Märkte und Jurisdiktionen hinweg zu senken, so Direktoriumsmitglied Benoit Coeuré am 13. April.

Die EZB und die Bank of England haben die Aufseher dazu aufgefordert, die Regeln für forderungsbesicherte Wertpapiere in Europa zu lockern. Das würde Unternehmen eine breitere Palette an Finanzierungsmöglichkeiten bieten und einen Vermögenswert schaffen, den die EZB aufkaufen könnte, um Liquidität bereitzustellen.

Was steht sonst noch auf der EZB-Agenda?

Draghi könnte über die Fortschritte der EZB hinsichtlich der Einführung von Protokollen befragt werden. Die Währungshüter haben Anfang dieses Jahres damit begonnen, Versuchsversionen zu entwerfen. Zudem wird debattiert, die Häufigkeit der EZB-Ratssitzungen zur Bestimmung der Zinsen zu verringern.

Auch die Entwicklungen bei der umfassenden Bewertung des Bankensystems durch die EZB könnten bei der Pressekonferenz thematisiert werden, insbesondere wie den steigenden Kosten infolge von Rechtsstreitigkeiten Rechnung getragen werden könnte. Kreisen zufolge erwägt die US-Justiz, die französische BNP Paribas SA wegen des Bruchs von Handelssanktionen mit einer Strafe von 10 Milliarden Dollar zu belegen. Auch die Frage, warum das gerettete französisch-belgische Kreditinstitut Dexia vom Stresstest ausgenommen werden soll, könnte angesprochen werden.

„Die Erholung ist weder robust, noch ausreichend stark“, urteilte der IWF weiter. Am Mittwoch hatte sich Anshu Jain, Co-Chef der Deutsche Bank AG, zurückhaltend zur quantitativen Lockerung geäußert. „Die Werkzeuge, die der EZB zur Verfügung stehen, sind möglicherweise nicht so allumfassend oder so wirksam, wie es die quantitative Lockerung der USA war“, erklärte Jain bei einer Veranstaltung in Berlin. „Die Schritte der quantitativen Lockerung, die in den USA funktionierten, lassen sich vielleicht nicht auf Europa übertragen.“

Jain lobte die EZB für ihren Beitrag zur Stabilisierung der Eurozone. „Die EZB hat das getan, was sie tun konnte, aber dieser Staffelstab muss weitergereicht werden.“

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

20.06.2014, 10:24 Uhr

Die Inflation ist SEHR HOCH bei 4 %, wenn man ungefälschte Statistik zu Grunde legt.

Schröder macht sich zum Büttelträger von Draghi.

Kommunisten können nur regieren, wenn sie Geld verschenken anihre Wähler als Belohnung, das weiss er.

Somit arbeiten Kommunisten und Goldman-Banker "Hand in Hand". Die einen beginnen neue Schuldenspiralen, die anderen kassieren Zinsen bzw. wenn die EZB dann die Schulden auch noch aufkauft, druckt sie neues Geld als "Futter für die Katienmärkte".

CNBC-TV und Bloomberg-TV werden jubeln, weil endlich neue "Phantasien" da sind.

EKELHAFT.

Draghi muss in allem gestoppt werden, wo er "Geld aufwirbeln" oder "Geld drucken" will - um lediglich den Aktienmärkten neues Futter zu besorgen.

Draghi kann ja zum Glück selber keine EURO-Bonds ausgeben und mit frisch gedrucktem Geld von sich selbst rückkaufen, wie es die FED tut mit den "QE-Programmen".

Draghi braucht Staaten in Europa, die neue Staatsanleihen emittieren, damit er die dann abkaufen kann mit neu gedrucktem Geld auf Kosten der Steuerzahler. Er hofft, dass es neue Verschuldungs-Spiralen gibt. "Austerity" also Sparen hasst er deshalb wie die Pest.

STOPPT DRAGHI !!! Weg mit Goldman Sachs Bankern aus der EZB !!!

Account gelöscht!

20.06.2014, 10:52 Uhr

Die Süd-Staaten in Europa lassen sich jede Zustimmung mit "Extra Geld" abkaufen. Ist das nicht ekelhaft ? Wie soll da etwas funktionieren.

Darum wollen die Briten ja auch raus aus der EU. Für die Zustimmung für Juncker will Merkel ja UK auch mit "Extra Geld" entgegenkommen. Ekelhaft und korrumpierend.

An Camerons Stelle SOFORT raus aus der EU !

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