Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.10.2015

12:30 Uhr

Herbstgutachten

Der Aufschwung geht weiter

VonAxel Schrinner, Norbert Häring

Kein Einbruch trotz VW-Krise: Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute revidieren zwar ihre Wachstumserwartungen leicht. Doch der Aufschwung der deutschen Konjunktur geht weiter.

Herbstgutachten

Deutsche Wirtschaft im Aufschwung: Nur China kann uns stoppen

Herbstgutachten: Deutsche Wirtschaft im Aufschwung: Nur China kann uns stoppen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten keinen Einbruch der deutschen Konjunktur in Folge der VW-Krise. Für dieses Jahr revidierten sie ihre Wachstumserwartungen leicht von 2,1 auf nunmehr 1,8 Prozent Wachstum nach unten. 2016 soll die deutsche Wirtschaft ebenfalls um 1,8 Prozent wachsen. Das erfuhr das Handelsblatt aus mit dem neuen Herbstgutachten der Institute vertrauten Kreisen. Das Gutachten wird am Donnerstag veröffentlicht.

Die hohe Zahl am Flüchtlingen, die ab dem kommenden Jahr auch zunehmend auf den Arbeitsmarkt drängen, wird dazu führen, dass die Arbeitslosigkeit im 2016 erstmals seit Jahren wieder steigen wird, so das Gutachten.

Das sind die Wachstumsgaranten der deutschen Exporteure

USA

Die Vereinigten Staaten sind erstmals wichtigster deutscher Absatzmarkt und verdrängen damit Frankreich nach mehr als einem halben Jahrhundert. Beflügelt vom schwachen Euro zogen die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2015 um fast 24 Prozent auf 56 Milliarden Euro an. Ein weiterer Grund für diesen Boom ist das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3,0 Prozent. Wegen geringerer Energiekosten werden zudem viele Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen, für die Maschinen und Ausrüstungen aus Deutschland importiert benötigt werden.

Indien

Lange stand das Land im Schatten des benachbarten China. Doch sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürfte Indien deutlich schneller wachsen als die Volksrepublik. Der IWF sagt jeweils ein Plus von 7,5 Prozent voraus. Vom Aufschwung in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt profitiert Deutschland bereits: Die Ausfuhren dorthin zogen im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel auf knapp fünf Milliarden Euro an.

Südafrika

Noch besser läuft es in der nach Nigeria zweitgrößten Volkswirtschaft Afrikas: Die deutschen Exporte dorthin nahmen in den ersten sechs Monaten gleich um 28 Prozent zu - auf insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Zwar ist die Konjunktur eher mau, doch der Staat investiert viel Geld in die Infrastruktur - von Energie über Wasser bis hin zu Straßen. Die deutsche Wirtschaft hat die dafür passenden Produkte im Angebot und profitiert davon ebenso wie von einer konsumfreudigen, wachsenden Mittelschicht.

Euro-Zone

Nach Jahren der Krise fasst die Währungsunion wieder Tritt. Bestes Beispiel dafür ist Spanien, das im zweiten Quartal so kräftig wuchs wie seit über acht Jahren nicht mehr. Der Appetit auf Waren "Made in Germany" nimmt entsprechend zu: Die deutschen Ausfuhren nach Spanien legten in der ersten Jahreshälfte um mehr als elf Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro zu, die in die gesamte Euro-Zone um fast fünf Prozent auf rund 220 Milliarden Euro.

Großbritannien

Das Land ist bereits der drittgrößte deutsche Exportkunde. Dennoch legten die Ausfuhren dorthin im ersten Halbjahr um starke 9,4 Prozent auf 45 Milliarden Euro zu. Auch hier sorgt der schwache Euro für einen Extra-Schub, verbilligt er doch deutsche Waren auf der Insel. Außerdem befindet sich auch Großbritannien in einem Aufschwung: In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 2,5 Prozent deutlich kräftiger wachsen als in der Euro-Zone mit 1,5 Prozent, wie der IWF erwartet.

Angesichts der guten gesamtwirtschaftlichen Entwicklung rechnen die Wirtschaftsforscher 2015 und 2016 mit hohen Überschüssen in den öffentlichen Haushalten. Allerdings werde der Überschuss nicht zuletzt wegen der hohen Kosten durch die Flüchtlinge in 2016 sinken.

Die nach wie vor hohen strukturellen Überschuss in den Staatskassen sollten für eine Bildungsoffensive genutzt werden, fordern die Institute.

Das Gutachten wird von vier Konsortien unter der Münchner Ifo-Instituts, des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin, des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle sowie des diesmaligen Gastgebers, des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen erstellt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×