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11.10.2012

13:52 Uhr

Herbstgutachten zur Konjunktur

Wie wird 2013?

VonJan Mallien, Maike Freund

Geht es nur noch bergab? Im Herbstgutachten rechnen die Institute für 2013 allenfalls mit einem Mini-Wachstum. Zu den Risikofaktoren gehört nicht nur die Euro-Krise. Doch es könnte auch eine Überraschung geben.

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IWF und Weltbank: Scharfe Kritik an EZB-Krisenpolitik

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DüsseldorfSelten hat die deutsche Wirtschaft ein solches Auf- und Ab durchgemacht wie in den vergangenen Jahren. Dem historischen Einbruch von 5,1 Prozent während der Finanzkrise 2009 folgten zwei fette Jahre mit Wachstumsraten von 3,7 und 3 Prozent. Seither kämpft die deutsche Wirtschaft gegen die Rezessionsgefahr. In ihrem heute vorgestellten Herbstgutachten rechnen die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute für 2012 mit einem Wachstum von 0,8 Prozent. 2013 soll das Wachstum auf ein Prozent steigen.

Damit gehören die Institute noch zu den Optimisten. Der Internationale Währungsfonds erwartet ein Wachstum von 0,9 Prozent. Die Ökonomen von der Commerzbank gehen sogar nur von einem Wachstum von 0,5 Prozent aus.

Wie Deutschland für den Abschwung gerüstet ist

Staatshaushalt

Im internationalen Vergleich steht Deutschland mit seinem Staatshaushalt gut da. Auf Pump finanzierte Konjunkturprogramme lehnt die Bundesregierung ab. Nach dem aktuellen deutschen EU-Stabilitätsprogramm kommt der Gesamtstaat aus Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen schon in zwei Jahren ohne neue Schulden am Finanzmarkt aus. Schon 2011 hatte das Defizit nur noch bei einem Prozent gelegen. Auch strukturell - also unabhängig vom Auf und Ab der Konjunktur - schließt sich die Lücke zwischen den Einnahmen und Ausgaben.
Damit einher geht, dass der in Jahrzehnten angehäufte Schuldenberg allmählich an Bedeutung verliert: Die Schuldenstandsquote soll von 82 Prozent des BIP 2012 auf 73 Prozent in 2016 zurückgehen. Fazit: Der Staat ist weit davon entfernt, wegen eines moderaten Abschwungs in die Knie zu gehen.



Sozialkassen

Die mit dem Aufschwung der vergangenen Jahre einhergegangene Rekordbeschäftigung hat die Lage der Sozialkassen erheblich entspannt. So erwartet die Bundesagentur für Arbeit (BA) dieses Jahr einen Überschuss von 1,3 Milliarden Euro. Allerdings warnen die Arbeitgeber bereits, bei einer Konjunkturabkühlung könnte die BA schnell wieder auf Zuschüsse des Bundes angewiesen sein. Rosiger schätzt das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel die Aussichten für die BA ein: Es erwartet 2012 einen Überschuss von fast drei Milliarden Euro.
Alle Sozialkassen zusammen - also Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung - könnten dem IfW zufolge in diesem Jahr auf einen Überschuss von 15 Milliarden Euro kommen. Damit hätten sie zumindest ein kleines Polster für den Abschwung.

Unternehmen

Noch sind die Auftragsbücher der Unternehmen gut gefüllt. Wie schnell die im Aufschwung angelegten Puffer aber schmelzen können, hat die Finanzkrise 2008/09 gezeigt. Auch ihr ging ein jahrelanger Aufschwung voraus, der in die schwerste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit mündete. Und dennoch: Nie hatten so viele Deutsche einen Job wie jetzt. Viele Unternehmen werden selbst bei einem Konjunktureinbruch versuchen, ihre Mitarbeiter zu halten. Denn Fachkräfte sind in Deutschland rar.
Auch der Bauboom dürfte die Wirtschaft selbst bei einem plötzlichen Konjunktureinbruch noch eine Weile stützen. Im ersten Quartal zog die Bauindustrie 12,5 Prozent mehr Aufträge an Land als ein Jahr zuvor. Bis die abgearbeitet werden können, vergehen Monate und Jahre, und bis dahin kann sich die Wirtschaft schon wieder erholt haben.

Politik

Paradoxerweise ist es von Vorteil, dass der jüngste scharfe Konjunktureinbruch nur drei Jahre zurückliegt: Die Erfahrung der handelnden Politiker ist frisch, und sie können auf Konzepte wie die Kurzarbeit zurückgreifen, die sich damals bewährt haben. Allerdings hat mit dem Aufschwung 2010/11 der Reformwille in der Politik nachgelassen. Dabei gäbe es noch immer genug zu tun, um den Standort fitzumachen für den demografischen Wandel und künftige Flauten. So bemängelt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), höhere Beiträge zur Kranken- und Arbeitslosenversicherung hätten die Arbeitskosten 2011 erhöht. Unter den OECD-Ländern wird nur in Belgien der Faktor Arbeit noch stärker belastet.

Solange der Weg Griechenlands, Spaniens und auch Italiens nicht klar sei, „schlummert der nächste Boom noch,“ sagt Commerzbank-Ökonomin Ulrike Rondorf. Sie erwartet, dass Spanien einen Hilfsantrag stellen wird. Danach werde die Debatte um die Auflagen für die Hilfen aber vermutlich noch einmal hochkochen. Die Ankündigung allein reiche nicht aus, damit wieder mehr Investitionen getätigt würden.

Für den weiteren Jahresverlauf seien die Perspektiven aber besser. „Die Wirtschaft ist wie ein Auto, das mit laufendem Motor und angezogener Handbremse darauf wartet, endlich durchzustarten“, sagt Rondorf. „Wir warten nur darauf, wann sich die Bremse endlich lösen wird.“

Auch die deutschen Forschungsinstitute sehen die kommenden Monate kritisch. Zurückgehende Auftragseingänge und pessimistischen Erwartungen der Unternehmen würden darauf hindeuten, dass sich das Wachstum zum Jahresende 2012 abschwäche. Bislang schlage sich die Zurückhaltung der Unternehmen schon in geringeren Ausrüstungsinvestitionen nieder.

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