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31.01.2016

17:49 Uhr

Höhere Flexibilität

IWF erleichtert Kreditvergabe an Krisenländer

Vier Jahre lang sollen Experten über die neuen Regeln getüftelt haben: Jetzt hat der Internationale Währungsfonds die Vorgaben zur Vergabe von Rettungskrediten gelockert. Das könnte Griechenland zugute kommen.

Logo des Internationale Währungsfonds (IWF) in Washington: Neuen Regeln nicht auf Griechenlands Bedürfnisse zugeschnitten. dpa

Internationaler Währungsfonds

Logo des Internationale Währungsfonds (IWF) in Washington: Neuen Regeln nicht auf Griechenlands Bedürfnisse zugeschnitten.

WashingtonDer Internationale Währungsfonds (IWF) lockert seine Regeln für die Vergabe von Rettungskrediten an hoch verschuldete Länder wie Griechenland. So will der IWF nicht mehr wie bisher eine Restrukturierung der Schulden als Voraussetzung für die Gewährung von Hilfsgeldern erzwingen, wie es in einer Mitteilung am Wochenende hieß.

Stattdessen können künftig auch die Laufzeiten für kurzfristige Schulden verlängert werden, wenn das Land während des Programms auch Gelder von anderen Gläubiger – öffentliche oder auch private – erhält. Der IWF verspricht sich von einer größeren Flexibilität eine erfolgreichere Krisenbekämpfung.

Warum der IWF so wichtig ist

Was ist der IWF?

Der Internationale Währungsfonds (IWF), der zusammen mit den EU-Staaten zur Rettung der Staatsfinanzen der Euro-Wackelkandidaten einspringen soll, ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Er wurde zusammen mit der Weltbank im Juli 1944 bei der Währungskonferenz in Bretton Woods im US-Staat New Hampshire gegründet.

Wer sind die Mitglieder im IWF?

Dem IWF mit Hauptsitz in Washington (englisch: IMF für International Monetary Fund) gehören heute 186 Staaten an. Das Stimmrecht der Mitgliedsländer richtet sich nach ihrem Kapitalanteil. Dementsprechend zählen die USA (mit 16,77 Prozent), Japan (6,02 Prozent) oder auch Deutschland (5,88 Prozent) zu den Schwergewichten des IWF. Gambia hingegen kommt auf nur 0,03 Prozent und Haiti auf 0,05 Prozent.

Welche Aufgabe hat der IWF?

Hauptaufgabe ist die Wahrung einer stabilen Währungsordnung. Dazu zählt vor allem auch die Verhinderung von Finanzkrisen - wie etwa 1994/1995 in Mexiko oder 1997/1998 in Asien

Welchen Staaten hat der IWF in den letzten Jahren geholfen?

In der jüngeren Vergangenheit griff der IWF auf Ersuchen der jeweiligen Regierungen beispielsweise in der Ukraine, Island, Ungarn, Pakistan und eben auch im Euro-Staat Griechenland ein. Für die betroffenen Staaten ist das mit strengen Auflagen für die Sanierung ihrer Finanzen verbunden.

Wer leitet den IWF?

An der Spitze des Internationalen Währungsfonds steht traditionell ein Europäer. Dagegen wird die Weltbank von einem Amerikaner geführt. Bislang einziger deutscher IWF-Direktor war Horst Köhler. Er hatte das Amt inne, bevor er 2004 zum Bundespräsidenten gewählt wurde.

Die neuen Regeln sind nicht direkt auf Griechenlands derzeitige Bedürfnisse zugeschnitten, sie wurden nach Angaben des Währungsfonds im Laufe der vergangenen vier Jahre entwickelt. Sie sind eine Konsequenz aus den „Mängeln“ beim Rettungsversuch für Griechenland im Jahr 2010, die sich dem IWF zufolge im Laufe der Zeit herausgestellt haben.

Die neuen Regeln könnten auch Auswirkungen auf die laufenden Verhandlungen internationaler Gläubiger über weitere Hilfskredite mit dem pleitebedrohten Land haben. Im Sommer 2015 war nach schwierigen Verhandlungen ein drittes Kreditpaket von 86 Milliarden Euro im Zeitraum von drei Jahren geschnürt worden. Griechenland kann nur auf neue Hilfskredite hoffen, wenn das Parlament weitere Maßnahmen wie Steuererhöhungen und Rentenkürzungen beschlossen hat.

Von

dpa

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