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04.09.2014

11:03 Uhr

Höhere Nachfrage im Ausland

Riesen-Auftragsplus für Industrie

Deutsche Maschinen und Fahrzeuge waren im Juli gefragt wie lange nicht mehr: Die Industrie verbuchte fast fünf Prozent mehr Aufträge – vor allem aus Nicht-EU-Ländern. Experten sehen die Erholung mit großer Erleichterung.

Omnibus-Getriebebau bei ZF Friedrichshafen: Die Industrie verbuchte im Juli ein deutliches Auftragsplus. dpa

Omnibus-Getriebebau bei ZF Friedrichshafen: Die Industrie verbuchte im Juli ein deutliches Auftragsplus.

BerlinDer kräftigste Anstieg der Industrieaufträge seit mehr als einem Jahr dämpft die Sorge vor einer Rezession in Deutschland. Die Bestellungen zogen im Juli um 4,6 Prozent zum Vormonat an, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag mit. Das ist mehr als dreimal so stark wie von Ökonomen vorhergesagt und der stärkste Zuwachs bei den Auftragseingängen seit mehr als einem Jahr. Zudem fiel der Rückgang im Juni mit revidiert 2,7 Prozent schwächer aus als zunächst mit 3,2 Prozent gemeldet.

„Nach der Verunsicherung der Wirtschaft durch die geopolitischen Entwicklungen und der konjunkturellen Abschwächung im zweiten Quartal liefert der kräftige Anstieg der Bestelltätigkeit ein ermutigendes Signal für die Industriekonjunktur“, erklärte das Ministerium. Im Frühjahr war das Bruttoinlandsprodukt überraschend um 0,2 Prozent und damit erstmals seit gut einem Jahr geschrumpft. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge wird von einer Rezession gesprochen.

„Endlich Zeichen der Belebung“, sagt Carsten Brzeski, Chefökonom der ING-Diba. „Vor der heutigen EZB-Sitzung sollten die deutschen Auftragsdaten für eine gewisse Erleichterung sorgen, dass nicht alles in Finsternis versinkt und nach unten geht.“ Allerdings zeige der nur marginale Anstieg der Bestellungen aus den anderen Euro-Ländern, dass die Risiken für Deutschland mehr aus der schwachen Nachfrage aus der Euro-Zone kämen und weniger aus den geopolitischen Spannungen.

Größte Volkswirtschaften 2013 - 2028

Rang 10

2013
Kanada
1,8 Billionen Dollar
2028
Kanada
3,7 Billionen Dollar
Quelle: CEBR. Angaben beziehen sich auf das geschätzte Bruttoinlandsprodukt

Rang 9

2013
Italien
2,1 Billionen Dollar
2028
Mexiko
3,7 Billionen Dollar

Rang 8

2013
Russland
2,1 Billionen Dollar
2028
Russland
4,1 Billionen Dollar

Rang 7

2013
Brasilien
2,2 Billionen Dollar
2028
Großbritannien
4,3 Billionen Dollar

Rang 6

2013
Großbritannien
2,65 Billionen Dollar
2028
Deutschland
4,3 Billionen Dollar

Rang 5

2013
Frankreich
2,7 Billionen Dollar
2028
Brasilien
5,1 Billionen Dollar

Rang 4

2013
Deutschland
3,6 Billionen Dollar
2028
Japan
6,4 Billionen Dollar

Rang 3

2013
Japan
5 Billionen Dollar
2028
Indien
6,6 Billionen Dollar

Rang 2

2013
China
8,9 Billionen Dollar
2028
USA
32,2 Billionen Dollar

Rang 1

2013
USA
16,7 Billionen Dollar
2028
China
33,5 Billionen Dollar

Christian Schulz von der Berenbergbank in Hamburg bewertet diesen Umstand ein wenig optimistischer. Auch er sieht die Belebung als Lichtblick: „Vor allem, weil die Aufträge außerhalb der Euro-Zone sehr kräftig gestiegen sind“, so der Analyst. Hieran lasse sich ablesen, dass die Russland-Sanktionen keinen großen Effekt haben. Schulz sagt: „Die Russland-Krise überschattet zwar vieles im Moment, Aber das tatsächliche Geschäft der Unternehmen leidet gar nicht so stark darunter. Dafür gibt es viel Unsicherheit, die sich aber erst verflüchtigen wird, wenn sich die Lage in der Ukraine nachhaltig beruhigt.“

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnt aber vor übertriebenem Optimismus. „Wir sollten den Tag nicht vor dem Abend loben“, sagte DIHK-Chefvolkswirt Alexander Schumann. „Die Auswirkungen der Russland-Sanktionen werden erst aus den Zahlen der Folgemonate ersichtlich.“ Diese Strafmaßnahmen waren erst im Juli verschärft worden.

Für die kräftige Erholung zu Beginn der zweiten Jahreshälfte sorgten in erster Linie außergewöhnlich viele Großaufträge, vor allem für den mit mehreren Werken in Deutschland vertretenen Flugzeugbauer Airbus, der von der Luftfahrtmesse im britischen Farnborough profitierte. „Aber auch unter Herausrechnung der Großaufträge entwickelte sich die Bestelltätigkeit in den letzten beiden Monaten erfreulich positiv“, so das Ministerium. Die Nachfrage aus dem Ausland zog im Juli um 6,9 Prozent an, was vor allem steigenden Bestellungen aus den nicht zur Euro-Zone gehörenden Ländern zu verdanken ist. Die Inlandsaufträge wuchsen um 1,7 Prozent.

Besonders deutlich kletterte die Nachfrage nach Investitionsgütern wie Maschinen und Fahrzeugen. Hier gab es ein Plus von 8,5 Prozent. Die Nachfrage nach Konsumgütern schrumpfte dagegen um 2,9 Prozent, die nach Vorleistungsgütern wie Chemikalien legte leicht um 0,3 Prozent zu.

Kommentare (7)

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Werner Roeder

04.09.2014, 10:31 Uhr

"Riesen Auftragsplus" in der Überschrift erscheint mir bei 6,9 Prozent mehr Aufträgen bezogen auf nur einen Monat recht gewagt. Nicht zu vergessen ist, dass es mehrere Rückgänge in Folge gab und dass die Folgen der Russland-Sanktionen erst zeitverzögert wirksam werden. Auch die Folgen einer weiter um sich greifenden Destabilisierung im Nahen Osten für unsere Exportwirtschaft sind zu berücksichtigen.

Account gelöscht!

04.09.2014, 10:41 Uhr

Die Zukunft der deutschen Exportindustrie liegt außerhalb des EU-Binnenmarktes, wie der Artikel zeigt.
Insgesamt schrumpfte der Exportanteil in die EU ggü. anderen Regionen der Welt schon seit EUR-Einführung, soviel zum "Wohlstandsbeitrag" des EUR, lol.
Aber die Politik ignoriert ja die Fakten schon seit langem ...

Paul Oberste

04.09.2014, 11:01 Uhr

Vor genau 3 Tagen wurde hier das Gegenteil vermeldet. War soll da noch etwas glauben?

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