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24.09.2015

10:21 Uhr

ifo-Geschäftsklima-Index

Wirtschaft robust, Stimmung gehoben

Deutsche Unternehmen sind im September verhalten positiver gestimmt als im August. Ifo-Präsident Sinn macht dafür vor allem die „robuste“ Lage der Wirtschaft verantwortlich. Doch es gibt auch Grund zur Sorge.

Die deutsche Wirtschaft ist besser gestimmt als im Vormonat. dpa

Hochbetrieb am Containerhafen

Die deutsche Wirtschaft ist besser gestimmt als im Vormonat.

MünchenIn den Chefetagen der deutschen Wirtschaft herrscht weiterhin Zuversicht. Der ifo-Geschäftsklimaindex, der als ein wichtiges Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft gilt, legte im September erneut leicht auf 108,5 Punkte zu. „Die deutsche Wirtschaft zeigt sich robust“, sagte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Donnerstag in München.

Der Indikator für die aktuelle Geschäftslage verschlechterte sich etwas: Er sank von 114,8 Punkten im August auf 114 Punkte im September. Die Erwartungen stiegen um 0,1 Punkte auf 103,3 Punkte.

Ihre Lage beurteilten die rund 7000 befragten Firmen zwar schlechter als im Vormonat. Die Aussichten für die kommenden sechs Monaten fielen jeder besser aus. Die Turbulenzen an der Börse durch den VW-Skandal um manipulierte Autos spielen in dem aktuellen Ifo-Index allerdings noch keine Rolle.

Warum in China die Börse abstürzt

Wie tief fallen die Kurse noch?

Am 27. Juli erlebte Chinas Börse den größten Tageseinbruch seit acht Jahren. Wie weit es noch nach unten geht, kann niemand sagen. Doch der Einbruch wäre vermutlich noch schlimmer ausgefallen, wenn die Börsenaufsicht und die Zentralbank nicht neue Hilfen angekündigt hätten.

Welche Rolle spielt der Staat für die Entwicklung an den Börsen?

Indem die chinesische Regierung Privatanleger in Aktien drängt, versucht sie, das Finanzierungsproblem für Unternehmen zu lösen – und die Schwächen des Bankensektors zu vertuschen.

Welche Nachteile ergeben sich hieraus?

Einmal angefangen, kommt der Staat nun nicht mehr aus der Sache heraus: Damit die Strategie aufgeht, sich das Ersparte für Kleinanleger mehrt und Firmen an Geld kommen, müssen die Kurse oben bleiben. Einen Crash kann man sich schon wegen der Reputation im Grunde nicht leisten.

Warum greifen die staatlichen Maßnahmen nicht?

Die Hilfsprogramme der Regierung nutzen sich ab – oder besser: sie nützen nichts, wenn gleichzeitig immer mehr Anleger nicht mehr an die Börsen glauben.

Hat der Börsencrash in China Auswirkungen auf die Realwirtschaft?

Wenig. Der Aktienmarkt hat sich schon lange von der Realwirtschaft entkoppelt.

Wie hart trifft der Börsencrash die chinesischen Sparer?

Chinesen sind zwar emsige Sparer. Sie haben aber nur einen kleinen Teil ihres Geldes in Aktien investiert. Fünf Prozent der Ersparnisse stecken in Wertpapieren.

Welche deutschen Aktien geraten durch die Turbulenzen in China unter Druck?

Besonders exportorientierte deutsche Unternehmen. Für Volkswagen und Daimler ist China enorm wichtig. Auch Chemiekonzerne wie Bayer und BASF geraten unter Druck.

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr an den Börsen der Welt?

Lange Zeit durften Ausländer nicht an Chinas Börsen handeln. Peking hatte seine Finanzmärkte weitgehend abgeschottet. Dadurch schlagen Turbulenzen in China nur sehr abgeschwächt auf internationale Börsen durch.

Welche Rollen spielen ausländische Anleger bei dem Börsen-Crash?

Seit den Turbulenzen ziehen viele internationale Anleger ihr Geld über die Börse in Hongkong wieder aus dem chinesischen Festland ab. Bis Wochenanfang waren auf diesem Weg bereits mehr als sechs Milliarden US-Dollar abgeflossen.

So sieht das unter anderem Thomas Gitzel. Die Abgasmanipulationen von VW „dürften das Konjunkturbarometer allerdings nur noch am Rande tangiert haben. Die Sorgen um die Marke 'Made in Germany' werden sich erst in der Oktober-Befragung des Ifo-Instituts niederschlagen“, glaubt der Ökonom der VP Bank Liechtenstein und warnt. „Wir sollten uns aber nichts vormachen: Der Abgasskandal trifft ins Mark der deutschen Industrie. In den Chefetagen der deutschen Unternehmen sorgt man sich um das gute Image deutscher Produkte. Dies könnte sogar schwerer wiegen als die Schuldenproblematik in Griechenland.“

Auch Jörg Zeuner blickt besorgt auf den VW-Skandal. „Die Verkaufszahlen der deutschen Autoindustrie werden wir ab jetzt aber sehr genau im Blick haben müssen. Ihr Wert macht fast ein Fünftel der deutschen Exporte aus, viele Zulieferer produzieren im Inland, und die Automobilindustrie finanziert ein Drittel der deutschen Forschungs- und Entwicklungsausgaben. Vorerst halten wir an unserer Wachstumsprognose für 2016 von rund zwei Prozent aber fest“, sagt der KFW-Chefvolkswirt.

China: Konjunktur kühlt sich weiter ab

China

Konjunktur kühlt sich weiter ab

Wirtschaftsdaten aus China untermauern die Abkühlung der Konjunktur. Die stärkste Bremse ist der Immobiliensektor. Ökonomen rechnen nun mit zusätzlichen Schritten der Regierung zur Stützung des Wachstums.

Immerhin scheinen die an den Finanzmärkten anhaltende Sorge um die chinesische Konjunkturlage und die Wiedereinführung innereuropäischer Grenzkontrollen den Unternehmen nicht die Stimmung zu verderben.„Die deutsche Wirtschaft ist derzeit unerschütterlich. Vermutlich zählt die gutlaufende US-Konjunktur mehr als die schwierige Lage in den Schwellenländern“, analysiert. Gitzel.

Von einer „Stimmung ist derzeit robust wie Teflon“, spricht Holger Sandte. Der Nordea-Ökonom glaubt nicht an eine Eintrübung der Stimmung durch die Probleme in China. „Vielmehr profitieren sie von der robusten Binnennachfrage, der Erholung im Euroraum und den tiefen Ölpreisen“, sagte er.

Von

rtr

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