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26.09.2011

10:27 Uhr

ifo-Geschäftsklimaindex

Deutschland könnte der Rezession entgehen

Das wichtige Konjunkturbarometer fiel weniger stark als erwartet. Denn die aktuelle Lage wird weiter sehr positiv bewertet, nur die Zukunftserwartungen trüben sich ein. Experten malen trotzdem nicht schwarz.

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MünchenDie Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im September weiter abgekühlt. Der ifo-Index sank von 108,7 auf 107,5 Punkte, wie das ifo Institut am Montag in München mitteilte. Analysten hatten einen Rückgang auf 106,6 Punkte erwartet. Bereits im Juli und im August hatte das wichtige Stimmungsbarometer angesichts von Schuldenkrise und einem schwächeren Wachstum deutlich nachgegeben. Bei drei Rückgängen in Folge sehen Volkswirte eine Trendwende in der Konjunkturentwicklung.

Während sich die Geschäftserwartungen deutlich eintrübten, gab die Beurteilung der aktuellen Lage nur leicht nach. Die 7000 befragten Manager schätzten sowohl die Aussichten für die kommenden sechs Monate als auch die aktuelle Lage schlechter ein. Das Barometer für die Konjunkturerwartungen fiel auf 98,0 von 100,0 Punkten. Hier waren 97,5 Punkte erwartet worden. Der Lage-Index sank leicht auf 117,9 von 118,1 Zählern, während Analysten 116,0 Punkte vorausgesagt hatten.

Konjunkturindikatoren

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklima

Der GfK-Konsumklimaindex soll die Konsumneigung der Privathaushalte abbilden. Hierfür befragt das Institut monatlich 2000 repräsentativ ausgewählte Personen über ihr Anschaffungs- und Sparneigung auf Sicht von 12 Monaten sowie über ihre Erwartungen zur Gesamtwirtschaftlichen Situation.

Geldmenge M1

Das Geldmengenaggregat M1 umfasst den Bargeldumlauf und Sichteinlagen (jederzeit verfügbare Einlagen, zum Beispiel auf Girokonten). Sie ist ein Indikator für die Transaktionshäufigkeit in einer Volkswirtschaft. Steigt die Geldmenge M1, so wird in der Regel auch mehr gekauft.

Handelsblatt Prognosebörse

Auf der Handelsblatt Prognosebörse handeln Teilnehmer ihre Erwartungen über die Entwicklung von sechs Konjunkturindikatoren - Bruttoinlandsprodukt, Inflationsrate, Arbeitslosenzahl, Exporte, Bruttoanlageinvestitionen und ifo-Index - über virtuelle Aktien. Der Ansatz stützt sich nicht auf das Wissen einzelner Experten, sondern auf das gesammelte Wissen aller Teilnehmer. Jeder Interessierte kann kostenlos ein Konto eröffnen und von dort Konjunkturindikatoren als Aktien handeln: Je nach seinen persönlichen Erwartungen über die Entwicklung eines Indikators, kauft oder verkauft er Aktien.

Analysten hatten insgesamt mit einem stärkeren Rückgang gerechnet. „Der Ifo-Index ist deutlich weniger gefallen als gedacht," sagte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. „Der Rückgang wurde hauptsächlich durch die schlechtere Erwartungskomponente verursacht. Dies kann auf schlechtere Geschäftsaussichten hindeuten, möglicherweise liegt es allerdings auch an dem insgesamt schlechten Nachrichtenumfeld. Die Lage ist immer noch nahe dem Rekordstand. Dies zeigt an, dass die deutsche Wirtschaft an einer Rezession vorbeikommen könnte,“ sagte Weidensteiner.

Kommentare (11)

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der-oekonomiker

26.09.2011, 10:37 Uhr

Na also, auf die Herrschaften aus München ist Verlass! Dieser Index ist so wertlos wie verschimmeltes Brot, war noch nie - es gibt ihn schon seit 1972 - wirklich ein verlässlicher Wert. Aber trotzdem offensichtlich bestens geeignet, um damit Stimmungen zu erzeugen. Klare Botschaft heute: D geht es gut und diese Entwicklung gerät in Gefahr, wenn der Rettungsschirm im BT beschlossen wird. Eine Steilvorlage für die Euro-Gegner.

Seh-Adler

26.09.2011, 10:55 Uhr

Zeitgleich titelt Spiegel online zum selben Thema: "Stimmung in deutscher Wirtschaft verschlechtert sich weiter".

MaBau

26.09.2011, 11:05 Uhr

...und zeitgleich schreibt Bloomberg sehr positiv und wertet darin, dass eine Rezession wohl ausbleiben wird. Fast jeden Tag wird ja ein neuer Index veroeffentlicht, schaun'mer mal morgen wieder ins Kaestchen.
Der Mittelstand kann sich ueber Vollbeschaeftigung , auch fuer die Planung 2012 nicht beklagen (Maschinenbau) - wir haben deshalb beschlossen " an der Krise nicht teilzunehmen". Das ueberlasssen wir den Experten!

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