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27.10.2014

10:58 Uhr

Ifo-Geschäftsklimaindex

Es geht abwärts

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich den sechsten Monat in Folge eingetrübt. Der Ifo-Index fällt auf den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren. Prompt dreht der Dax ins Minus.

Sinn zum Fall des Ifo-Index

„Einzelhandel reagiert negativ, Wirtschaft kühlt sich ab“

Sinn zum Fall des Ifo-Index: „Einzelhandel reagiert negativ, Wirtschaft kühlt sich ab“

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MünchenKein Stimmungsaufheller für die deutsche Wirtschaft in Sicht: Der Geschäftsklimaindex fiel unerwartet deutlich von 104,7 auf 103,2 Punkte, wie das Münchner Ifo Institut am Montag zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. Damit hat sich die Stimmung im Oktober den sechsten Monat in Folge eingetrübt. Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang auf 104,3 Zähler erwartet.

„Die konjunkturellen Aussichten haben sich nochmals verschlechtert“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die Führungskräfte schätzten sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter ein als zuletzt. In den einzelnen Branchen fielen die Ergebnisse allerdings unterschiedlich aus.

Im Großhandel und bei den Dienstleistern hellte sich die Stimmung auf, im Einzelhandel und im Baugewerbe sowie vor allem in der Industrie trübte sie sich dagegen ein. „In der Industrie gibt es kaum Lichtblicke“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Allein die Exporterwartungen seien gestiegen. Es bleibe jedoch abzuwarten, ob dies nur ein Strohfeuer sei. Der Euro hat zuletzt zum Dollar deutlich an Wert verloren, was deutsche Produkte in vielen Ländern attraktiver macht.

Ökonomen zum Ifo-Index im Oktober

Jörg Zeuner (Chefvolkswirt KfW):

„Die schlechten Nachrichten reißen nicht ab, aber so schnell kommt der Winter nicht. Das weltwirtschaftliche Umfeld bremst die Exportunternehmen und Investitionsgüterhersteller. Die schlechte Stimmung verzögert Investitionen. Ohne Europa geht es nicht aufwärts. Gerade für Wachstum in Europa haben wir aber noch kein Rezept gefunden. Von alleine trägt sich das Wachstum dort noch nicht. Das ist wohl die wichtigste Erkenntnis des vergangenen Sommers. Dennoch sollten wir nicht übertreiben. Mit den USA und der Konsumnachfrage in Deutschland gibt es auch positive Impulsgeber. Für viel mehr als Stagnation bis ins neue Jahr reicht es aber wohl in Deutschland und Europa nicht mehr.“

Andreas Scheuerle (Dekabank):

„Wir befinden uns in einer Abwärtsspirale der Stimmung. Die ursprünglichen Stimmungstöter Geopolitik, Euro-Zonenschwäche, deutsche Wirtschaftspolitik und Deflationssorgen haben zu merklichen Abwärtsrevisionen der Konjunkturprognosen geführt. Diese verschlechterten Konjunkturerwartungen lasten nun ihrerseits auf der Stimmung. Die Konjunktur durchläuft derzeit eine Schwächephase, die man mit dem Begriff Delle wohl am besten beschreiben kann.“

Holger Sandte (Nordea Bank):

„Meine Erwartungen lagen unter der Konsens-Schätzung, und es kam noch etwas schlechter. Die Erwartungen könnten jetzt aber am Boden angekommen sein. Das aktuelle Ifo-Niveau deutet ungefähr auf stagnierende Wirtschaftsaktivität hin. Ich erwarte nach Stagnation im dritten Quartal leichtes Wachstum für Q4. Die Konjunktur dürfte verhalten bleiben, aber die noch größeren Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft sind langfristiger Natur.“

Angesichts der Verunsicherung durch zahlreiche Krisen wie in der Ukraine und im Nahen Osten haben viele Experten ihre Wachstumsprognosen zuletzt deutlich nach unten korrigiert. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag rechnet in diesem Jahr noch mit einem Plus von 1,3 Prozent und geht für 2015 sogar nur von 0,8 Prozent aus.

„Das weltwirtschaftliche Umfeld bremst die Exportunternehmen und Investitionsgüterhersteller“, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Die schlechte Stimmung verzögere Investitionen. Vor allem die Entwicklung in Europa sei wichtig, damit es wieder deutlicher aufwärts geht. „Gerade für Wachstum in Europa haben wir aber noch kein Rezept gefunden“, erklärte Zeuner. Für viel mehr als Stagnation bis ins neue Jahr reiche es aber wohl in Deutschland und Europa nicht.

Größte Volkswirtschaften 2013 - 2028

Rang 10

2013
Kanada
1,8 Billionen Dollar
2028
Kanada
3,7 Billionen Dollar
Quelle: CEBR. Angaben beziehen sich auf das geschätzte Bruttoinlandsprodukt

Rang 9

2013
Italien
2,1 Billionen Dollar
2028
Mexiko
3,7 Billionen Dollar

Rang 8

2013
Russland
2,1 Billionen Dollar
2028
Russland
4,1 Billionen Dollar

Rang 7

2013
Brasilien
2,2 Billionen Dollar
2028
Großbritannien
4,3 Billionen Dollar

Rang 6

2013
Großbritannien
2,65 Billionen Dollar
2028
Deutschland
4,3 Billionen Dollar

Rang 5

2013
Frankreich
2,7 Billionen Dollar
2028
Brasilien
5,1 Billionen Dollar

Rang 4

2013
Deutschland
3,6 Billionen Dollar
2028
Japan
6,4 Billionen Dollar

Rang 3

2013
Japan
5 Billionen Dollar
2028
Indien
6,6 Billionen Dollar

Rang 2

2013
China
8,9 Billionen Dollar
2028
USA
32,2 Billionen Dollar

Rang 1

2013
USA
16,7 Billionen Dollar
2028
China
33,5 Billionen Dollar

Der Dax fiel nach Bekanntgabe des Ifo-Index ins Minus. Der deutsche Leitindex, der zu Handelsbeginn am Montag noch positiv auf die Ergebnisse des Banken-Stresstests reagierte hatte, lag zuletzt 0,6 Prozent niedriger bei 8932 Punkten. Auch der Euro schwächelte etwas und fiel auf 1,2688 Dollar.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

27.10.2014, 12:11 Uhr

Es sind nicht allein auswärtige Krisen, die die deutsche Wirtschaft in den Rückwärtsgang zwingen, es ist vor allem die Regierung Merkel, die mit ihrer am Mittelalter (Windmühlen) orientierten Energiepolitik Deutschlands ökonomischen Selbstmord in die Wege geleitet hat.

So berichtet z.B. die NYT - siehe http://www.nytimes.com/2014/10/25/business/international/basf-an-industrial-pillar-in-germany-leans-abroad.html?_r=1 - daß ein führendes deutsches Industrieunternehmen wie die BASF laut Aussage von Vorstand Harald Schwager ausdrücklich wegen der in Deutschland durch die "Energiewende" ständig immer weiter in die Höhe geschraubten Energiepreise verstärkt im Ausland investiert.

Hier gehen Deutschland für Jahrzehnte tragfähige Investitionen verloren. Schuld ist ganz höchst persönlich unsere Kanzlerin. Der wirtschaftliche Selbstmord Deutschlands nimmt Fahrt auf.

Herr Dr. Peter Lustig

27.10.2014, 13:05 Uhr

Wieso wird diesem ifo-Index überhaupt eine Bedeutung beigemessen?

Das ist eine telefonische Befragung zur Einschätzung (!!!) der Befragten (oftmals, aber nicht nur Entscheidungsträger), zur Zukunft. Die haben aber keine Glaskugel und können nur eine Spekulation abgeben.

Daraus errechnen dann teuer bezahlte Volkswirte einen Index. Quasi einen Glaskugel-Index, aus dem sie dann Kaffeesatzleserei betreiben, indem sie die Befragungsergebnisse interpretieren.

Da könnte ich auch meine Nachbarn fragen, was sie glauben, wie das Wetter in den nächsten 6 Monaten wird. Im Mittel kommt die Antwort "es gibt 5 sonnige Tage und 10 Regentage". Daraus interpretier ich dann, oh die erwarten mehr Regen- als Sonnentage - ergo wird (!!!) das Wetter schlecht.

Bitte schalten Sie Ihr Gehirn ein. Das ist eine nichtssagende Statistik und ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand ernsthaft seine Investmententscheidung davon abhängig macht. Egal was uns die Springer-Bertelsmann-Burda-Medien suggerieren wollen.

Wer hat ein Interesse daran, uns glauben zu lassen, dass es schlimm um die Wirtschaft steht und wovon will man uns ablenken?

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