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27.08.2012

10:23 Uhr

ifo-Geschäftsklimaindex

Euro-Krise verdirbt Managern die Stimmung

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im August das vierte Mal in Folge eingetrübt. Der wichtigste Gradmesser für die Konjunktur sank auf 102,3 Punkte. Nur die Industrie sieht die Lage etwas positiver.

Die Konjunktur in Deutschland dürfte sich dem Ifo-Index zufolge weiter abkühlen. dpa

Die Konjunktur in Deutschland dürfte sich dem Ifo-Index zufolge weiter abkühlen.

Berlin/MünchenDie Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im August weiter verschlechtert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, der wichtigste Gradmesser für die deutsche Konjunktur, ging von 103,3 Punkten im Juli auf nun 102,3 Zähler zurück, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Das ist der vierte Rückgang in Folge.

Die Manager beurteilten die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter. Dieses Barometer fiel um 1,3 auf 94,2 Punkte. Die Lage wurden ebenfalls etwas schlechter bewertet. Dieser Index sank um 0,3 auf 111,2 Punkte. "Die Auswirkungen der Schuldenkrise bedrohen zunehmend auch die deutsche Wirtschaft", sagte Analyst Bernd Hartmann von der VP Bank. "Ein Ende der Krise ist nach wie vor nicht in Sicht."

Kommentar: Die Wirtschaft steht vor einem schweren Halbjahr

Kommentar

Die Wirtschaft steht vor einem schweren Halbjahr

Die Unternehmen beschäftigen sich derzeit mehr mit sich selbst als mit Investitionen. Sie müssen schauen, wie sie heil durch das schwierige nächste halbe Jahr kommen. Ihre Aussichten haben sich deutlich eingetrübt.

37 von Bloomberg News befragte Ökonomen hatten im Mittel ihrer Prognosen erwartet, dass der ifo-Geschäftsklimaindex von 103,3 Punkten im Juli auf 102,7 Punkte zurückgehen würde. Die Experten hatten zudem den Lageindex bei 110,8 Punkten von 111,6 Punkten und den Erwartungsindex bei 95 statt 95,6 Punkten erwartet. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Rückgang auf 102,6 Punkte gerechnet.

„Die deutsche Konjunktur schwächt sich weiter ab“, sagte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Seit Mai sinkt damit das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer angesichts der weltweit trüberen Konjunkturaussichten und der Schuldenkrise in Europa.

Konjunkturprognosen der vergangenen Monate

DIHK

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht von einem Wachstum von 0,3 Prozent aus. Bislang waren 0,7 Prozent erwartet worden. "Der Aufschwung in Deutschland ist vorerst verschoben", sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. "Die Unternehmen schätzen ihre Lage deutlich schlechter ein als zu Beginn des Jahres." Für 2014 geht das DIHK von einem Wachstum von mehr als einem Prozent aus.

BDI

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, rechnet mit robustem Wachstum von bis zu 0,8 Prozent. Er ist damit weit optimistischer als die Bundesregierung.

Bundesregierung

Die Bundesregierung geht für 2013 von einem Wachstum von 0,4 Prozent aus.

Sachverständigenrat

Genau wie die Bundesregierung rechneten auch die "fünf Weisen" aus dem Sachverständigenrat zuletzt mit einem Wachstum von 0,8 Prozent. Wegen des starken Einbruchs im vierten Quartal 2012 haben sie den Wert jedoch auf 0,3 Prozent mehr als halbiert.

RWI

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,3 Prozent. Im Vergleich zur Herbstprognose wurde die Schätzung um 0,7 Punkte zurückgenommen.

Internationaler Währungsfonds

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt für 2013 ein Plus von 0,3 Prozent voraus. Im Oktober 2012 war er für 2013 noch von einem Wachstum von 0,9 Prozent ausgegangen.

EU-Kommission

Zum Lager der Optimisten gehört die EU-Kommission. Für Deutschland erwartet sie 2013 ein Wachstum von 0,5 Prozent. Das ist besser als die Erwartung für den Euroraum. Hier rechnet sie sogar mit einem Rückgang von 0,3 Prozent. Grund für die langsame Entwicklung sind die schlechte Binnennachfrage einiger Länder und große konjunkturelle Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten.

Bundesbank

Die Deutsche Bundesbank rechnet in ihrem Monatsbericht vom Dezember für 2013 mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. 2014 soll dies auf 1,9 Prozent steigen.

DIW

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,7 Prozent. Damit hat es seine Erwartungen nach unten korrigiert. Zuvor war es von einem Plus von 0,9 Prozent ausgegangen. Für 2014 rechnet das DIW mit einem Wachstum von 1,6 Prozent.

Ifo-Institut

Das Münchner Ifo-Institut geht für 2013 von einem Wachstum von 0,7 Prozent aus. Die Spanne der Schätzung reicht von minus 0,6 bis plus 2,0 Prozent.

Die Stimmung trübte sich sowohl in der Baubrache als auch bei den Dienstleistern sowie im Groß- und Einzel ein. Lediglich in der Industrie hellte sich das Geschäftsklima nach drei Rückgängen in Folge etwas auf, weil die Unternehmen die Lage besser bewerteten. "Jedoch haben sich die Geschäftserwartungen weiter eingetrübt", sagte Ifo-Chef Sinn. "Erstmals seit fast drei Jahren sind auch die Erwartungen an das Exportgeschäft überwiegend leicht negativ."

“Der Druck auf die deutsche Wirtschaft nimmt zu”, sagte Ökonomin Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim in Köln. “Die Industrie leidet unter der Krise im Euroraum.”

Kommentare (11)

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whisky

27.08.2012, 10:50 Uhr

Zwei gegensätzliche Aussagen in einem Artikel. Was ist den nun richtig?
“Der private Konsum legt weiterhin zu, und Deutschland ist bei den Exporten noch immer eine große Nummer”, sagte Chefökonom David Milleker von Union Investment GmbH in Frankfurt"
"Bernd Hartmann von der VP Bank schreibt weiter: "Die Binnennachfrage bleibt weiter schwach."
Unilever: Der Konsumgüterkonzern Unilever stemmt sich mit Strategien aus den Schwellenländern gegen die Krise im europäischen Markt. Das Unternehmen umwirbt aggressiv Konsumenten mit geringem Einkommen. "Die Armut kehrt nach Europa zurück", sagte Europa-Chef Jan Zijderveld der FTD.
+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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JohannesKirk

27.08.2012, 10:53 Uhr

Nicht die Euro-Krise an sich, sondern das stetige, permanente Schlechtreden in de Medien zieht die Stimmung hinunter.

Und: das Handelsblatt ist daran sehr rege beteiligt.

Vergleicht man die Meldungen verschiedener Quellen (z.B. FTD Online), so stellt man fest, dass das Handelsblatt alle Nachrichten zu diesem Thema mit einem negativen Geschmäckle würzt.

Wird eine Information weitergegeben, so lassen es sich die Autoren nicht nehmen, ihr persönliches 'Wenn' und 'Aber' einzubringen.

Sorry, aber Objektivität sieht anders aus. Einfach mal die Nachrichten mit der FTD vergleichen.

Das Handelsblatt ist auf die dunkle Seite der Macht gewechselt? ;-)

GehWeg

27.08.2012, 11:16 Uhr

sie können doch eine andere Zeitung lesen? Wer zwingt Sie, sich hier auszulassen?

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