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23.02.2012

08:57 Uhr

Ifo-Geschäftsklimaindex

Inlandsnachfrage schiebt deutsche Wirtschaft an

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Februar deutlich verbessert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg kräftig - zum vierten Mal in Folge. Ifo-Präsident Sinn führt dies auf die gute Inlandsnachfrage zurück.

Eine Frau geht mit vollen Einkaufstüten durch die Innenstadt von Düsseldorf. dapd

Eine Frau geht mit vollen Einkaufstüten durch die Innenstadt von Düsseldorf.

Berlin/MünchenDie Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen hat sich im Februar den vierten Monat in Folge verbessert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf 109,6 von 108,3 Punkten im Vormonat, teilte das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mit. Die 47 von Reuters befragten Analysten hatten nur einen leichten Anstieg auf 108,8 Zähler erwartet. „Die deutsche Konjunktur wird derzeit von binnenwirtschaftlichen Auftriebskräften getragen“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Die Firmenchefs blicken optimistisch auf die kommenden sechs Monate. Das Barometer für die Geschäftsaussichten legte von 100,9 Punkten auf 102,3 Zähler zu. Hier hatten Analysten mit 102,0 Punkten gerechnet. Auch die Geschäftslage wurde besser bewertet. Dieser Index stieg auf 117,5 von 116,3 Punkten und übertraf ebenfalls die Erwartungen.

Volkswirte werteten die Zahlen positiv bis euphorisch. „Das ist ein fulminanter Anstieg, der in dieser Größenordnung nicht zu erwarten war, “ sagte Christian Melzer von der Dekabank. „Die Anzeichen verdichten sich, dass es nicht zu einem zweiten, negativen Quartal kommen wird. Das macht auch wieder Hoffung für den Euro-Raum insgesamt. Es würde auch den Nachbarn helfen, wenn Deutschland wieder Tritt fasst würde.“

Ähnlich äußerte sich auch Commerzbank-Ökonomin Ulrike Rondorf. „Das ist ein positives Signal für Deutschland. Der Ifo zeigt heute, dass die deutsche Wirtschaft sich zu Beginn des Jahres stabilisiert
hat. Wir rechnen daher mit Wachstum für das erste Quartal. Deutschland ist in den letzten Jahren schon stärker gewachsen als der Euro-Raum und wird es auch dieses Jahr wieder tun.“

Konjunkturindikatoren

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Geldmenge (M1)

Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

 

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklimaindex

Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

 

Rainer Sartoris, Volkswirt von HSBC Trinkaus, erwartet nun, dass die deutsche Wirtschaft wieder schrittweise zulegt. „Die Wirtschaft nimmt peu à peu wieder an Fahrt auf, auch wenn uns natürlich weiter Gegenwind aus Südeuropa und nun auch durch den seit Jahresanfang deutlich anziehenden Ölpreis entgegenweht. Insgesamt liefert der Ifo-Index aber ein sehr positives Bild, weil nicht nur die Erwartungskomponente gestiegen ist, sondern auch die Geschäftslage wieder besser bewertet wird.“

Der Ifo-Index ist das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer. Es sagt die Entwicklung der kommenden Monate recht zuverlässig vorher. Ende 2011 war die Wirtschaft wegen der Schuldenkrise um 0,2 Prozent geschrumpft und damit erstmals seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009. Auch für das erste Quartal 2012 erwarten einige Ökonomen noch einen Dämpfer, bevor es dann wieder spürbar bergauf gehen sollte. Die Bundesregierung rechnet im Gesamtjahr mit einem Wachstum von 0,7 Prozent, das sich 2013 auf 1,6 Prozent mehr als verdoppeln dürfte.


Kommentare (16)

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Schoenwetterpropheten

23.02.2012, 10:13 Uhr

Das Ifo-Institut befragt monatlich etwa 7.000 Firmen, wie sie ihre aktuelle Lage und die Erwartungen für die nächsten sechs Monate bewerten.
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Ich würde bei so einer Befragung auch nicht die WAHRHEIT sagen, wenn es mir schlecht geht.
Denn selbst wenn die Lage aussichtslos ist, will ich ja schließlich als Unternehmer weitermachen.
Also deshalb in desaströsen Zeiten immer positive Meldungen streuen, da ja Psychologie das a und o der Massenbeeinflussung ist.
Blöd nur, das es diesmal keinen Ausweg und keine Tricks mehr, aus der sich anbahnenden Schuldenkatastrophe geben wird. Das wissen alle, nur niemand an den Mut, es endlich dem Dummvolk mitzuteilen. Diese glauben nämlich immer noch daran, das alles wieder gut wird. Dem ist leider nicht, es werden schlimme Zeiten auf uns alle zukommen.

Account gelöscht!

23.02.2012, 10:21 Uhr

Kann ein INDEX einen Virus haben oder defekt sein.....????

no.7

23.02.2012, 10:22 Uhr

Bin ebenfalls der Meinung, daß dieser Indexstand unglaubwürdig hoch ist. Nun wird alles versucht, um die fassade aufrecht zu erhalten, aber es wird abwärtsgehen.

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