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25.03.2011

11:24 Uhr

Ifo-Geschäftsklimaindex

Japan-Katastrophe dämpft Konjunktur leicht

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich vor allem wegen dem drohenden GAU in Japan im März erstmals seit fast einem Jahr verschlechtert - allerdings nur leicht und nicht so stark wie befürchtet.

Die Stimmung in der Wirtschaft hat sich im März erstmals seit einem Jahr leicht verschlechtert - allerdings weniger als erwartet. Quelle: dpa

Die Stimmung in der Wirtschaft hat sich im März erstmals seit einem Jahr leicht verschlechtert - allerdings weniger als erwartet.

MünchenDie Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich erstmals seit Mai 2010 leicht verschlechtert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank im März von 111,3 auf 111,1 Punkte. Im Februar hatte der wichtigste Gradmesser der deutschen Wirtschaft, der auf einer Umfrage unter 7000 Managern beruht, noch den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht. Bis Februar war der ifo-Index neun Mal in Folge gestiegen.

„Insgesamt sind die Unternehmen in Deutschland jedoch weiterhin sehr zuversichtlich“, sagte Ifo-Präsident Hans Werner Sinn. „Die Konjunkturampeln stehen unverändert auf grün. Deutschland befindet sich im Aufschwung.“ Wegen der Atomkatastrophe in Japan, dem Libyen-Krieg und der erwarteten Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) hatten Experten einen noch stärkeren Rückgang erwartet. Knapp die Hälfte der Antworten traf nach der Havarie im japanischen Atomkraftwerk Fukushima ein.

Die Aussichten für die kommenden sechs Monate bewerteten die Unternehmenschefs schlechter: Dieses Teilbarometer sank von 107,9 auf 106,5 Punkte. Die aktuelle Lage wurde dagegen erneut besser eingeschätzt: Dieser Teilindex kletterte von 114,7 auf 115,8 Punkte

Die Firmenchefs blicken nun weniger optimistisch nach vorn. Die Geschäftslage schätzten sie aber so gut ein wie seit 20 Jahren nicht mehr. „Der relativ geringe Rückgang ist beachtlich angesichts von Japan und anderen Unsicherheitsfaktoren wie der Lage in Nordafrika oder im Mittleren Osten“, sagte Ifo-Experte Klaus Abberger. Die Erdbeben-Katastrophe in Japan werde die Weltwirtschaft voraussichtlich nur kurzzeitig beeinträchtigen. „Einige Unternehmen sind zwar betroffen und einige Lieferketten unterbrochen“, sagte Abberger.

Allerdings drohe ein großer Schaden für die Weltwirtschaft, sobald sich die radioaktive Strahlung auf größere Gebiete oder Tokio ausdehne. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sei die Krise in Libyen und die Lage in anderen Ländern in Nahost. Noch sei der dadurch verursachte Anstieg der Ölpreise verkraftbar. „Aber sobald Saudi-Arabien betroffen wäre, dann wäre das etwas anderes“, sagte Abberger.  

In der Industrie hat sich das Geschäftsklima im März nochmals leicht verbessert, obwohl die Manager das künftige Auslandsgeschäft nicht mehr ganz so optimistisch einschätzen. Dennoch wollen noch mehr Unternehmen neue Stellen schaffen. Im Handel, in der Baubranche und bei den Dienstleistern trübte sich das Geschäftsklima jeweils ein.    

Experten rechnen trotz des Dämpfers mit einem anhaltenden Aufschwung. „Das ist kein Grund, in Sorge auszubrechen“, sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. „Der Rückgang ist in erster Linie eine Normalisierung und kein Vorbote eines Abschwungs.“ Die Folgen der Katastrophe in Japan seien bislang noch nicht in den Geschäftszahlen. Das könne sich allerdings ändern. „In der Automobilindustrie wird über Produktionsdrosselungen nachgedacht. Das lastet natürlich auf dem Geschäftsklima“, sagte Scheuerle.

Von

rtr

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