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22.07.2011

09:57 Uhr

Ifo-Index

Aufschwung schwächt sich unerwartet deutlich ab

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juli eingetrübt. Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer fällt dabei stärker als von Analysten erwartet.

Ifo-Konjunkturchef Carstensen

„Die privaten Investoren machen einen guten Schnitt“

Ifo-Konjunkturchef Carstensen: Ifo-Index unerwartet stark eingetrübt

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Der wichtigste Gradmesser für die deutsche Konjunktur, der Ifo-Geschäftsklimaindex, fiel auf 112,9 Punkte, wie das Münchener Ifo-Wirtschaftsforschungsinstitut am Freitag mitteilte. Dies ist der schlechteste Wert seit vergangenen Oktober. Volkswirte hatten für Juli einen Rückgang auf 113,8 Punkte prognostiziert. Im Juni war der Index überraschend auf 114,5 Punkte gestiegen.

Die Unternehmen bewerteten demnach sowohl ihre aktuelle Lage als auch die Aussichten für das kommende halbe Jahr schlechter. Die Unternehmen rechnen in der zweiten Jahreshälfte mit einem geringeren Wachstum. Der Index für die Konjunkturerwartungen für die kommenden sechs Monate fiel wie von Analysten erwartet auf 105,0 Punkte von zuvor 106,2 Zählern. Das Barometer für die Einschätzung der aktuellen Lage fiel dagegen deutlicher als angenommen - und zwar auf 121,4 Punkte nach zuvor 123,3. Hier hatten Experten mit 122,5 Zählern gerechnet.

In dieser Woche waren bereits mit dem ZEW-Index und dem Einkaufsmanagerindex zwei weitere wichtige Konjunkturindikatoren stärker gefallen als erwartet.

Das Containerschiff "CMA CGM Christoph Colomb" im Hafen von Hamburg. Quelle: dpa

Das Containerschiff "CMA CGM Christoph Colomb" im Hafen von Hamburg.

Ökonomen bewerteten den Rückgang dennoch verhalten. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn erklärte, auch wenn die Geschäftserwartungen nach unten wiesen, sonne sich die deutsche Wirtschaft noch immer in einem Sommerhoch.

Als Ursache für den unerwartet deutlichen Rückgang sehen Analysten die europäische Schuldenkrise. „Der Umfragezeitraum des aktuellen Ifo-Geschäftsklimas lag vor der Absegnung des zweiten Hilfspaketes für Griechenland und der Maßnahmen zur Eindämmung der EWU-Schuldenkrise. Auch die Stimmung in deutschen Industrieunternehmen zeigt sich daher noch durch die jüngsten Sorgen um Italien etwas belastet", sagte Viola Stork von der Helaba. Auch ihre Kollegin Ulrike Kastens von Sal.Oppenheim sieht eine Abschwächung bei den Industrieunternehmen. „Die Auftragseingänge werden schwächer, die Weltkonjunktur lässt an Dynamik nach, und deswegen ist es auch nur natürlich, dass wir eine Normalisierung der Indexwerte bekommen," sagte sie.

Konjunkturindikatoren

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Geldmenge (M1)

Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

 

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklimaindex

Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

 

Das Ifo-Institut befragt monatlich etwa 7.000 Firmen, wie sie ihre aktuelle Lage und die Erwartungen für die nächsten sechs Monate bewerten. Auch das Bundesfinanzministerium sagt voraus, dass der Aufschwung an Kraft verliert.„Insbesondere in der Industrie zeigt sich dabei eine Abstufung im Expansionstempo“, schrieb es in seinem am heutigen Freitag vorgelegten Monatsbericht.

ifo Geschäftsklima Deutschland 06.2008-07.2011

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

22.07.2011, 10:40 Uhr

ich schau mir den dax an, dann weiß ich wie sich die konjunktur in 6-9 monaten entwickeln wird.
ifo, zew, gfk, wirtschaftsweisen und andere geschwätzige, nichtsnutzige und überbezahlte kaffeesatzleser mit ihren geilen glaskugeln braucht kein mensch.

Kackbolzen

22.07.2011, 10:50 Uhr

Da werden sich die Deutschen aber bald umgucken: steigende Arbeitslosenzahlen und hunderte Milliarden verbraten für den Euro. Das muss ja bezahlt werden; die Gehälter, Hartz4 müssen sinken - Gehälter vor allem bei solchen, die vom Staat bezahlt werden. Z.B. den grün wählenden Lehrern! Und die Steuern werden erhöht werden... für alle. Und das drastisch.
Bin gespannt, wie lange die Deutschen den Eurozirkus noch mitmachen. Wenn der Michel merkt, dass es EXTREM teuer wird. Und die Dummsprüche der Politiker richtig in ihrer Bedeutung verstanden werden. Helau!

moriomuskat

22.07.2011, 11:02 Uhr

Da ist das böse Wort wieder: "unerwartet".

Als man dieses Wort zum letzten Mal in der Finanzpresse ausgiebig im Zusammenhang mit sinkenden Konjunkturerwartungen lesen konnte, war es der Auftakt zu einer beispielosen Krise, die dann auf den Staat und damit auf den Steuerzahler verlagert wurde.
Wissenschaft ist ja eigentlich dazu da, die Dinge vorhersehbar und damit auch beherrschbar zu machen. Unsere Wirtschaftswissenschaftler und sonstigen Finanzexperten sind da offenbar noch nicht weit gekommen.

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