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27.03.2017

10:22 Uhr

Ifo-Index

Deutsche Chefs lassen sich die Laune nicht verderben

Trotz Donald Trump, Marine Le Pen und Brexit-Verhandlungen hat sich die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft im März überraschend aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte auf 112,3 Punkte.

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MünchenDie Stimmung unter den deutschen Firmenchefs ist so gut wie seit fast sechs Jahren nicht mehr. Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte im März überraschend um 1,2 auf 112,3 Punkte. „Dies ist der höchste Wert seit Juli 2011“, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung am Montag zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten erwartet, dass der wichtigste deutsche Frühindikator auf dem Vormonatsniveau verharrt. „Der Aufschwung gewinnt an Kraft“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Firmenchefs bewerteten sowohl die Lage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate besser als zuletzt.

Besonders in der exportabhängigen Industrie verbesserte sich die Stimmung. „Ein Grund für die sehr gute Entwicklung war eine erneut anziehende Nachfrage“, sagte Fuest. Im Einzelhandel ging es ebenfalls nach oben, im Großhandel trübte sich das Klima dagegen etwas ein. In der Baubranche zeigte das Barometer nach oben, wobei die Firmen ihre Lage so gut einschätzten wie noch nie seit 1991.

Entwicklung des ifo-Geschäftsklimaindex
von März 2016 bis März 2017

„Wenn es läuft, läuft's“, sagte der Europa-Chefvolkswirt von Nordea, Holger Sandte. Die hohen Erwartungen deuteten darauf hin, dass stärker in Maschinen und andere Ausrüstungen investiert werden könnte. „Trotz aller politischer Umbrüche scheint sich der Konjunkturverlauf in einer goldenen Epoche zu befinden“, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Es zeichne sich in diesem Jahr erneut ein solides Wachstum ab.

Die deutsche Wirtschaft profitiert derzeit von der Belebung der globalen Konjunktur, weshalb die Industrie zuletzt mehr exportierte und produzierte. Viele Institut haben deshalb ihre Wachstumsprognosen für dieses Jahr angehoben. Allerdings bleiben viele Risiken – von der Wahl in Frankreich über die Brexit-Verhandlungen mit Großbritannien bis hin zu protektionistischen Maßnahmen des wichtigsten deutschen Exportkunden USA unter Präsident Donald Trump. „Die politischen Unsicherheiten kommen bei der deutschen Wirtschaft nicht an“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

Das sagen Ökonomen zum Ifo-Index

Uwe Burkert (Chefvolkswirt LBBW)

„Wow! Mit einem so deutlichen Anstieg hatte niemand gerechnet. Sowohl die Lage als auch die Erwartungen haben deutlich zugelegt. Damit liegt der Ifo-Index auf dem höchsten Niveau seit fast sechs Jahren. Für mich ergibt sich daraus ein positives Bild der deutschen Wirtschaft, die im ersten Quartal wohl um mindestens 0,5 Prozent zum Vorquartal gewachsen sein müsste. Die Sorgen um Brexit, Trump und die anstehende Wahl in Frankreich sind scheinbar wie verflogen, diese Sorglosigkeit ist meiner Meinung nach etwas übertrieben.“

Andreas Scheuerle (Dekabank)

„Kann Trump Politik? Das dürften sich die deutschen Unternehmen derzeit fragen. Tatsächlich läuft es aktuell nicht gut für Politikprojekte des US-Präsidenten, weshalb sich die Unternehmen die Frage stellen, ob man überhaupt mit der Grenzausgleichssteuer überhaupt noch rechnen muss? Damit verliert aus ihrer Sicht die protektionistische Bedrohung zumindest kurzfristig merklich an Schrecken. Kein Wunder, dass die Unternehmen zuversichtlicher nach vorne schauen, zumal die globale Konjunktur anzieht.“

Alexander Krüger (Chefökonom Bankhaus Lampe)

„Die Stimmung der Unternehmen nimmt immer mehr euphorische Ausmaße an. Aufgrund der im historischen Kontext hohen wirtschaftspolitischen Unsicherheit überrascht dies, besonders mit Blick auf die Geschäftserwartungen. Oder zeigen sich Unternehmen erleichtert darüber, dass es derzeit nicht nach harten Trumponomics aussieht? Wie auch immer: Die harten realen Konjunkturdaten sind bislang deutlich hinter der Aufwärtsdynamik der Stimmungsindikatoren zurückgeblieben. Für das erste Quartal 2017 zeichnet sich aber dennoch ein kräftiges Wachstum des Bruttoinlandsprodukts ab.“

Holger Sandte (Nordea Bank)

„Das waren überaus starke Ifo-Zahlen, der höchste Wert seit Mitte 2011 für den Gesamtindex. Die Ifo-Daten zeigen Wirtschaftswachstum in der Größenordnung von zwei Prozent an, das liegt über den meisten Wachstumsprognosen. Die weiter hohen Erwartungen deuten auf stärkere Ausrüstungsinvestitionen hin. Natürlich gibt es auf dem Niveau Rückschlagsgefahren, aber das haben wir schon öfter gesagt. Wenn es läuft, läuft's.“

Thomas Gitzel (Chefvolkswirt VP Bank)

„Das Konjunkturbarometer zeigt einmal mehr, dass ein erneut solides Wachstumsjahr vor uns liegt. Ob die deutschen Unternehmen in den kommenden Monaten noch einen Gang höher schalten können, hängt entscheidend von der Exportentwicklung ab. Sollte in Frankreich ein rechtspopulistisches Erdbeben bei den Präsidentschaftswahlen ausbleiben und mit Emmanuel Macron ein Reformer ans Ruder gelangen, wird auch die deutsche Exportwirtschaft davon profitieren“

Von

rtr

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