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24.09.2012

10:00 Uhr

Ifo-Index fällt

Draghi kann die Krisenstimmung (vorerst) nicht vertreiben

Die geplanten Anleihekäufe der EZB haben die Märkte in Feierlaune versetzt. Doch die gute Stimmung an den Börsen kommt nicht bei den Unternehmen an. Der Ifo-Index ist im September zum fünften Mal in Folge gefallen.

Trotz der Euphorie an den Finanzmärkten sind die Unternehmen angesichts der Euro-Krise weiter skeptisch. dapd

Trotz der Euphorie an den Finanzmärkten sind die Unternehmen angesichts der Euro-Krise weiter skeptisch.

Berlin/MünchenDie Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im September überraschend den fünften Monat in Folge eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel um 0,9 auf 101,4 Punkte, teilte das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter 7000 Unternehmen mit. Das ist der schlechteste Wert seit Februar 2010. "Die bremsenden Einflüsse auf die Konjunktur dominieren weiterhin", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Anstieg auf 102,5 Zähler gerechnet, nachdem die Entscheidung der Europäischen Zentralbank für den Kauf von Anleihen krisengeplagter Euro-Staaten die Märkte beruhigt hatte.

Die Signale für die deutsche Konjunktur sind derzeit widersprüchlich. In der Vorwoche waren der ZEW-Index von Finanzmarktexperten und der Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie deutlich gestiegen. Auch die Bundesbank rechnet in ihrem heute vorgelegten Monatsbericht nicht mit einer Rezession. Die robuste Industrieproduktion und der anhaltenden Bauboom würden dafür sprechen, "dass die Konjunktur in Deutschland vorerst ihren verhalten aufwärtsgerichteten Kurs fortsetzt".

Konjunkturprognosen der vergangenen Monate

DIHK

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht von einem Wachstum von 0,3 Prozent aus. Bislang waren 0,7 Prozent erwartet worden. "Der Aufschwung in Deutschland ist vorerst verschoben", sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. "Die Unternehmen schätzen ihre Lage deutlich schlechter ein als zu Beginn des Jahres." Für 2014 geht das DIHK von einem Wachstum von mehr als einem Prozent aus.

BDI

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, rechnet mit robustem Wachstum von bis zu 0,8 Prozent. Er ist damit weit optimistischer als die Bundesregierung.

Bundesregierung

Die Bundesregierung geht für 2013 von einem Wachstum von 0,4 Prozent aus.

Sachverständigenrat

Genau wie die Bundesregierung rechneten auch die "fünf Weisen" aus dem Sachverständigenrat zuletzt mit einem Wachstum von 0,8 Prozent. Wegen des starken Einbruchs im vierten Quartal 2012 haben sie den Wert jedoch auf 0,3 Prozent mehr als halbiert.

RWI

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,3 Prozent. Im Vergleich zur Herbstprognose wurde die Schätzung um 0,7 Punkte zurückgenommen.

Internationaler Währungsfonds

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt für 2013 ein Plus von 0,3 Prozent voraus. Im Oktober 2012 war er für 2013 noch von einem Wachstum von 0,9 Prozent ausgegangen.

EU-Kommission

Zum Lager der Optimisten gehört die EU-Kommission. Für Deutschland erwartet sie 2013 ein Wachstum von 0,5 Prozent. Das ist besser als die Erwartung für den Euroraum. Hier rechnet sie sogar mit einem Rückgang von 0,3 Prozent. Grund für die langsame Entwicklung sind die schlechte Binnennachfrage einiger Länder und große konjunkturelle Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten.

Bundesbank

Die Deutsche Bundesbank rechnet in ihrem Monatsbericht vom Dezember für 2013 mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. 2014 soll dies auf 1,9 Prozent steigen.

DIW

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,7 Prozent. Damit hat es seine Erwartungen nach unten korrigiert. Zuvor war es von einem Plus von 0,9 Prozent ausgegangen. Für 2014 rechnet das DIW mit einem Wachstum von 1,6 Prozent.

Ifo-Institut

Das Münchner Ifo-Institut geht für 2013 von einem Wachstum von 0,7 Prozent aus. Die Spanne der Schätzung reicht von minus 0,6 bis plus 2,0 Prozent.

Auch die gute Kauflaune der Verbraucher stütze die Wirtschaft. Für die kommenden Monate sieht die Bundesbank aber mehr Risiken als Chancen. "Die Perspektiven für die weitere wirtschaftliche Entwicklung sind nach wie vor von großer Unsicherheit geprägt."
Zwar habe die Industrie im Juli das durchschnittliche Niveau des ersten Halbjahres gehalten. "Die Unternehmen haben ihre Geschäftserwartungen aber im August von einem bereits gedrückten Niveau nochmals spürbar zurückgestuft", warnen die Bundesbanker. Die gute Stimmung an den Finanzmärkten ist offenbar noch nicht zu den Unternehmen durchgedrungen - wie auch der Ifo-Index zeigt.

Kommentare (18)

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Account gelöscht!

24.09.2012, 10:17 Uhr

"überraschend" :D lol. Was glaubt denn hier einer was passiert wenn die realen Zahlen, also nicht die politisch geschönten, das Licht des Tages erblicken würden?

AlterSchwede

24.09.2012, 10:31 Uhr

Schön zu wissen, dass nicht jeder Pups von Draghi oder einem anderen Schönwettergrinser Auswirkungen auf unsere Wirtschaft haben. Sollte das jemals der Fall sein, währe es besser und billiger, Grinsepuppen für diese Aufgaben zu installieren.

Account gelöscht!

24.09.2012, 11:00 Uhr

Ist ja eigentlich auch nicht seine Aufgabe.

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