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24.10.2012

10:07 Uhr

Ifo-Index fällt

Unternehmen sehen Zukunft noch düsterer

Die Stimmung an den Finanzmärkten hat sich zuletzt deutlich verbessert. Doch bei den Unternehmen kommt davon nichts an. Ihre Stimmung hat sich im Oktober zum sechsten Monat in Folge verschlechtert.

Ein Mitarbeiter des Stahlkonzerns Salzgitter AG. dpa

Ein Mitarbeiter des Stahlkonzerns Salzgitter AG.

MünchenDie Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich den sechsten Monat in Folge verschlechtert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank im Oktober weiter von 101,4 auf 100,0 Punkte. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sagte am Mittwoch in München: „Die Wolken am deutschen Konjunkturhimmel verdunkeln sich.“

Auch die heute veröffentlichten Zahlen vom Einkaufsmanagerindex für Deutschland fielen schlecht aus. Der Einkaufsmanagerindex fiel um 1,1 auf 48,1 Punkte, teilte das Markit-Institut am Mittwoch zu seiner Umfrage unter 1000 privaten Unternehmen aus Industrie und Dienstleistungssektor mit. Das Barometer verharrt damit seit einem halben Jahr unter der 50-Punkte-Marke, ab der Wachstum signalisiert wird. "Die deutsche Wirtschaft hat im Oktober wieder den Rückwärtsgang eingeschaltet", sagte Markit-Ökonom Tim Moore. "Das lag vor allem daran, dass die Industrieproduktion stärker zurückgefahren wurde als zuletzt."
Die schlechten Zahlen stehen im Gegensatz zu der zuletzt deutlich besseren Stimmung an den Finanzmärkten. So ist der ZEW-Index über die Stimmung der Finanzmarktexperten in den vergangenen Monaten gestiegen.

"Es stellt sich die Frage: Ist das Glas halb voll oder halb leer? Trotz des starken Rückgangs ist es meiner Meinung nach halbvoll," sagt Andreas Rees von der Unicredit. Das Geschäftsklima sei ausschließlich wegen der schlechteren Lage zurückgegangen, weil die Unternehmen jetzt ihre Auftragsbestände abarbeiten. Das sei ein natürlicher Prozess.
"Die positive Nachricht ist, dass sich die Geschäftserwartungen stabilisiert haben - zum einen durch die in Aussicht gestellten Anleihenkäufe der EZB und der beruhigten Finanzmärkte, zum anderen aber auch durch eine fundamentale Verbesserung. So geht es in China und anderen asiatischen Ländern wieder bergauf. Es gibt Licht am Ende des Tunnels."

Konjunkturprognosen der vergangenen Monate

DIHK

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht von einem Wachstum von 0,3 Prozent aus. Bislang waren 0,7 Prozent erwartet worden. "Der Aufschwung in Deutschland ist vorerst verschoben", sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. "Die Unternehmen schätzen ihre Lage deutlich schlechter ein als zu Beginn des Jahres." Für 2014 geht das DIHK von einem Wachstum von mehr als einem Prozent aus.

BDI

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, rechnet mit robustem Wachstum von bis zu 0,8 Prozent. Er ist damit weit optimistischer als die Bundesregierung.

Bundesregierung

Die Bundesregierung geht für 2013 von einem Wachstum von 0,4 Prozent aus.

Sachverständigenrat

Genau wie die Bundesregierung rechneten auch die "fünf Weisen" aus dem Sachverständigenrat zuletzt mit einem Wachstum von 0,8 Prozent. Wegen des starken Einbruchs im vierten Quartal 2012 haben sie den Wert jedoch auf 0,3 Prozent mehr als halbiert.

RWI

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,3 Prozent. Im Vergleich zur Herbstprognose wurde die Schätzung um 0,7 Punkte zurückgenommen.

Internationaler Währungsfonds

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt für 2013 ein Plus von 0,3 Prozent voraus. Im Oktober 2012 war er für 2013 noch von einem Wachstum von 0,9 Prozent ausgegangen.

EU-Kommission

Zum Lager der Optimisten gehört die EU-Kommission. Für Deutschland erwartet sie 2013 ein Wachstum von 0,5 Prozent. Das ist besser als die Erwartung für den Euroraum. Hier rechnet sie sogar mit einem Rückgang von 0,3 Prozent. Grund für die langsame Entwicklung sind die schlechte Binnennachfrage einiger Länder und große konjunkturelle Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten.

Bundesbank

Die Deutsche Bundesbank rechnet in ihrem Monatsbericht vom Dezember für 2013 mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. 2014 soll dies auf 1,9 Prozent steigen.

DIW

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,7 Prozent. Damit hat es seine Erwartungen nach unten korrigiert. Zuvor war es von einem Plus von 0,9 Prozent ausgegangen. Für 2014 rechnet das DIW mit einem Wachstum von 1,6 Prozent.

Ifo-Institut

Das Münchner Ifo-Institut geht für 2013 von einem Wachstum von 0,7 Prozent aus. Die Spanne der Schätzung reicht von minus 0,6 bis plus 2,0 Prozent.

Holger Schmieding von der Berenberg Bank wertete die Zahlen als enttäuschend. Sie deuteten darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft im Schlussquartal bestenfalls stagniere.

Die befragten Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage schlechter als im September. Die Geschäftserwartungen blieben auf niedrigem Niveau unverändert. Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer war angesichts der weltweit schlechteren Konjunkturaussichten und der ungelösten Schuldenkrise in Europa seit Mai jeden Monat gesunken. Banken-Volkswirte hatten für Oktober eigentlich eine leichte Verbesserung erwartet, weil sich die Lage an den Finanzmärkten stabilisiert hatte.

Aber in der Industrie ging die Stimmung weiter nach unten, weil die Betriebe mit ihrer aktuellen Geschäftslage deutlich weniger zufrieden waren. Die Kapazitäten seien schwächer ausgelastet. Auch im Handel und auf dem Bau wurde das Geschäftsklima schlechter. Für den ifo-Geschäftsklimaindex befragen die Konjunkturforscher jeden Monat rund 7000 Unternehmen.

Von

rtr

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

24.10.2012, 10:42 Uhr

Der Finanzmarkt hat sich schon seit Jahren von der Realwirtschaft abgekoppelt. Alles nur noch Pseudo-Zahlen!

Account gelöscht!

24.10.2012, 11:04 Uhr

So düster, dass nach Angaben der Unternehmen selber, mindestens 180.000 neue Jobs entstehen sollen, der Maschinenbausektor das beste Ergebnis der deutschen Geschichte einfahren wird und die Exportindustrie den Rekord des letzten Jahres brechen wird. Wird ein schlimmer Hungerwinter...

Account gelöscht!

24.10.2012, 12:46 Uhr

Von wie viel Sekretärinnen wird dieser Fragebogen eigentlich immer ausgefüllt?

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