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22.06.2012

11:54 Uhr

Ifo-Index

Geschäftsklima in Deutschland bricht ein

Dunkle Wolken brauen sich über Deutschland zusammen. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts ist auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren eingebrochen. Die Staatsschuldenkrise belastet den Wirtschaftsausblick.

Auch die bislang sehr erfolgreichen deutschen Automobilhersteller dürften die Euro-Krise zu spüren bekommen. dpa

Auch die bislang sehr erfolgreichen deutschen Automobilhersteller dürften die Euro-Krise zu spüren bekommen.

München/BerlinDie verschärfte Schuldenkrise setzt der Stimmung in der deutschen Wirtschaft immer stärker zu. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist von 106,9 auf 105,3 Punkte, gefallen, wie das Institut in München mitteilte. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Lage zwar etwas besser, ihre Geschäftsaussichten jedoch deutlich schlechter. Der erneute Rückgang war erwartet worden, denn die meisten anderen Frühindikatoren haben sich ebenfalls deutlich eingetrübt.

Damit sank das an den Märkten stark beachtete Ifo-Barometer den zweiten Monat in Folge. Das ist der niedrigste Wert seit März 2010. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten einen Rückgang auf 105,9 Punkte erwartet. "Die deutsche Wirtschaft befürchtet zunehmende Beeinträchtigungen durch die Eurokrise", so Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Die größten Inflationsrisiken für Deutschland

Lohn-Preis-Spirale

Wegen der guten Konjunktur haben die Gewerkschaften kräftige Lohnerhöhungen durchgesetzt: Die Chemie-Beschäftigten bekommen 4,5 Prozent, die Metaller 4,3 Prozent mehr Geld, mit einer Laufzeit von rund einem Jahr. Die Beschäftigten bei Bund und Kommunen handelten ein Plus von 6,3 Prozent für zwei Jahre aus. Unternehmen und Staat werden versuchen, die höheren Personalkosten aufzufangen, indem sie ihre Preise beziehungsweise Gebühren und Abgaben anheben. Verteuert sich die Lebenshaltung dadurch merklich, werden die Gewerkschaften in der nächsten Lohnrunde einen Ausgleich verlangen. Es droht eine Spirale, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig nach oben schaukeln.

Lockere EZB-Geldpolitik

Bei ersten Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale müsste die EZB ihre Zinsen anheben. Mit teurerem Geld kann sie Konsum und Investitionen drosseln, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen könnte. Aus Rücksicht auf die schwere Wirtschaftskrise in Ländern wie Spanien wird die Zentralbank ihren Leitzins aber wohl noch längere Zeit auf dem Rekordtief von einem Prozent lassen - oder sogar weiter senken. Die extrem niedrigen Zinsen aber können den Konsum im prosperierenden Deutschland weiter befeuern und die Preise anheizen.

Schwacher Euro

Wegen der eskalierenden Schuldenkrise steht der Euro unter Abwertungsdruck. Mit rund 1,25 Dollar ist er so billig wie seit Sommer 2010 nicht mehr. Das Problem: Deutschland als rohstoffarmes Land muss Öl, Metalle und andere Materialien im Ausland kaufen. Auf dem Weltmärkten werden die Rohstoffe überwiegend in Dollar abgerechnet. Ein schwächerer Euro macht damit deutsche Importe teurer.

Enorme Liquidität

Zusätzliche Gefahren gehen von der Politik der Europäischen Zentralbank aus, den Finanzhäusern billiges Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen. Allein Ende 2011 und Anfang 2012 hat sie mehr als eine Billion Euro zum Zins von aktuell einem Prozent für drei Jahre in den Finanzsektor gepumpt. Zieht die Kreditvergabe an die Unternehmen erst einmal an, kann das viele Geld schnell in Inflation münden.

Die 7000 vom Ifo-Institut befragten Manager schätzten auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter ein als zuletzt. Das Barometer fiel auf 97,3 Zähler von 100,8 Punkten. Experten hatten hier einen Rückgang auf 99,8 Zähler vorausgesagt. Die Exportindustrie sieht gleichfalls deutlich schlechtere Geschäfte voraus. „Auch die Beschäftigungspläne bleiben defensiv ausgerichtet“, sagte Ifo-Präsident Sinn.

Die Geschäftslage wurde indes allgemein besser beurteilt. Dieser Index stieg auf 113,9 Punkte von 113,2 Zählern.

"Die Stimmung der deutschen Unternehmen sackt immer weiter ab. Nachdem zuvor schon die Einkaufsmanagerindizes in den Rezessionsbereich gesunken waren, gibt nun auch das bislang noch vergleichsweise zuversichtliche Ifo-Geschäftsklima spürbar nach, allen voran die Geschäftserwartungen", sagte Andreas Scheuerle, Ökonom der Dekabank zu den Umfrageergebnissen. Verantwortlich dafür sei zu einem großen Teil die Schuldenkrise, die infolge der Unsicherheit über die Fortsetzung des griechischen Reformkurses sowie der Probleme Spaniens und Italiens wieder aufgeflammt sei. Erschwerend komme hinzu, dass die Frühindikatoren auf eine Abkühlung der Weltkonjunktur hindeuteten. Damit werde das Sicherheitsnetz der deutschen Unternehmen löchriger.

"Das zweite Quartal lebte zunächst noch von der Schubkraft des ersten Vierteljahrs. Doch zu Quartalsende scheint sich die wirtschaftliche Dynamik so stark verlangsamt zu haben, dass man für den Zeitraum Juli bis September mit einer Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts rechnen muss", so Scheuerle.

Weltwirtschaft : Schlechte Aussichten für die Exporteure

Weltwirtschaft

Schlechte Aussichten für die Exporteure

Die Weltwirtschaft gerät unter Druck. Mehr und mehr leidet die deutsche Industrie unter den Problemen ihrer Absatzmärkte. Vor allem die Industrieunternehmen sind betroffen.

"Die Unternehmen befürchten, dass die Schuldenkrise auf die Exporte durchschlagen werden. In Südeuropa bricht die Wirtschaft wegen der harten Sparprogramme ein. Das kommt zeitverzögert bei den deutschen Unternehmen an", ergänzt sein Kollege Stefan Schilbe vom Bankhaus HSBC Trinkaus.

Der Euro hat nach dem Ifo im Verlauf einen Schritt zur Seite gemacht. Impulse für den Euro könnten im Tagesverlauf von dem Treffen der Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien ausgehen. Dabei soll es um gemeinsame Strategien gegen die Schuldenkrise gehen.
Die Sorgen um einen Euro-Austritt Griechenlands hatten sich nach dem Sieg des Reformlagers zuletzt zwar gelegt. Die eskalierende Schuldenkrise um Spanien und Italien macht jedoch zunehmend auch deutschen Firmen zu schaffen: Die Privatwirtschaft ist hierzulande im Juni so stark geschrumpft wie während der weltweiten Finanzkrise vor drei Jahren nicht mehr, wie aus dem Markit-Einkaufsmanagerindex hervorgeht.

Kommentare (13)

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22.06.2012, 10:34 Uhr

Durch die "Rettungsmaßnahmen" ist mittlerweile auch der deutsche Mittelstand psychisch zermürbt, so dass es über eine self-fulfilling prophecy vermutlich zur Rezession kommen wird.

Was das für den weiteren Gang der Staatsschuldenkrise bedeutet, kann man sich leicht ausmalen.

Wann erlöst uns die Politik endlich vom Euro?

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22.06.2012, 10:48 Uhr

Bravo!!! Weiter sparen!! weiter sparen!!! wir sind auf dem richtigen weg!

Account gelöscht!

22.06.2012, 10:58 Uhr

Der Mittelstand wird im Euro-Sozialismus nach französischem Vorbild nicht gebraucht. Selbständige sind als nächstes dran.

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