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24.09.2014

10:32 Uhr

ifo-Index gibt weiter nach

„Der deutsche Konjunkturmotor läuft nicht mehr rund“

Die Sorgen um internationale Krisen drücken auf die Stimmung in der deutschen Wirtschaft. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ging im September erneut zurück – und steht nun auf dem niedrigsten Wert seit April 2013.

Börse am Mittag

Ifo-Index: Niemand spricht von Rezession

Börse am Mittag: Ifo-Index: Niemand spricht von Rezession

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MünchenDie Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im September den fünften Monat in Folge eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel unerwartet deutlich von 106,3 auf 104,7 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch mitteilte. Das ist der niedrigste Wert seit April 2013. Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einem Rückgang um 0,5 auf 105,8 Punkte gerechnet.

„Der deutsche Konjunkturmotor läuft nicht mehr rund“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die Führungskräfte schätzten sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter ein als zuletzt.

Mit dem erneuten Rückgang des wichtigsten deutschen Konjunkturbarometers schwinden die Chancen auf ein kräftiges Wachstum in der zweiten Jahreshälfte. Angesichts der Verunsicherung durch die Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten war das Bruttoinlandsprodukt im Frühjahr überraschend um 0,2 Prozent geschrumpft. Der Bundesverband der Deutschen Industrie senkte seine Wachstumsprognose von 2,0 auf 1,5 Prozent.

Größte Volkswirtschaften 2013 - 2028

Rang 10

2013
Kanada
1,8 Billionen Dollar
2028
Kanada
3,7 Billionen Dollar
Quelle: CEBR. Angaben beziehen sich auf das geschätzte Bruttoinlandsprodukt

Rang 9

2013
Italien
2,1 Billionen Dollar
2028
Mexiko
3,7 Billionen Dollar

Rang 8

2013
Russland
2,1 Billionen Dollar
2028
Russland
4,1 Billionen Dollar

Rang 7

2013
Brasilien
2,2 Billionen Dollar
2028
Großbritannien
4,3 Billionen Dollar

Rang 6

2013
Großbritannien
2,65 Billionen Dollar
2028
Deutschland
4,3 Billionen Dollar

Rang 5

2013
Frankreich
2,7 Billionen Dollar
2028
Brasilien
5,1 Billionen Dollar

Rang 4

2013
Deutschland
3,6 Billionen Dollar
2028
Japan
6,4 Billionen Dollar

Rang 3

2013
Japan
5 Billionen Dollar
2028
Indien
6,6 Billionen Dollar

Rang 2

2013
China
8,9 Billionen Dollar
2028
USA
32,2 Billionen Dollar

Rang 1

2013
USA
16,7 Billionen Dollar
2028
China
33,5 Billionen Dollar

Die Unternehmen schätzten im September aber nicht nur ihre aktuelle Lage, sondern auch ihre Zukunftsaussichten schlechter ein. Während der Lage-Index von 111,1 auf 110,5 Punkte nachgab, fiel der Erwartungsindex von 101,7 auf 99,3 Punkte.

Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft. Er wird monatlich durch die Befragung von rund 7000 Unternehmen ermittelt.

Die neuen Wachstumsmärkte der deutschen Exporteure

Malaysia

Fast fünf Prozent Wachstum jährlich werden dem aufstrebenden Land bis 2025 vorausgesagt. Im gleichen Zeitraum könnte sich das Bruttoinlandsprodukt verdoppeln. Ein Grund dafür ist die wachsende Wettbewerbsfähigkeit. Im internationalen Standort-Vergleich des World Economic Forum belegt Malaysia Platz 25, knapp hinter Deutschlands wichtigstem Handelspartner Frankreich (21), aber noch vor China (29) und Italien (42). "Malaysia ist eine der offensten Volkswirtschaften der Welt", lobt das Prognos-Institut.

Indonesien

Das muslimisch geprägte Land lockt mit einem riesigen Binnenmarkt: Indonesien ist gemessen an der Bevölkerung die Nummer vier der Welt. 240 Millionen Einwohner leben hier. Bis 2060 wird Indonesien zur sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt aufrücken und Deutschland überholen, sagt die Industriestaaten-Organisation OECD voraus. "Das rohstoff- und bevölkerungsreiche Land wird 2012 und 2013 um mehr als sechs Prozent wachsen", prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Die Wirtschaft des Inselreichs profitiert von niedrigen Zinsen und einer niedrigen Inflation."

Kolumbien

Reiche Rohstoffvorkommen von Kohle über Öl und Gold bis zu Seltenen Erden, die Öffnung der Volkswirtschaft und nicht zuletzt eine deutlich verbesserte Sicherheitslage durch die Friedensgespräche mit den marxistischen FARC-Rebellen lassen auch hier ein jährliches Wirtschaftswachstum um die fünf Prozent erwarten. Für die Weltbank zählt Kolumbien zur Spitzengruppe in den lateinamerikanischen Staaten, wenn es um den Schutz geistigen Eigentums und Regulierung geht. "Das Land wird damit für ausländische Investoren interessanter", so der DIHK. Zusätzliche Impulse kommen von dem in Kraft getretenen Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union. Der DIHK hält deshalb sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten Steigerungsraten von mehr als 20 Prozent für möglich.

Peru

Noch mehr Wachstum wird Peru vorausgesagt: Sechs Prozent kann die Wirtschaftsleistung dort pro Jahr zulegen. Auch Peru hat ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet und verfügt über viele Rohstoffe. Der DIHK hält deshalb ein Ausweitung des Handels um mehr als 20 Prozent für möglich. Besonders gefragt sein dürften Fahrzeuge. Dieser Markt lockt dem Prognos-Institut zufolge mit jährlichen Steigerungsraten von sieben Prozent.

Tunesien

Das World Economic Forum hält Tunesien, wo der arabische Frühling begann, für das wettbewerbsfähigste Land Afrikas. "Zu den größten Pluspunkten gehören die geografische Nähe zu Europa, eine belastbare Infrastruktur sowie die günstigen Lohnkosten", betont das Prognos-Institut. "Das Bildungssystem ist im regionalen Vergleich gut ausgebaut. Zudem haben zahlreiche Tunesier im Ausland studiert."

Vietnam

Schon jetzt zählt das asiatische Land mehr Einwohner als Deutschland, 2025 sollen es fast 100 Millionen sein. "Die konsumfreudige und zunehmend kaufkräftige Bevölkerung verspricht ein gewaltiges Absatzpotenzial: In kaum einem anderen Land Asiens wächst die Mittelschicht schneller als in Vietnam", so das Prognos-Institut. Mehr als sechs Prozent jährlich soll das Bruttoinlandsprodukt zulegen. Vietnam verfügt über unzählige billige Arbeitskräfte. Viele Unternehmen haben ihre Produktion deshalb schon aus dem teurer werdenden China in das Nachbarland verlagert.

„Die erneut schlechtere Stimmung ist ein Warnsignal“, erklärte Jörg Zeuner, KfW-Chefvolkswirt. Selbst die in den vergangenen Wochen nach unten korrigierten Wachstumsprognosen für Deutschland könnten sich noch als zu optimistisch erweisen, sollte sich das internationale Umfeld weiter eintrüben. Immerhin gebe es einige Hoffnungsschimmer: So habe sich der Konflikt in der Ostukraine sich ein wenig beruhigt.

Auch auf die Verbraucherstimmung schlugen die internationalen Krisenherde zuletzt durch. Zum ersten Mal seit gut eineinhalb Jahren hatte sich die Konsumlaune der Bundesbürger im August eingetrübt. Das Vertrauen der Bürger in eine schwungvolle Entwicklung der Konjunktur schwand sogar so stark wie noch in keinem anderen Monat seit Beginn der Erhebung im Jahr 1980. Der Konsumklimaindex sank von 8,9 Zählern im August auf 8,6 Punkte für September.

Kommentare (6)

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Carl Icahn Jr.

24.09.2014, 11:53 Uhr

Der beste Konjunktur-Frühindikator in Deutschland ist (war und wird auch immer so sein) der DAX mit einer Vorlaufzeit von 6 bis 9 Monaten zur Realwirtschaft.

Der IFO-Index ist vielleicht interessant für Anzugträger und sonstige Erbsenzähler .....


Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope.

Carl Icahn Jr.
- selbst. Börsenhändler -
Algo- und System-Trading

Herr Ulrich Bernhardt

24.09.2014, 12:21 Uhr

Ja, dutzende Versuche, ohne Erfolg. Bevor ich nochmal 1600 Zeichen vergeblich tippe, hier erstmal ein TEST...

Herr Peter Windhoek

24.09.2014, 12:22 Uhr

Wen wundert`s, der dt. Maschinenbau wird wie viele andere Exportartikel in der EU Zone doch ohnehin vom Steuerzahler massiv gestützt und quersubventioniert.
Riesige Transferleistungen nach Spanien versickern im Sande, mit dem Rest werden bei R.Madrid überteuerte Fußballspieler eingekauft.Finanzmärkte und Realwirtschaft driften doch immer weiter auseinander. Deutschlands Infrastruktur befindet sich zwischenzeitlich auf dem Level eines Entwicklungslandes. erreicht ... und der deutsche Konjunkturmotor läuft nicht mehr rund ???
Bananenrepublik, welcome Cuba

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