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21.01.2011

10:14 Uhr

Ifo-Index mit neuem Rekord

Nur der Ölpreis kann deutschen Boom noch stoppen

Traumprognose für die deutsche Wirtschaft: Die Unternehmen starten mit überraschend viel Rückenwind ins Jahr 2011: Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Januar den achten Monat in Folge und kletterte auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Ein weiteres Boomjahr winkt. Gefahr droht laut Ifo jedoch von hohen Ölpreisen.

Arbeiter in Frankfurt: die deutsche Wirtschaft brummt auch in diesem Jahr. dpa

Arbeiter in Frankfurt: die deutsche Wirtschaft brummt auch in diesem Jahr.

HB BERLIN. Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer stieg auf 110,3 von 109,8 Punkten im Vormonat, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Freitag zu seiner Umfrage unter 7000 Unternehmen mitteilte. Analysten hatten nur mit einem unveränderten Wert gerechnet.

„Die deutsche Wirtschaft startet schwungvoll in das neue Jahr“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Treibende Kraft war erneut die Industrie, die ihre Lage und ihre Aussichten abermals besser einschätzte. „Sie hat einen deutlichen Satz nach oben gemacht und ist jetzt ganz aus der Krise heraus“, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger zu Reuters. „Ihre Kapazitäten sind überdurchschnittlich ausgelastet, sie möchte wieder mehr Personal einstellen und sieht im Auslandsgeschäft noch bessere Chancen.“

Im Einzel- und Großhandel hingegen kühlte sich das Geschäftsklima etwas ab, allerdings hatte in beiden Sparten die Stimmung im Dezember einen großen Sprung nach oben gemacht. Im Bauhauptgewerbe geht es weiter aufwärts: „Die befragten Unternehmen sind mit ihrer momentanen Geschäftslage zufriedener und rechnen zudem mit einem deutlicheren Anziehen der Geschäfte in der nächsten Zeit.“

Branchenübergreifend schätzten die Manager die Aussichten für die kommenden sechs Monate unerwartet besser ein als im Dezember. Das Barometer für die Geschäftserwartungen kletterte auf 107,8 von 106,8 Punkten. Die Lage wurde nur minimal schlechter bewertet; dieses Barometer sank auf 112,8 Punkte von 112,9 Zählern.

Die meisten Experten trauen der deutschen Wirtschaft ein weiteres Boomjahr zu. „Die hohe Produktivität sowie hervorragende Handelsbeziehungen werden Deutschland erneut an die Spitze der Eurozone bringen“, sagte Jörg Zeuner, Analyst der VP Bank. Die Bundesregierung erwartet 2011 ein Wachstum von 2,3 Prozent, weniger als drei Millionen Arbeitslose und einen Beschäftigungsrekord. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle bezeichnete den Aufschwung jüngst als Fortsetzungsroman. 2010 hatte es mit 3,6 Prozent das stärkste Wachstum seit der Wiedervereinigung gegeben.

Gefahr droht der deutschen Wirtschaft nach Einschätzung des Ifo-Instituts von hohen Ölpreisen. „Das Risiko ist nicht zu vernachlässigen“, sagte Abberger. „Von einer breiten Inflation kann aber keine Rede sein.“ Bislang sei nur in einigen Teilbereichen eine spürbarer Preisanstieg zu beobachten, vor allem bei Energie und Rohstoffen.

Auch im Nachbarland Frankreich hellte sich Stimmung der Unternehmer im Januar überraschend kräftig auf. Die Firmen beurteilten die Nachfrage nach ihren Produkten deutlich günstiger als im Vormonat. Insbesondere das Auslandsgeschäft verbesserte sich und die Aufträge zogen an. Der Geschäftsklimaindex stieg auf 108 Punkte von 102 Zählern im Vormonat und übertraf damit die Experten-Erwartung von 104 Punkten. „Wir haben innerhalb Europas nun nicht mehr allein die deutsche Wachstumslokomotive, sondern auch Frankreich zieht sehr stark mit“, sagte Andreas Rees von Unicredit. „Das sind sehr gute Nachrichten für die deutsche Wirtschaft.

Kommentare (3)

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no.7

21.01.2011, 12:06 Uhr

Naja, laßt ihnen noch einmal ihren Hochjubel-index. Daß die sause sehr bald aus und vorbei sein wird, scheint die berufsoptimisten nicht zu stören. wie im sommer 2008, als ständig herumposaunt wurde, deutschland stehe vor einem "Jahrhundertaufschwung", mit dem es aber dann ganz schnell vorbei war. Das deutsche wachstum steht auf tönernen Füßen. Kommt die inflation, kommen zinserhöhungen, dann wird die jubellaune schnell in den Keller sausen- für lange zeit.

Plebs

21.01.2011, 12:53 Uhr

Die CEO Maulhelden (und das sind die befragten des ifoindex) haben noch vor keinem wirtschaftlichen Absturz rechtzeitig gewarnt. Eigentlich wurden sie alle und zu allen Zeiten immer und immer wieder von auftretenden Krisen "vollkommen überrascht".

Angesichts des historisch einmaligen Liquiditätseszesses von bernanke, Trichet und Co. ist übrigens der Ölpreis überhaupt kein Problem. Problematisch sind vielmehr der drohende Staatsbankrott der USA, Japans, Gbs und all der anderen "ferner liefen" Länder. Oder aber, sozusagen auf der "anderen Seite", der Zusammenbruch der durchgeknallten Überkapazitätsmonster und Containerschleudern in Asien oder bRiC, die wie ein schlecht gebackener Kuchen zusammenfallen, wenn in den USA, Europa, Japan etc. eine Standardbriefmarke mehrere Milliarden Dollar, Euro oder billionen Yen kostet.
"Dienstleistungsgesellschaft" hier und "Werkbank für die Welt" da ergibt: Wohlstand für Alle ?
Nö! Der (amerikanische) Kaiser ist nackt, todkrank und friert. Und der chin. Drache verschenkt seine Waren an ihn bis er als bettvorleger endet wie so viele andere auch schon.
Für die ausgestopfte Germania ist auch schon ein Plätzchen reserviert...

Siggi40

21.01.2011, 16:42 Uhr

„Die deutsche Wirtschaft startet schwungvoll in das neue Jahr“, sagte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Ein blick in die Realität: http://www.siggi40.magix.net/public/Fotos/14924.jpg

„Die meisten Experten trauen der deutschen Wirtschaft ein weiteres boomjahr zu“
Mit Kurzarbeitern, 1-€-Jobbern, Aufstockern, befristet-, Teilzeit- und Geringfügig beschäftigten exportieren wir in Länder, deren Lohnniveau schon 50% höher ist, als bei uns.

Schon mehr als zwei Drittel (66,4 %) des Abbaus von Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich gehen allein auf das Konto der Zunahme an Leiharbeit. Und nur noch 53,8 % der Arbeitslosengeldempfänger werden ehrlich als arbeitslos ausgewiesen. Zum anderen sind 7,5 Mio. bürger in Deutschland auf staatliche Leistungen angewiesen.

Und mit den gigantischen Gewinnen unserer Unternehmen, die durch staatlich verordnetes Lohndumping erwirtschaftet werden, werden Kredite zum Erwerb unserer Exportartikel gewährt, deren Annuität jetzt sogar der deutsche Steuerzahler übernehmen muss.

2011 erlahmt der Asienboom:
Die Konjunktur des Kontinents droht sich im kommenden Jahr deutlich abzukühlen und damit den Aufschwung in Deutschland massiv zu schwächen. Experten rechnen nur noch mit halb so viel Wachstum in vielen aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens. Gleichzeitig haben viele Regierungen angefangen, ihre Konjunkturprogramme zurückzufahren, denen wir unseren „Aufschwung" zu verdanken hatten.

2011 laufen alle Konjunkturstrohfeuerprogramme aus. Nachschub ist nicht in Sicht. Dem Süchtigen wird das Heroin weggenommen. immer mehr Staaten sind pleite. Wegbrechende Steuereinnahmen und explodierende Ausgaben für die Staatsverschuldung, sowie bei den Sozialausgaben geben dem "Aufschwung" den Rest.

Unser erträumter Aufschwung geht genau so lange, wie die Zentralbanken jeden Tag neue Milliarden und billionen drucken. Und wo dies hinführt, das haben unsere Eltern und Großeltern LiVE erlebt.
Ohne einen Reset im Finanzsystem und einer Trennung von Geschäfts- und Zockerbanken wird es in den westlichen industrieländern keinen selbsttragenden Aufschwung geben. So sicher wie das Amen in der Kirche.

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