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25.08.2014

11:12 Uhr

Ifo-Index

Nächster Dämpfer für die deutsche Wirtschaft

Es geht weiter runter: Der Ifo-Geschäftsklimaindex fällt den vierten Monat in Folge. Ukraine, Irak, Gaza – die Verunsicherung greift um sich. Die befragten Führungskräfte sehen schwarz. Kommt jetzt die Krise?

Konjunktur schwächelt

Ifo-Index sinkt erneut

Konjunktur schwächelt: Ifo-Index sinkt erneut

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MünchenDie deutschen Unternehmen verlieren angesichts der vielen Krisen und Konflikte zunehmend ihre Zuversicht. Der wichtige Ifo-Index gab im August bereits zum vierten Mal in Folge nach und sank von 108,0 auf 106,3 Punkte. Das ist der tiefste Stand seit Juli vergangenen Jahres.

Die Firmen seien erneut weniger zufrieden mit ihrer aktuellen Geschäftslage, vor allem blickten sie aber deutlich skeptischer auf die kommenden Monate, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Montag. „Die deutsche Wirtschaft verliert weiter an Kraft.“

Bereits nach drei Bewegungen des wichtigen Stimmungsbarometers in eine Richtung sprechen Volkswirte von einer möglichen Trendwende in der Konjunkturentwicklung. Das erneute Minus hatten die meisten Experten erwartet, im Schnitt aber mit einem weniger deutlichen Rückgang gerechnet. Aus Sicht von VP-Bank-Experte Thomas Gitzel besteht kein Zweifel: „Die deutsche Wirtschaft hat vorerst ihren Zenit überschritten“, sagte der Chefvolkswirt der Bank am Montag in einer ersten Reaktion auf die Zahlen des Münchner Ifo-Instituts.

Ein großer Teil der Verunsicherung gehe auf das Konto der weltweiten Krisen, etwa in der Ukraine, dem Irak oder Israel. „Doch auch ohne die Konfliktherde wäre für die deutsche Wirtschaft nicht mehr Wachstum möglich gewesen“, sagte Gitzel. Dafür sei die Weltwirtschaft zu schwach. Die starke deutsche Binnenkonjunktur könne das nicht mehr ausgleichen. Gefahr bestehe aber nicht. „Wir unterhalten uns über schmalere Wachstumsraten und nicht über eine Rezession.“ Auch andere Volkswirte warnen davor, nun allzu schwarz zu sehen.

Aus Sicht von KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner zeigen die Ergebnisse vor allem, dass sich Deutschland nicht von der anhaltenden Schwäche in vielen europäischen Ländern isolieren kann. „Zudem wirken die geopolitischen Spannungen verunsichernd, Hauptursache ist allerdings das weiterhin enttäuschende Wachstum in Europa.“ Er gehe aber nicht von einer grundsätzlichen Trendwende aus. „Nichtsdestotrotz erwarten wir, dass sich die Lage wieder beruhigt und Deutschland wegen der funktionierenden Binnenwirtschaft in diesem und im nächsten Jahr ordentlich vorankommen wird.“

Konjunkturindikatoren

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Geldmenge (M1)

Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

 

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklimaindex

Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

 

Im zweiten Quartal hatten die weltweiten Krisen das Wachstum bereits spürbar ausgebremst. Die Wirtschaft in der größten europäischen Volkswirtschaft schrumpfte zwischen April und Juni erstmals seit Anfang 2013. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 Prozent. Auch die anderen beiden großen Euro-Volkswirtschaften Frankreich und Italien schwächelten im Zeitraum April bis Juni. Dennoch sind Fachleute für die Entwicklung in Deutschland weiter im Grundsatz zuversichtlich.

Kommentare (13)

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Sergio Puntila

25.08.2014, 10:33 Uhr

"...Angesichts der Verunsicherung durch die Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten war die deutsche Wirtschaft im Frühjahr überraschend um 0,2 Prozent geschrumpft...."

und weiter:

"...Mit dem erneuten Rückgang des wichtigsten deutschen Konjunkturbarometers schwinden die Chancen auf ein starkes Comeback in der zweiten Jahreshälfte..."

_______________________________


Ja wer hätte das gedacht?
Für solche Einsichten bedarf es natürlich unbedingt eines Ifo-"Geschäftsklimaindex".

Die wissen immer zu allerletzt, was Sache ist...

Account gelöscht!

25.08.2014, 10:40 Uhr

Deutschland steht vor einem langfristigen und nachhaltigen wirtschaftlichen Abstieg. Die Gründe für diesen Abstieg sind in erster Linie von der Politik leichtfertig heraufbeschworen worden.

Drei wichtige Gründe, die jeder für sich schon äußerst negative Wirkungen entfalten, die in der Summe jedoch fast schon suizidal sind, sind:

1. Die Energiewende mit ihrer durch nichts zu rechtfertigenden ständigen Verteuerung der Energie legt sich wie Mehltau auf die deutsche Wirtschaft. Sie zerstört die Kaufkraft der Verbraucher und vertreibt in großem Maßstab energieintensive Arbeitsplätze ins Ausland.

2. Das grenzenlose Eingehen von Bürgschaftsverpflichtungen im Zusammenhang mit der Eurorettung und jetzt auch in Sachen Ukraine ruiniert die Solidität und Seriosität der deutschen Staatsfianzen. Die Rechnung wird gigantisch sein.

3. Die Russlandsanktionen mit ihren vielfältigen Fernwirkungen und mit dem Verlust des Vertrauens in die Liefertreue deutscher Unternehmen werden erst in den kommenden Monaten ihre ganze zerstörerische Kraft entfalten.

Selbst die an und für sich kerngesunde deutsche Wirtschaft wird diese politisch motivierten Nackenschläge nicht auf Dauer verkraften können.

Frau Pia Paff

25.08.2014, 11:09 Uhr

Nur keine Panik. Schön ruhig bleiben.
Die Witrschaft ist ein Auf u. Ab. In 4 Wochen kann schon wieder alles ganz anders aussehen!
Wie gesagt ... cool bleiben.

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