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24.11.2015

12:41 Uhr

Ifo-Index steigt

Überraschend gute Stimmung in der Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft erweist sich einmal mehr als robust. Obwohl China schwächelt und der Terror von Paris die Welt aufgeschreckt hat, steuern die Unternehmen optimistisch in die kommenden Monate.

Das Ifo Institut befragt jeden Monat 7000 Unternehmen nach ihrer aktuellen Lage und ihren Erwartungen für die kommenden sechs Monate. dpa

Ifo-Index

Das Ifo Institut befragt jeden Monat 7000 Unternehmen nach ihrer aktuellen Lage und ihren Erwartungen für die kommenden sechs Monate.

MünchenDie deutsche Wirtschaft lässt sich ihre Zuversicht nicht nehmen: Im November ist der Ifo-Geschäftsklimaindex überraschend von 108,2 im Oktober auf 109,0 Punkte gestiegen. Das teilte das Ifo Institut am Dienstag in München mit. Ihre aktuelle Geschäftslage sowie die Erwartungen für die kommenden sechs Monate bewerteten die befragten Industrie-, Handels- und Bauunternehmen besser als zuletzt. Experten hatten mit einer leichten Eintrübung gerechnet, nachdem das Konjunkturbarometer im Vormonat leicht zurückgegangen war.

„Die deutsche Wirtschaft zeigt sich von der zunehmenden weltweiten Unsicherheit unbeeindruckt. Nicht einmal die Anschläge von Paris haben sich in den Daten negativ bemerkbar gemacht“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Auch in den Antworten, die danach eingegangen seien, habe sich keine negative Tendenz gezeigt, ergänzte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe.

Das sind die Wachstumsgaranten der deutschen Exporteure

USA

Die Vereinigten Staaten sind erstmals wichtigster deutscher Absatzmarkt und verdrängen damit Frankreich nach mehr als einem halben Jahrhundert. Beflügelt vom schwachen Euro zogen die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2015 um fast 24 Prozent auf 56 Milliarden Euro an. Ein weiterer Grund für diesen Boom ist das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3,0 Prozent. Wegen geringerer Energiekosten werden zudem viele Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen, für die Maschinen und Ausrüstungen aus Deutschland importiert benötigt werden.

Indien

Lange stand das Land im Schatten des benachbarten China. Doch sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürfte Indien deutlich schneller wachsen als die Volksrepublik. Der IWF sagt jeweils ein Plus von 7,5 Prozent voraus. Vom Aufschwung in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt profitiert Deutschland bereits: Die Ausfuhren dorthin zogen im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel auf knapp fünf Milliarden Euro an.

Südafrika

Noch besser läuft es in der nach Nigeria zweitgrößten Volkswirtschaft Afrikas: Die deutschen Exporte dorthin nahmen in den ersten sechs Monaten gleich um 28 Prozent zu - auf insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Zwar ist die Konjunktur eher mau, doch der Staat investiert viel Geld in die Infrastruktur - von Energie über Wasser bis hin zu Straßen. Die deutsche Wirtschaft hat die dafür passenden Produkte im Angebot und profitiert davon ebenso wie von einer konsumfreudigen, wachsenden Mittelschicht.

Euro-Zone

Nach Jahren der Krise fasst die Währungsunion wieder Tritt. Bestes Beispiel dafür ist Spanien, das im zweiten Quartal so kräftig wuchs wie seit über acht Jahren nicht mehr. Der Appetit auf Waren "Made in Germany" nimmt entsprechend zu: Die deutschen Ausfuhren nach Spanien legten in der ersten Jahreshälfte um mehr als elf Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro zu, die in die gesamte Euro-Zone um fast fünf Prozent auf rund 220 Milliarden Euro.

Großbritannien

Das Land ist bereits der drittgrößte deutsche Exportkunde. Dennoch legten die Ausfuhren dorthin im ersten Halbjahr um starke 9,4 Prozent auf 45 Milliarden Euro zu. Auch hier sorgt der schwache Euro für einen Extra-Schub, verbilligt er doch deutsche Waren auf der Insel. Außerdem befindet sich auch Großbritannien in einem Aufschwung: In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 2,5 Prozent deutlich kräftiger wachsen als in der Euro-Zone mit 1,5 Prozent, wie der IWF erwartet.

Von der Wachstumsschwäche in Schwellenländern wie China lassen sich die Unternehmen ebenfalls wenig beeindrucken. Der weiterhin gute Handel mit Europa sowie mit den USA wirke ausgleichend, sagte Wohlrabe. Die nach wie vor gute Konsumstimmung und Investitionen zur Bewältigung des Flüchtlingszustroms kurbeln zudem die Binnennachfrage an, wie KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner erklärte: „Wenn nun noch, wovon wir ausgehen, die Erholung in Europa weiter vorangeht, und sich das zuletzt enttäuschende Wachstum in den Schwellenländern zumindest stabilisiert, sehen auch unsere Exporte und Unternehmensinvestitionen wieder besser aus.“

Auch die Stimmung in der Automobilbranche ist weiterhin gut. Der Abgas-Skandal bei Volkswagen habe „offenbar keine Spuren hinterlassen“, sagte Wohlrabe und vermutet: „Wenn die Leute keinen VW mehr kaufen, dann kaufen sie vielleicht einen Opel.“

Weniger optimistisch sind die Einzelhändler. Die aktuelle Lage wird zwar noch annähernd so gut eingeschätzt wie zuletzt, die Erwartungen für das kommende halbe Jahr gingen jedoch merklich zurück. Um das Weihnachtsgeschäft mache er sich jedoch keine Sorge, sagte Wohlrabe. Die Zahlen seien noch über dem langfristigen Durchschnitt. „Ich sehe da noch keine Trendwende, dass der Konsum sich abschwächen könnte.“

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Das Ifo Institut befragt jeden Monat 7000 Unternehmen nach ihrer aktuellen Lage und ihren Erwartungen für die kommenden sechs Monate. Im November legte der Index für die aktuelle Geschäftslage von 112,7 auf 113,4 Punkte zu, der Erwartungsindex verbesserte sich von 103,9 auf 104,7 Punkte. Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft.

Von

dpa

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