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24.01.2008

10:36 Uhr

Ifo-Index steigt unerwartet

Turbulenzen lassen Firmen noch kalt

Überraschung beim Ifo-Index: Das wichtigste deutsche Stimmungsbarometer hat seine Talfahrt trotz Finanzkrise und starkem Euro im Januar beendet. Die Firmen blicken optimistischer in die Zukunft, heißt es. Allerdings wurde eine Entwicklung in der Umfrage nicht berücksichtigt.

Der überraschende Anstieg des ifo-Geschäftsklimaindex ist auf die Situation in der Industrie und im Baugewerbe zurückzuführen. Foto: dpa Quelle: ap

Der überraschende Anstieg des ifo-Geschäftsklimaindex ist auf die Situation in der Industrie und im Baugewerbe zurückzuführen. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. Die Börsenturbulenzen lassen nach Einschätzung des Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo die deutschen Firmen noch kalt. „Es ist keine große Verunsicherung zu spüren, auch weil die Auftragsbücher weiter prall gefüllt sind, sagte Ifo-Konjunkturexperte Hans Günter Russ zu den aktuellen Geschäftsklima-Daten.

In den deutschen Unternehmen hat sich die Stimmung zu Jahresbeginn überraschend verbessert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Januar auf 103,4 Punkte nach 103,0 Zählern im Dezember. Damit bremste das wichtigste deutsche Stimmungsbarometer seine jüngste Talfahrt. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf 102,2 Zähler gerechnet.

„Insgesamt präsentiert sich die gewerbliche Wirtschaft in einer robusten Verfassung“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn zu der Umfrage unter 7000 Unternehmen.

Allerdings: Der jüngste Börsencrash weltweit spiegelt sich im Geschäftsklima nicht wider, da die Umfrage nach Ifo-Angaben zu Wochenbeginn bereits weitgehend abgeschlossen war.



Die Firmen beurteilten ihre Lage zwar schlechter als zuletzt, blickten aber wieder etwas optimistischer in die Zukunft. Der Lageindex fiel auf 107,9 von 108,1 Punkten, während der Index für die Erwartungen überraschend auf 99,0 von 98,2 Punkten stieg.

Der Dax baute nach den Ifo-Daten seine Gewinne aus. „Viel besser als erwartet“, kommentierten Händler den Index und äußerten sich überrascht darüber, dass die negativen ZEW-Vorgaben nicht nachvollzogen worden seien. „Darin spiegelt sich vor allem die Übertreibung der befragten Finanzanalysten, die mit der Realwirtschaft Ifo nichts zu tun hat.“

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Der überraschende Anstieg ist nach Angaben von Gernot Nerb, Ifo-Konjunkturexperte, vor allem „auf die Situation in der Industrie und im Baugewerbe zurückzuführen“. Der Großhandel sei unverändert geblieben. Der Einzelhandel habe weiterhin etwas enttäuscht. Der Januar-Wert könnte laut Nerb Ausdruck einer Bodenbildung beim Ifo-Index sein. „Es sieht doch so aus, dass wir einen Boden finden könnten, dass wir nicht, wie manche befürchtet haben, abstürzen“, sagte Nerb.

Volkswirte sagten zu den Daten: „Das ist eine sehr positive Überraschung, mit der ich absolut nicht gerechnet habe in einem Umfeld, in dem die US-Wirtschaft deutlich an Fahrt verloren hat und viel über Rezession geredet wird“, sagte Andreas Rees von Unicredit. Auch Andreas Scheuerle von der Dekabank sprach von einer „erstaunlichen Entwicklung“, merkte jedoch an, dass das Gros der Umfrage vor den jüngsten Rückschlägen an den Börsen stattfand.„ Deshalb bildet der ifo-Index die aktuelle Verunsicherung noch nicht ab. Eine Reaktion darauf dürften wir erst im kommenden Monat sehen.“

Davon geht auch Stefan Schilbe von HSBC Trinkhaus aus. „ Die deutlichen Abwärtstendenzen an den Aktienmärkten sind noch nicht berücksichtigt. Ich gehe aber davon aus, dass diese Turbulenzen noch auf die Stimmung durchschlagen werden. Die USA stehen an der Schwelle zur Rezession, in Deutschland wird sich das Wachstum dieses Jahr kräftig abschwächen.“

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