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18.12.2013

10:38 Uhr

Ifo-Index

Stimmung in der Wirtschaft leicht verbessert

Die deutsche Wirtschaft geht mit Zuversicht ins neue Jahr. Im Dezember stieg der Ifo-Geschäftsklimaindex leicht an. Ifo-Chef Hans-Werner Sinn erwartet einen „reich gedeckten Gabentisch“.

Konjunkturausblick

Ifo-Chef Sinn: „Unternehmen schauen positiv in die Zukunft“

Konjunkturausblick: Ifo-Chef Sinn: „Unternehmen schauen positiv in die Zukunft“

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München/BerlinDie Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Dezember leicht verbessert. Nach einem kräftigen Anstieg im Vormonat stieg der Ifo-Geschäftsklimaindex von 109,3 Punkten auf 109,5 Punkte, wie das Ifo Institut am Mittwoch in München mitteilte.

Von Reuters befragte Ökonomen hatten dies erwartet. Die rund 7.000 befragten Manager schätzen ihre Geschäftslage etwas ungünstiger ein, beurteilten die Aussichten für die kommenden sechs Monaten aber erneut besser als zuletzt. „Es wird ein reich gedeckter Gabentisch erwartet“, sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

Als Zugpferd für den Aufschwung in Deutschland gilt derzeit die Industrie. Die Betriebe beurteilten ihre Situation zwar nicht mehr ganz so gut wie noch im November. Aber ihre Erwartungen an das künftige Geschäft sind laut Ifo so gut wie seit Frühjahr 2011 nicht mehr. „Wir sehen vor allem bei der Nachfrage nach Investitionsgütern einen deutlichen Aufschwung“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe zu Reuters. „Die Konjunktur ist in gutem Fahrwasser, wird aber erst 2014 an Schwung gewinnen.“

Analysten bewerteten den Anstieg in ersten Reaktionen positiv. „Die Zahlen sind gemischt, dennoch untermauern sie die bisherigen Indikationen einer Wachstumsbeschleunigung in Deutschland. Vor allem der Anstieg der Erwartungskomponente ist erfreulich, nachdem zuletzt auch die realen Daten der Produktion nicht überzeugt hatten“, sagte Ralf Umlauf von der Helaba. „Zwar werden auch die europäischen Nachbarstaaten von einer höheren konjunkturellen Dynamik in Deutschland profitieren, bezüglich der EZB ergibt sich daraus bis auf Weiteres aber kein Druck, von der expansiven Ausrichtung abzuweichen.“

Deutschlands Exportüberschüsse

Seit wann erzielt Deutschland Exportüberschüsse?

Seit 1952. Nur in den ersten Nachkriegsjahren wurde mehr importiert als exportiert. 1950 gab es ein Handelsdefizit von umgerechnet 1,54 Milliarden Euro, das aber schon 1951 auf 76 Millionen Euro schrumpfte. Seither gibt es Überschüsse.

Mit welchen Ländern erzielt Deutschland Überschüsse?

Mit den meisten. Den größten Überschuss erzielt Deutschland im Handel mit Frankreich. Dorthin wurden im vergangenen Jahr Waren im Wert von 39,7 Milliarden Euro mehr exportiert als von dort eingeführt. Auf Rang zwei folgen die USA mit (36,3 Milliarden Euro) und Großbritannien (28,6 Milliarden Euro). Das größte Defizit macht Deutschland im Handel mit dem ölreichen Norwegen (-17,7 Milliarden Euro), gefolgt von den Niederlanden (-15,6 Milliarden) und China (-10,7 Milliarden.)

Wie hoch ist der deutsche Leistungsbilanzüberschuss?

In den ersten acht Monaten 2013 wurden Waren im Wert von 726 Milliarden Euro ausgeführt, aber nur im Wert von 599 Milliarden Euro importiert. Das ergibt einen Exportüberschuss von 127 Milliarden Euro. In die Leistungsbilanz fließen zudem der Austausch von Dienstleistungen mit dem Ausland ein, aber beispielsweise auch Entwicklungshilfe und Vermögenseinkommen. Von Januar bis August summierte sich der Leitungsbilanzüberschuss damit auf rund 115 Milliarden Euro.

Welche Länder haben einen höheren Exportüberschuss?

Derzeit kein anderes, nicht einmal Exportweltmeister China. 2012 lag der deutsche Überschuss mit umgerechnet 238 Milliarden US-Dollar sowohl über dem von China (193 Mrd) als auch dem des ölreichen Saudi-Arabien (165 Mrd). Mit der Erholung der Weltkonjunktur dürfte sich der deutsche Leistungsbilanzüberschuss in diesem Jahr auf die 200-Milliarden-Euro-Marke zubewegen, prognostiziert das Münchner Ifo-Institut. Das wäre ein Rekord.

Warum werden die Überschüsse kritisiert?

Die USA, aber auch der Internationale Währungsfonds zählen sie zu den großen Ungleichgewichten in der Weltwirtschaft, die für die globale Finanz- und die Schuldenkrise in Europa mitverantwortlich sind. Denn Ländern mit Exportüberschüssen stehen welche mit Defiziten gegenüber, die ihre Importe über Schulden finanzieren müssen. Die EU-Kommission stuft einen Leistungsbilanzüberschuss von mehr als sechs Prozent der Wirtschaftsleistung als stabilitätsgefährdend ein. Bei einer längeren Fehlentwicklung droht sie deshalb mit einem Mahnverfahren, an dessen Ende ein Bußgeld stehen könnte. Im ersten Halbjahr lag der deutsche Überschuss bei 7,2 Prozent.

Was kann dagegen getan werden?

Der IWF und die Industriestaaten-Organisation OECD fordern seit längerem von Deutschland, mehr für die Binnennachfrage zu tun, um die Unwucht zu beheben. Höhere Importe schmelzen nicht nur den deutschen Überschuss, sondern erhöhen die Exporte anderer Länder – die damit ihre Defizite verringern können. Ein Schlüssel dazu können stärkere Lohnerhöhungen sein. „Das stimuliert die Binnennachfrage, wodurch mehr importiert und der Außenhandel wieder mehr ins Gleichgewicht gebracht wird“, sagt der Direktor des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts, Gustav Horn. Steigen die Löhne hierzulande, werden deutsche Produkte teurer – womit die preisliche Wettbewerbsfähigkeit etwa der Euro-Länder steigen würde und dort den Export ankurbeln könnte.

Was sagt die Wirtschaft?

Sie argumentiert ganz anders. Der deutsche Erfolg helfe den Krisenländern. Ihr Argument: Deutsche Exporte bestehen zu rund 40 Prozent aus zuvor importieren Vorprodukten, sagt etwa der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Somit profitiere auch das Ausland. Zudem steigen die deutschen Importe wegen des anziehenden Konsums bereits: Die führenden Wirtschaftsinstitute erwarten sowohl für dieses als auch das kommende Jahr ein höheres Importtempo.

Wird Deutschland immer Überschüsse erzielen?

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) bezweifelt das. Ab 2028 erwartet es keine Exportüberschüsse mehr in Deutschland. Wenige Jahre später sollen Leistungsbilanzdefizite folgen. „Die Ursache dieser Entwicklung ist der demografische Wandel, die Schrumpfung und Alterung der deutschen Bevölkerung“, heißt es in der Studie. Weil es in wenigen Jahren schon weniger Erwerbstätige geben werde, könne auch weniger exportiert werden. Gleichzeitig müsse der Konsum der Älteren durch höhere Importe gedeckt werden.

Andreas Scheuerle von der Dekabank spricht von einem „gemächlichen Weihnachtsspaziergang statt einem Jahresendspurt“: „Erwartungsgemäß gab es eine Verbesserung der Stimmung in der Industrie, die nach guten globalen Konjunkturdaten auf bessere Exportgeschäfte hofft. Dagegen scheint das Weihnachtsgeschäft hinter den Erwartungen des Einzelhandels zurückgeblieben zu sein, denn dessen Stimmung trübte sich ein. Insgesamt aber deutet das Ifo-Geschäftsklima auf eine Fortsetzung des Aufschwungs hin, der den Geschäftserwartungen zufolge im kommenden Jahr zusätzliche Fahrt aufnehmen sollte.“

Die marginale Verschlechterung der aktuellen Geschäftslage lässt sich aus der Sicht von KfW-Analyst Jörg Zeuner verschmerzen. „Die deutsche Wirtschaft schaut sehr zuversichtlich ins neue Jahr. Internationale und europäische Risiken verlieren an Gewicht, Chancen auf wieder bessere Exportgeschäfte tun sich auf“, sagt Zeuner. „Wir gehen weiter davon aus, dass Deutschland 2014 um zwei Prozent wachsen wird und dann auch wieder spürbar mehr investiert wird.“

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