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24.04.2014

10:46 Uhr

Ifo-Index

Stimmung in der Wirtschaft steigt überraschend

Der Ukraine-Krise zum Trotz hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft verbessert. Nach einem Rückgang im März legte der Ifo-Geschäftsklimaindex im April wieder zu. Eine Trendwende ist das jedoch noch nicht.

Frühling in Deutschland (hier: Berlin): Trotz Ukraine-Krise ist die Stimmung in der Wirtschaft gut. dpa

Frühling in Deutschland (hier: Berlin): Trotz Ukraine-Krise ist die Stimmung in der Wirtschaft gut.

DüsseldorfDie deutsche Wirtschaft lässt sich von der anhaltenden Krise in der Ukraine nicht verunsichern. Die Stimmung der deutschen Unternehmen verbesserte sich trotz der wachsenden Spannungen mit Russland überraschend wieder. Nach einem Rückgang im März stieg der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts von 110,7 auf 111,2 Punkte.

Fachleute hatten eigentlich mit einem weiteren Dämpfer für die insgesamt ohnehin gute Stimmung gerechnet. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen erwarteten 110,5 Zähler. So waren zuletzt auch die Konjunkturerwartungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) leicht gefallen.

„Die Unternehmen schauen zudem wieder zuversichtlicher auf die weitere Geschäftsentwicklung. Trotz der Krise in der Ukraine setzt sich die positive Grundstimmung durch“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Donnerstag in München.

Dax legt nach Ifo-Zahlen zu

Der Ifo-Index hält sich bereits seit März 2010 über der Marke von 100 Punkten. Vor dem Minus im vergangenen Monat hatte es den letzten kleinen Rückgang im Oktober 2013 gegeben. Allerdings sprechen Volkswirte erst nach drei Änderungen in Folge von einer möglichen Trendwende. Der Ifo-Index wird monatlich durch die Befragung von rund 7000 Unternehmen ermittelt.

Unter anderem getragen vom aktuellen Ifo-Index legte auch der Dax zu. Am Morgen notierte der Leitindex 0,8 Prozent im Plus bei 9620 Punkten.

„Deutschland befindet sich im Aufschwung“, ergänzte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. „Die Auftragsbücher sind voll, der Export funktioniert.“ Die Krise zwischen Russland und dem Westen wirke sich im Moment zwar nicht auf die deutsche Wirtschaft aus, sei aber „ein Faktor im Hintergrund“. DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle äußerte sich positiv, dass der Konflikt, die Zuversicht der Unternehmen nicht belaste. „Für den Fortgang des Aufschwungs ist das ganz wesentlich, denn verunsicherte Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück.“

Konjunkturaussichten für die Euro-Länder

Spanien

Spanien könnte 2014 wieder um ein Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit soll jedoch mit 25,7 Prozent hoch bleiben. Das Haushaltsdefizit wird auf 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Frankreich

Frankreichs Wachstum dürfte 2014 mit 1,0 Prozent unter dem Durchschnitt der Euro-Zone bleiben. Die Arbeitslosigkeit soll auf elf Prozent steigen.

Griechenland

Die griechische Wirtschaft soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder um 0,6 Prozent wachsen. Trotz der erwarteten Besserung dürfte die Arbeitslosigkeit mit 26 Prozent vergleichsweise hoch bleiben. Bei der Verschuldung werden 177 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet.

Italien

Italiens Wirtschaft soll 2014 um 0,6 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit dürfte hingegen auf einen Rekord von 12,6 Prozent klettern. Der Schuldenstand bleibt hartnäckig hoch: 2015 soll er mit 132,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leicht unter dem diesjährigen Niveau liegen.

Zypern

Um 4,8 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt einbrechen. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf den Rekordwert von 19,2 Prozent steigen.

Portugal

Für Portugal erwartet die EU-Kommission 2014 ein Wachstum von 0,8 Prozent. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 16,5 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen. Der Schuldenstand dürfte nach dem Rekordwert von 129,4 Prozent im vorigen Jahr bis 2015 wieder auf 125,8 Prozent zurückgehen.

Irland

Irlands Wirtschaft dürfte 2014 mit 1,8 Prozent deutlich stärker wachsen als der gesamte Währungsraum. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,2 Prozent fallen, nachdem sie 2013 noch bei 13,1 Prozent lag. Das Defizit soll 2015 auf 4,3 Prozent sinken.

Quelle

EU-Kommission

In der Industrie ist die Stimmung so gut wie seit Juli 2011 nicht mehr. Die Betriebe schätzen ihre Perspektiven deutlich optimistischer ein. „Die Exportaussichten bleiben weiterhin gut“, erklärte das Ifo-Institut. Am Bau hellte sich die Stimmung leicht auf, im Großhandel sogar deutlich. Im Einzelhandel sank das Barometer zwar leicht, bleibt nach Ifo-Angaben aber auf hohem Niveau.

Jörg Zeuner von der KfW kommentierte: „Der gestiegene Ifo-Index ist eine freudige Überraschung“. Als Risikofaktoren blieben allerdings die nach wie vor mageren Aussichten für Europa bei demnächst möglicherweise fallenden Preisen. „Das könnte die EZB zu Recht zum Handeln veranlassen“, so Zeuner mit Blick auf die Europäische Zentralbank.

Kommentare (8)

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24.04.2014, 10:47 Uhr

Meine Rede !

Deutschland ist das Paradies auf Erden - natürlich nur für die, die auch etwas leisten wollen. Hier lässt es sich richtig geil Kohle scheffeln und das Vermögen auf einen neuen Level hieven, vor allem dank EU und der eierlegenden Wollmilchsau Euro. Beides sind ein Segen, und der Euro ist Wohlstandsbringer und ökonomische Goldgrube zugleich. Uns geht es als hochqualifizierte Leistungsträger trotz 6-stelligen Beträgen im Jahr ans FA so gut wie noch nie.

Ich habe jeden Tag pure Freude am Leben, wenn ich in meinen V6, V8 oder V12 steige und ins Büro oder zu meiner schönen jungen Muse fahre. So einfach ist das. Over and out !

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24.04.2014, 10:49 Uhr

"Eine Trendwende ist das jedoch noch nicht"

Eine Trendwende? Wohin, nach oben oder unten? Wir hatten nun viele IFO-Anstiege in Folge und eine einzelne Abschwächung im letzten Monat. Der Trend zeigt folglich nach Oben. Inwiefern soll nun ein weiterer Anstieg einen Trend wenden?

Es ist auffallend, dass hier stets ein warnender, abwiegelnder Unterton angeschlagen wird. Soll dies Kompetenz vorspiegeln oder Platz füllen? Wie ist es eigentlich um die fachliche Ausbildung der hier schreibenden Journalisten bestellt?

"Allerdings sprechen Volkswirte erst nach drei Änderungen in Folge von einer möglichen Trendwende."

Und wann wird aus einer _möglichen_ Trendwender eine echte Trendwende?

Account gelöscht!

24.04.2014, 10:56 Uhr

Man hat also genau den Stand, den man auch im Februar hatte, meint, dass die Ukraine & Russland keine grosse Bedeutung mehr haben werden.
China blendet man überraschend aus.
Da kommen ja wirklich weniger gute Daten her-

Interessant ist, dass die 0,5% Punkte Zuwachs (ist das viel, man vergleiche mal die Werte nach der lehman-Krise, die auf 115 hochgingen) allein auf dem Teilindex "Dienstleistung" beruht.

In der Dienstleistumg ist das Ausbeuterpotential besonders hoch.

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