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24.08.2011

09:54 Uhr

Ifo-Index

Wichtiges Konjunkturbarometer fällt deutlich

Der deutschen Wirtschaft steht eine schwache zweite Jahreshälfte bevor. Der Ifo-Index fiel im August stärker als von Analysten erwartet.

Frauen beim Einkaufsbummel in Hamburg. dpa

Frauen beim Einkaufsbummel in Hamburg.

MünchenDie deutschen Firmenchefs rechnen mit einer merklichen Konjunkturabkühlung. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im August auf 108,7 von 112,9 Punkten im Vormonat, teilte das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch mit. Von Reuters befragte Experten hatten lediglich einen Rückgang auf 111,0 Zähler erwartet . „Die deutsche Wirtschaft kann sich den weltweiten Turbulenzen nicht entziehen“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Die 7000 befragten Manager schätzten sowohl die Aussichten für die kommenden sechs Monate als auch die Geschäftslage schlechter ein als im Vormonat. Das Barometer für die Konjunkturerwartungen fiel auf 100,1 Punkte von 105,0 Punkten im Vormonat. Hier hatten Analysten einen Wert von 103,0 Zählern vorausgesagt. Der Lage-Index ging auf 118,1 Punkte von 121,4 zurück. Hier wurden 120,0 Punkte vorhergesagt.

Konjunkturindikatoren

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Geldmenge (M1)

Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

 

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklimaindex

Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

 

Damit mehren sich die Anzeichen für ein schwaches zweites Halbjahr. Am Dienstag waren bereits die ZEW-Konjunkturerwartungen von Börsenprofis auf den tiefsten Stand seit Dezember 2008 abgerutscht. Das Bruttoinlandsprodukt hatte im zweiten Quartal nur noch um 0,1 Prozent zugelegt, nachdem es zu Jahresbeginn noch starke 1,3 Prozent waren.

Ökonomen zeigten sich überrascht von der Schärfe des Rückgangs. „Die Daten sind bemerkenswert schlecht. Ich hatte mit einem Rückgang gerechnet, doch das Ausmaß ist überraschend," sagte Gerd Hassel von der BHF Bank. "Wir erwarten ein schwaches Wachstum im weiteren Verlauf des Jahres. Die deutliche Abschwächung in der deutschen Wirtschaft ist zyklisch bedingt, wir hatten sehr starke Anstiege. Jetzt kommen verstärkte Unsicherheiten hinzu, die von den Finanzmärkten herrühren. Wir erwarten keine Rezession für Deutschland, für die Euro-Zone ist eine technische Rezession aber schon eher möglich: Die Chancen stehen fifty-fifty.“

Ähnlich überrascht von der Schärfe des Rückgangs zeigte sich Jens-Oliver Niklasch von der LBBW: „ Der Rückgang von 112,9 auf 108,7 war zwar erst der zweite Rückgang in Folge, dafür fiel er umso heftiger aus. Damit hat sich bestätigt, was zuvor schon der Fall des ZEW-Indikators und der Einkaufsmanagerindizes für Deutschland signalisiert hatten: Die Konjunktur wird sich im zweiten Halbjahr hierzulande deutlich verlangsamen.“

Jörg Lüschow von der West LB wertete den Rückgang als Signal für eine deutliche Verlangsamung des Wachstums. Bei den Erwartungen sei mit einem weiteren Rückgang zu rechnen. Noch sorge allerdings das solide Auftragspolster der Unternehmen für gute Stimmung. "Die Ifo-Daten sind jetzt eher ein Alarmsignal für 2012, dass sich der Superaufschwung dem Ende nähert. Ein Stück weit ist das eine Normalisierung nach einer Phase
außergewöhnlich hohen Wachstums,“ sagte Lüschow.

Kommentare (13)

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Pendler

24.08.2011, 11:00 Uhr

Kein wunder, dass die Konjunktur sich abkühlt

wer hat noch Bock auf Leistung, wenn Herr schäuble sich in Hochverrat übt und versucht,

#### 780 Milliarden #### am Dt. Bundestag vorbei zu transferieren

Hingucker

24.08.2011, 11:31 Uhr

Dem kann ich nur zustimmen!!!

no.7

24.08.2011, 11:55 Uhr

Zitat Merkel von vor 3 tagen:
"Ich sehe keinerlei anzeichen einer Rezession in Deutschland"
Wachstum deutschland 2.quartal => 0,1%
Trend: laut allen Indikatoren deutlich negativ.
Jedes schulkind kann sich denken, daß wir schon dieses quartal deutlich im Minus landen, im vierten quartal geht es weiter runter.
2 aufeinanderfolgende quartale mit minuswchstum sind laut Definition eine rezession.
Um jeden Preis aber wollen die Propagandisten dies nun verleugnen, schäuble, bundesbank, hüther usw.
dabei kommt es nächstes Jahr erst richtig dicke. Die deutsche Hochjubelkonjunktur wird einbrechen, das Exportmodell wird versagen.

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