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21.10.2011

10:46 Uhr

Ifo-Index wieder schlechter

„Die Verunsicherung der Firmen wird immer größer“

Die Schuldenkrise in Europa und die nachlassende Weltkonjunktur haben die Stimmung der deutschen Firmenchefs im Oktober den vierten Monat in Folge gedrückt. Experten hoffen nun auf eine schnelle Lösung der Euro-Krise.

Containerterminal im Hamburger Hafen. dpa

Containerterminal im Hamburger Hafen.

München/BerlinDer Ifo-Geschäftsklimaindex fiel auf 106,4 von 107,4 Punkten im Vormonat, teilte das Münchner Ifo-Institut am Freitag mit. Analysten hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf 106,3 Zähler gerechnet . „Angesichts der internationalen Turbulenzen schlägt sich die deutsche Wirtschaft damit vergleichsweise gut“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Die 7000 befragten Manager schätzten sowohl die Aussichten für die kommenden sechs Monate als auch die aktuelle Lage schlechter ein. Das Barometer für die Konjunkturerwartungen fiel wie erwartet auf 97,0 von 97,9 Punkten. Der Lage-Index sank auf 116,7 von 117,9 Zählern, während Analysten 116,8 Punkte vorausgesagt hatten. Der Ifo-Index ist das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, das die Entwicklung der kommenden Monate zuverlässig vorhersagt.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass Wirtschaftsleistung am Jahresende stagniert. Eine Rezession befürchtet sie aber nicht. Für 2012 sagt sie ein Wachstum von 1,0 Prozent voraus, für das zu Ende gehende Jahr werden 2,9 Prozent prognostiziert.

Analysten warnen jedoch davor, darauf zu vertrauen, dass Deutschland dauerhaft von Krisen-Unsicherheiten verschont bleibt. Die deutsche Wirtschaft halte sich bei diesem schwierigen internationalen Umfeld zwar "noch relativ gut", sagt Arnd Schäfer von der WestLB.. Doch die Schuldenkrise laufe auf einen Höhepunkt zu. "Das beste Konjunkturprogramm für die deutsche Wirtschaft wäre ein Durchbruch bei der Lösung der Schuldenkrise", sagte der Ökonom. Aber auch der lasse am Wochenende auf sich warten. "Die Verunsicherung der Unternehmen wird in diesem Schwebezustand immer größer.“

Die anhaltende Unsicherheit über den Ausgang der Schuldenkrise belaste die Stimmung, konstatiert auch Jörg Zeuner, Chefökonom der VP Bank Gruppe. "Aber auch ohne Eskalation der Situation hat die Gefahr einer erneuten Rezession merklich zugenommen." Die Unsicherheit der Konsumenten und Unternehmen belaste die wichtigsten inländischen Wachstumskomponenten, die schwache Konjunktur verringere 2012 den Außenhandelsüberschuss Deutschlands. "Darüber hinaus klemmt in der Euro-Zone die Kreditvergabe", gibt Zeuner zu bedenken. Aktuell präsentiere sich die Lage in Deutschland zwar positiv. "Doch allmählich wird es angesichts der globalen Wachstumsverlangsamung auch für die Kernländer ungemütlich."

Die deutsche Wirtschaft steuert nach Einschätzung von Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, sogar auf eine Rezession zu. Dies signalisiere der vierte Rückgang des Ifo-Index in Folge, erläutert der Ökonom. Schmieding betont aber, dass der Abschwung „hausgemacht“ sei. Er führt die Entwicklung auf die Schuldenkrise zurück, nachdem Deutschland im Sommer auf eine Umschuldung in Griechenland bestanden habe, ohne zugleich Italien abzuschirmen.

Ralph Solveen von der Commerzbank weist ebenfalls darauf hin, dass eine merkliche Abschwächung der Konjunktur nicht mehr geleugnet werden könne. Sie verlaufe aber in einem mehr oder weniger geregelten Tempo. "Dies ist also kein Einbruch", sagt der Ökonom. "Es sieht so aus, als käme es nicht zu einer Rezession. Wir sehen für das Winterhalbjahr allerdings nur sehr geringe Wachstumsraten.“

Konjunkturindikatoren

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Geldmenge (M1)

Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

 

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklimaindex

Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

 

Kommentare (10)

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hintern

21.10.2011, 10:18 Uhr

schon 3bei der erhebung ist doch der manipulation tür und tor geöffnet.

I F O
information
für ochsen

Account gelöscht!

21.10.2011, 11:03 Uhr

Die Analysten - immer wieder diese Theoretiker - die doch immer wieder falsch liegen. Wirtschaft schwaecht sich ab? Ja...auf dem Papier! Derzeit faehrt die Wirtschaft mit voller Kraft 100%. Wenn es dann 2012 dann nur noch um 1.5% nach oben geht sind das schon 1,5 % zu viel. Die Industrie kann heute kaum noch die erforderlichen Fachlraefte finden. Eine Abkuehlung tut ganz gut, das ist wie nach einer Sommerhitze, besser eine leichte Abkuehlung als ein Gewitter mit Blitz und Hagelschlag.

We-are-99-Prozent

21.10.2011, 11:24 Uhr

Kein Wunder, dass man beiu diesem Affentanz der Bankster udn Politiker als Unternehmer verunsichert ist.

Das Netzwerk der globalen Konzernkontrolle
Freitag, 21. Oktober 2011 , von Freeman um 00:05

Was wir schon lange wissen, hat jetzt eine wissenschaftliche Studie der Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH) bestätigt. Eine kleine Gruppe von Konzernen kontrolliert die Welt. Die Verbindungen zwischen 43'000 global agierenden Firmen wurde untersucht und dabei kam zu Tage, wenige Konzerne, die hauptsächlich aus Banken bestehen, haben die grösste Macht über die Weltwirtschaft und damit über alle Staaten und unser Leben.

Es geht doch nur darum, unsere Unternehmen so weit zu ruinieren, bis die Heuschrecken es übernehmen können:

1 Prozent der Firmen kontrolliert 40 Prozent des ganzes Netzwerkes. Die meisten sind Finanzinstitute und die Top-20 beinhaltet die üblichen Verdächtigen, wie Barclays Bank, JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Deutsche Bank und UBS.





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