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03.09.2015

15:46 Uhr

Ifo-Prognose

Ostdeutschland bleibt in nächsten 25 Jahren zurück

Trotz Solidarpakt, Steuertransfers und Solidaritätszuschlag: Der Aufbau Ost gerät ins Stocken – und zwar seit 20 Jahren. Das hat Folgen: Auch die kommenden Jahre dürften die Lücke zwischen Ost und West nicht schließen.

„Die Konvergenz zwischen Ost- und Westdeutschland im Sinne der Wirtschaftsleistung ist bereits vor zwanzig Jahren zum Stillstand gekommen“, sagt der Dresdner Ifo-Leiter Joachim Ragnitz. dpa

Aufschwung Ost

„Die Konvergenz zwischen Ost- und Westdeutschland im Sinne der Wirtschaftsleistung ist bereits vor zwanzig Jahren zum Stillstand gekommen“, sagt der Dresdner Ifo-Leiter Joachim Ragnitz.

BerlinDie Wirtschaftskraft der ostdeutschen Länder wird nach Prognose des Ifo-Instituts auch im kommenden Vierteljahrhundert hinter der des Westens zurückbleiben. „Alles spricht dafür, dass Ostdeutschland in den nächsten 25 Jahren nicht aufholen kann“, sagte der stellvertretende Leiter der Ifo-Niederlassung Dresden, Joachim Ragnitz, am Donnerstag bei einem Vortrag in Tutzing. „Die Konvergenz zwischen Ost- und Westdeutschland im Sinne der Wirtschaftsleistung ist bereits vor zwanzig Jahren zum Stillstand gekommen.“ Das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner verharre seit 1995 bei 75 Prozent des westdeutschen Durchschnitts. „Wir sollten von der ohnehin illusorischen Vorstellung einer Angleichung der Lebensverhältnisse Abstand nehmen“, sagte Ragnitz.

Diese Äußerung stieß bei der Ostbeauftragen der Bundesregierung, Iris Gleicke, auf Kritik. „Denn daraus könnte man locker ableiten, dass die weitere Fortsetzung einer intensiven Ostförderung sowieso zum Fenster rausgeschmissenes Geld ist“, sagte die SPD-Politikerin. Sie forderte einen fairen Bund-Länder-Finanzausgleich. Nach dem Ende des Solidarpaktes, der noch bis 2019 läuft, bedürfe es zudem einer vernünftigen Förderung der strukturschwachen Regionen in Ost- und Westdeutschland. Von 2005 bis 2019 erhalten die ostdeutschen Länder und Berlin durch den Solidarpakt 156 Milliarden Euro.

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Die anhaltenden Unterschiede haben dem Ifo-Experten zufolge kurzfristig kaum zu behebende strukturelle Ursachen, etwa das Fehlen hochproduktiver Großunternehmen in Ostdeutschland. Dafür ist früheren Ifo-Analysen zufolge vor allem die Politik der schnellen Lohnangleichung verantwortlich. „Heute dämpfen Schrumpfung und Alterung der Bevölkerung die wirtschaftliche Dynamik“, sagte Ragnitz. „Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich in den ostdeutschen Ländern eine ganze Reihe von erfolgreichen Unternehmen etabliert haben und dass einzelne Wachstumspole wie Dresden, Leipzig, Jena, Berliner Umland durchaus positive Perspektiven aufweisen.“

Werde der Lebensstandard im Sinne der Nettoeinkommen je Kopf miteinander verglichen, falle der Abstand zwischen Ost und West geringer aus. Grund hierfür sei die Umverteilung über das Steuer- und Transfersystem, von dem Ostdeutschland überproportional profitiere.

Fünf Gründe für Deutschlands Aufschwung

Starker Konsum

Weil Sparen sich wegen der Mini-Zinsen nicht lohnt, tragen die Verbraucher ihr Geld in die Geschäfte oder reisen viel. Löhne und Gehälter steigen zudem weiter kräftig.

Billiges Öl

Der Rückgang der Rohölpreise um nahezu die Hälfte seit dem Sommer 2014 entlastet Unternehmen und Verbraucher. Dies wirkt wie ein kostenloses Konjunkturprogramm.

Schwacher Euro

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Boom in den USA

Die US-Wirtschaft brummt – und die Amerikaner schätzen Waren „made in Germany“, gerade Luxusautos und Maschinen.

Job-Motor

Auf dem Arbeitsmarkt jagt ein Beschäftigungsrekord den nächsten. Bald dürften über 43 Millionen Deutsche erwerbstätig sein – das gibt Sicherheit und stützt den Aufschwung.

Von

rtr

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