Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.01.2013

14:56 Uhr

Ifo treibt Dax auf Fünfjahreshoch

Deutsche Wirtschaft wirft Wachstumssorgen ab

In Deutschland startet die Wirtschaft bereits wieder durch, die Manager gehen ausgesprochen positiv in das neue Jahr. Allerdings drohen aus Frankreich und Großbritannien Gefahren für die Exportwirtschaft.

Ein VW-Passat und ein Golf Cabrio im Autoturm der Volkswagen Autostadt. dpa

Ein VW-Passat und ein Golf Cabrio im Autoturm der Volkswagen Autostadt.

Die deutsche Wirtschaft startet kraftvoll ins Jahr und schiebt Rezessionsängste beiseite. Die Stimmung in den Chefetagen ist im Januar schon wieder so gut wie zuletzt Mitte 2012, die Schwächephase von Ende vorigen Jahres fast wieder vergessen. Der Ifo-Geschäftsklima-Index kletterte überraschend deutlich um 1,8 auf 104,2 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Freitag mitteilte. Die Aktienmärkte reagierte ausgesprochen positiv: Der DAX erreichte ein Fünfjahreshoch, der Euro verteuerte sich.

Damit stieg das wichtigste Barometer für die deutsche Konjunktur zum dritten Mal in Folge und signalisiert einer Faustregel zufolge eine Wende zum Besseren. "Die deutsche Wirtschaft startet hoffnungsvoll ins neue Jahr", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Die neuen Wachstumsmärkte der deutschen Exporteure

Malaysia

Fast fünf Prozent Wachstum jährlich werden dem aufstrebenden Land bis 2025 vorausgesagt. Im gleichen Zeitraum könnte sich das Bruttoinlandsprodukt verdoppeln. Ein Grund dafür ist die wachsende Wettbewerbsfähigkeit. Im internationalen Standort-Vergleich des World Economic Forum belegt Malaysia Platz 25, knapp hinter Deutschlands wichtigstem Handelspartner Frankreich (21), aber noch vor China (29) und Italien (42). "Malaysia ist eine der offensten Volkswirtschaften der Welt", lobt das Prognos-Institut.

Indonesien

Das muslimisch geprägte Land lockt mit einem riesigen Binnenmarkt: Indonesien ist gemessen an der Bevölkerung die Nummer vier der Welt. 240 Millionen Einwohner leben hier. Bis 2060 wird Indonesien zur sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt aufrücken und Deutschland überholen, sagt die Industriestaaten-Organisation OECD voraus. "Das rohstoff- und bevölkerungsreiche Land wird 2012 und 2013 um mehr als sechs Prozent wachsen", prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Die Wirtschaft des Inselreichs profitiert von niedrigen Zinsen und einer niedrigen Inflation."

Kolumbien

Reiche Rohstoffvorkommen von Kohle über Öl und Gold bis zu Seltenen Erden, die Öffnung der Volkswirtschaft und nicht zuletzt eine deutlich verbesserte Sicherheitslage durch die Friedensgespräche mit den marxistischen FARC-Rebellen lassen auch hier ein jährliches Wirtschaftswachstum um die fünf Prozent erwarten. Für die Weltbank zählt Kolumbien zur Spitzengruppe in den lateinamerikanischen Staaten, wenn es um den Schutz geistigen Eigentums und Regulierung geht. "Das Land wird damit für ausländische Investoren interessanter", so der DIHK. Zusätzliche Impulse kommen von dem in Kraft getretenen Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union. Der DIHK hält deshalb sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten Steigerungsraten von mehr als 20 Prozent für möglich.

Peru

Noch mehr Wachstum wird Peru vorausgesagt: Sechs Prozent kann die Wirtschaftsleistung dort pro Jahr zulegen. Auch Peru hat ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet und verfügt über viele Rohstoffe. Der DIHK hält deshalb ein Ausweitung des Handels um mehr als 20 Prozent für möglich. Besonders gefragt sein dürften Fahrzeuge. Dieser Markt lockt dem Prognos-Institut zufolge mit jährlichen Steigerungsraten von sieben Prozent.

Tunesien

Das World Economic Forum hält Tunesien, wo der arabische Frühling begann, für das wettbewerbsfähigste Land Afrikas. "Zu den größten Pluspunkten gehören die geografische Nähe zu Europa, eine belastbare Infrastruktur sowie die günstigen Lohnkosten", betont das Prognos-Institut. "Das Bildungssystem ist im regionalen Vergleich gut ausgebaut. Zudem haben zahlreiche Tunesier im Ausland studiert."

Vietnam

Schon jetzt zählt das asiatische Land mehr Einwohner als Deutschland, 2025 sollen es fast 100 Millionen sein. "Die konsumfreudige und zunehmend kaufkräftige Bevölkerung verspricht ein gewaltiges Absatzpotenzial: In kaum einem anderen Land Asiens wächst die Mittelschicht schneller als in Vietnam", so das Prognos-Institut. Mehr als sechs Prozent jährlich soll das Bruttoinlandsprodukt zulegen. Vietnam verfügt über unzählige billige Arbeitskräfte. Viele Unternehmen haben ihre Produktion deshalb schon aus dem teurer werdenden China in das Nachbarland verlagert.

Damit mehren sich die Hinweise, dass die Wirtschaft zu Jahresbeginn wieder wächst. Im vierten Quartal 2012 war sie mit 0,5 Prozent erstmals seit einem Jahr geschrumpft - und so stark eingebrochen wie seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Anfang 2009 nicht mehr. Die Münchener Forscher erwarten für das laufende Quartal 0,2 Prozent Wachstum. "Damit ist keine Rezession absehbar", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe.

Hauptgrund für die bessere Stimmung der 7000 befragten Top-Manager sind steigende Erwartungen an das künftige Geschäft. Deutlich bergauf geht es in der Industrie, die zuletzt eine schwächere Auslandsnachfrage spürte. "Der Optimismus kehrt zurück", sagte Sinn. Die Firmen würden ihre Maschinen und Geräte nach drei Rückgängen in Folge wieder stärker auslasten.

Auch bei den Dienstleistern und in der Baubranche ging es bergauf. Im Groß- und Einzelhandel hatten dagegen Pessimisten Zulauf. Unterm Strich kletterte das Barometer für die Erwartungen das vierte Mal in Folge und stärker als erwartet - um 2,5 auf 100,5 Punkte. Ihre Lage schätzten die Betriebe ebenfalls besser ein, dieser Index stieg um 0,9 auf 108,0 Zähler.

Die Firmen richten ihren Blick nun nach vorn. "Die Unternehmen haben 2012 abgehakt", sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. "Die Weltwirtschaft erholt sich, die Planungsunsicherheit lässt nach." Zugleich steige der Konsum dank guter Beschäftigung und höherer Reallöhne.

Im ersten Quartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt wieder zulegen - einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen zufolge um 0,2 Prozent. Fachleute hoffen, dass die Unternehmen ihre Zurückhaltung aufgeben und mehr für Maschinen und Anlagen ausgeben. "Mit dem Abebben der Krise sollten sich die Investitionen in den kommenden Quartalen deutlich erholen", sagte Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Rainer_Hofmann

25.01.2013, 15:40 Uhr

In Davos läßt sich trefflich plaudern...

Was ein dummes Gewäsch...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×