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14.12.2015

14:55 Uhr

IfW hebt Prognose an

Wirtschaft wächst schneller als gedacht

Das Institut für Weltwirtschaft hat seine Wachstumsprognose für Deutschland angehoben. Einkommenszuwächse, Rentenerhöhungen und Steuersenkungen stärken den Konsum. Verbraucherpreise werden erst später zulegen.

Die deutsche Wirtschaft wächst schneller als gedacht. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat seine Wachstumsprognose für 2016 von 2,1 Prozent auf 2,2 Prozent angehoben. dpa

Konjunktur

Die deutsche Wirtschaft wächst schneller als gedacht. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat seine Wachstumsprognose für 2016 von 2,1 Prozent auf 2,2 Prozent angehoben.

KielDas Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat seine Wachstumsprognose für 2016 für Deutschland von 2,1 Prozent auf 2,2 Prozent angehoben. Die Ausgaben für Flüchtlinge werden aber nur kurzfristig einen stimulierenden Effekt auf die Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts haben, teilte das IfW am Montag in Kiel mit. Für 2015 und 2017 beließen die Wissenschaftler ihre Prognosen bei unverändert 1,8 Prozent beziehungsweise 2,3 Prozent Wachstum.

„Treibende Kraft hinter dem Aufschwung ist nach wie vor der starke private Konsum und eine anziehende Investitionstätigkeit“, berichtete das IfW. Hohe Einkommenszuwächse, niedrige Ölpreise, Rentenerhöhungen und Steuersenkungen stärken demnach den Konsum. Die Verbraucherpreise werden nach IfW-Erwartung erst in den nächsten beiden Jahren mit 1,2 Prozent (2016) und 1,8 Prozent (2017) stärker zulegen (2015: 0,3 Prozent).

Der deutsche Außenhandel soll „trotz eines enttäuschenden dritten Quartals“ auf Expansionskurs bleiben.

Deutsche Konjunktur 2014

Deutsche Wirtschaft trotzt der Katerstimmung

Die deutsche Wirtschaft hat trotz vieler internationaler Krisen 2014 das stärkste Wachstum seit drei Jahren geschafft. Vor allem die Konsumenten sorgten mit ihren Ausgaben für Schwung, aber auch die Firmen wagten wieder mehr Investitionen und exportierten auch spürbar mehr. Im Folgenden eine Übersicht, wie die Konjunktur im Einzelnen lief:

Wirtschaftsleistung

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gilt als bestes Maß, um die Leistung einer Volkswirtschaft zu messen. Es ist die Summe der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen. Im vorigen Jahr lag sie bei 2,9 Billionen Euro. Inflationsbereinigt entspricht dies einem Anstieg von 1,5 Prozent zum Vorjahr. Damit kletterte die Wirtschaftskraft rund doppelt so stark wie in der gesamten Euro-Zone, wie der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler, sagte.

Treiber der Wirtschaftsentwicklung

Impulse kamen vor allem vom Produzierenden Gewerbe, den Dienstleistern und der Baubranche. Bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern hingegen sackte die Wirtschaftskraft um rund 0,5 Prozent ab. Entscheidender Wachstumsmotor waren die Verbraucher. Sie gaben - dank guter Arbeitsmarktlage, geringer Inflation und niedriger Zinsen - 1,1 Prozent mehr aus als 2013. Damit kurbelte der private Konsum die gesamte Wirtschaft kräftig an. Auch die Investitionen zogen spürbar an. Die Unternehmen gaben für Maschinen, Geräte und Fahrzeuge 3,7 Prozent mehr aus.

Investitionen

Die sogenannte Investitionsquote - also der Anteil von Investitionen am BIP - lag 2014 bei 20 Prozent und verbesserte sich damit kaum. Deutschland steht international in der Kritik, sich mit öffentlichen Investitionen zurückzuhalten.

Arbeitsmarkt

Die Zahl der Beschäftigten kletterte auf 42,7 Millionen und erreichte das achte Jahr in Folge einen neuen Höchststand. Die Zahl der Arbeitslosen sank im Jahresschnitt um 52.000 auf 2,9 Millionen. Dies ist der niedrigste Stand seit 1991.

Einkommen

Das Volkseinkommen - zusammengesetzt aus Arbeitnehmerentgelt und den Unternehmens- und Vermögenseinkommen - stieg insgesamt um 3,6 Prozent auf knapp 2,2 Billionen Euro. Dabei kletterten die Arbeitnehmerbezüge einerseits und die Firmen- und Vermögenseinkommen andererseits fast gleich stark. Die Nettolöhne und -gehälter stiegen insgesamt um 2,4 Prozent und damit etwas weniger als die Bruttolöhne.

Lohnstückkosten

Da die durchschnittlichen Löhne und Gehälter 2014 stärker stiegen als die Arbeitsproduktivität, kletterten die Lohnstückkosten der Unternehmen. Für die Wirtschaft ist dies eine wichtige Kennziffer im internationalen Wettbewerb. Die Lohnstückkosten erhöhten sich um knapp zwei Prozent und damit weniger als in den beiden Vorjahren.

Finanzen

Der deutsche Staat hat 2014 das dritte Jahr in Folge schwarze Zahlen geschrieben. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherung nahmen zusammen 11,9 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben. Die Summe entspricht einem Überschuss von 0,4 Prozent des BIP. "Seit der deutschen Vereinigung hat es nur im Jahr 2000 einen höheren Überschuss gegeben", sagte Statistikamt-Chef Egeler. Nur die Länder hätten noch ein Defizit verzeichnet.

Am Arbeitsmarkt wird sich die hohe Zuwanderung nach Einschätzung der IfW-Ökonomen erst allmählich auswirken. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit mit einer Quote von 6,4 Prozent (2015) werde sich in den kommenden beiden Jahren mit einer Quote von jeweils 6,3 Prozent kaum noch fortsetzen. Zwar werde die Erwerbstätigkeit kräftig zulegen, gleichzeitig aber auch das Angebot an Arbeitskraft. Das zusätzliche Potenzial aus der Flüchtlingsmigration beziffert das IfW bis 2017 auf 470 000 Menschen.

Um Flüchtlinge leichter in Arbeit zu bringen, schlägt IfW-Präsident Dennis Snower staatliche Lohnsubventionen über Beschäftigungsgutscheine vor. „Damit sinken die Kosten für den Arbeitgeber“, sagte Snower. „Der Unternehmer kann den Mindestlohn zahlen und hat dennoch niedrigere Kosten für eine begrenzte Zeit, in der sich der Flüchtling einarbeiten kann.“ Auf diese Weise könnten auch Sozialhilfekosten gesenkt werden.

Von

dpa

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