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01.03.2004

08:32 Uhr

Im EZB-Schattenrat steigt die Sorge über den Aufschwung - Wachstums- und Inflationsprognosen nach unten revidiert

Experten: EZB sollte Schröder ignorieren

VonNorbert Häring

Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte nach Ansicht von Geldpolitik- Experten Zinsempfehlungen aus der Politik ignorieren. In der jüngsten Sitzung des EZB-Schattenrats sagte der Chefvolkswirt der Hypo- Vereinsbank, Martin Hüfner, wegen der öffentlichen Forderungen von Bundeskanzler Gerhard Schröder nach einer Zinssenkung sollte die EZB diese gerade nicht beschließen. Er fand hierfür jedoch keine Unterstützung.

„Ein Zeichen für wahre Unabhängigkeit ist es, wenn eine Notenbank solche Forderungen schlicht ignoriert“, gab Daniel Gros vom Brüsseler Forschungsinstitut CEPS die Mehrheitsmeinung im Schattenrat wieder.

Im EZB-Schattenrat diskutieren achtzehn Experten aus Banken, Universitäten und Forschungsinstituten jeweils vor den Zinssitzungen des EZB-Rats die wirtschaftliche Lage im Euro-Raum und geben eine Zinsempfehlung ab.

Eine deutliche Mehrheit von 13 Mitgliedern des Gremiums sprach sich gegen eine Zinssenkung am Donnerstag aus. Fünf votierten für eine Leitzinssenkung, vier weitere machten klar, dass sie bei einer Bestätigung der jüngsten Trends daran denken, ins Lager der Zinssenkungsbefürworter zu wechseln.

Die konjunkturellen Perspektiven haben sich nach Einschätzung vieler Schattenratsmitglieder zuletzt eingetrübt. Im Durchschnitt rechnen die Mitglieder nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent in diesem Jahr, gegenüber 1,9 Prozent vor einem Monat. Nach unten korrigiert wurden auch die Inflationserwartungen. Für 2004 prognostizieren die Schattenratsmitglieder im Durchschnitt eine Inflationsrate von 1,7 Prozent, für 2005 nur noch 1,6 Prozent.

„Wenn die Inflationsrate bei konstanten Leitzinsen auf eineinhalb Prozent sinken würde, ist das ein Grund, die Leitzinsen zu senken“, sagte der Mailänder Wirtschaftsprofessor Francesco Giavazzi. Die EZB strebt erklärtermaßen an, die Inflation „unter, aber nahe bei zwei Prozent“ zu halten. Daniel Gros wies jedoch darauf hin, dass die meisten Inflationsprognosen in den vergangenen Jahren zu niedrig gewesen seien. Der Bonner Wirtschaftsprofessor Jürgen von Hagen ergänzte, dass die Inflationsrate jahrelang zu hoch gewesen sei, so dass man nicht gleich die Zinsen senken müsse, wenn sie erstmals wieder etwas niedriger liege.

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