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04.08.2014

13:36 Uhr

Im Jahr 2013

Kräftiger Rückgang von befristeten Arbeitsverträgen

Auf dem deutschen Arbeitsmarkt gibt es einen Trend zu weniger Mini-Jobs und befristeter Beschäftigung: Die Zahlen gehen zurück. Nur die Zahl der Teilzeitjobber steigt – auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung

Die Zahl der befristet Beschäftigten und der Minijobber ist gesunken. 2,5 Millionen Minijobber waren es im vergangenen Jahr. dpa

Die Zahl der befristet Beschäftigten und der Minijobber ist gesunken. 2,5 Millionen Minijobber waren es im vergangenen Jahr.

WiesbadenDie Zahl der befristet Beschäftigten in Deutschland ist im vergangenen Jahr kräftig zurückgegangen. 2013 hatten 2,61 Millionen Erwerbstätige einen befristeten Arbeitsvertrag, das waren knapp fünf Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervorgeht. Im vergangenen Jahr waren damit so wenig Beschäftigte befristet angestellt wie seit 2005 nicht mehr.

Neben den befristeten Verträgen verringerte sich auch die Zahl anderer sogenannter atypischer Beschäftigungsverhältnisse. So sank auch die Zahl der geringfügig Beschäftigen und die der Zeitarbeiter.

Als Minijobber galten demnach im vergangenen Jahr 2,5 Millionen Personen. Den Daten zufolge waren das knapp zwei Prozent weniger als 2012 und der niedrigste Wert seit dem Jahr 2005. Zu den Zeitarbeitern zählten sich laut der Statistik 2013 indes 704.000 Beschäftigte, ein Minus von 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und der niedrigste Wert seit 2009.

Einzig die Zahl der Teilzeitbeschäftigten ist laut Statistik nach einem zwischenzeitlichen Rückgang im Jahr 2012 im vergangenen Jahr wieder angestiegen – und zwar auf den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung. 2013 verdienten demnach 5,05 Millionen Erwerbstätige ihr Geld in einem Teilzeitjob. Die überwiegende Mehrheit waren den Zahlen zufolge Frauen: Sie machten demnach 85 Prozent der Teilzeitbeschäftigten aus.

Wer nicht vom Mindestlohn profitiert

Seit wann gilt der Mindestlohn und wer profitiert davon?

Der flächendeckende gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro gilt seit dem 1. Januar 2015 Kraft und gilt grundsätzlich für alle Branchen und Regionen - in Ost und West gleichermaßen. Sind in einzelnen Branchen aber Vereinbarungen getroffen worden, die unterhalb der 8,50 Euro liegen, können diese noch bis Ende 2016 fortbestehen.

Jugendliche

Ausgenommen vom Mindestlohn werden unter 18-Jährige. Durch die Altersgrenze soll vermieden werden, dass sich junge Leute einen Job suchen anstatt eine - in der Regel schlechter bezahlte - Ausbildung zu absolvieren.

Langzeitarbeitslose

Wer nach mindestens zwölfmonatiger Arbeitslosigkeit einen neuen Job bekommt, hat in den ersten sechs Monaten keinen Anspruch auf den Mindestlohn. Damit soll der Anreiz für Arbeitgeber erhöht werden, Erwerbslose einzustellen. Die Bundesregierung will aber überprüfen, ob diese Ausnahme die Beschäftigungschancen von Langzeitarbeitslosen tatsächlich erhöht.

Ehrenamtliche und Praktikanten

Nicht gelten soll der Mindestlohn auch für ehrenamtlich Tätige sowie Praktikanten, die im Rahmen einer Aus- oder Weiterbildung ein Pflichtpraktikum absolvieren. Auch wer ein freiwilliges Praktikum zur beruflichen Orientierung macht, das nicht länger als drei Monate dauert, hat keinen Anspruch auf Mindestlohn.

Zeitungsausträger und Saisonarbeiter

Bei den Saisonarbeitern in der Landwirtschaft sollen die Arbeitgeber die Kosten für Unterkunft und Verpflegung von Saisonarbeitern auf den Mindestlohn anrechnen können. Zudem soll die Grenze für eine sozialabgabenfreie Beschäftigung von 50 auf 70 Tage angehoben werden. Für Zeitungsausträger soll es eine dreijährige Übergangszeit geben: 2015 darf der Mindestlohn um 25 Prozent unterschritten werden, 2016 noch um 15 Prozent. 2017 soll dann der Mindestlohn von 8,50 Euro gelten - auch wenn dann in den anderen Branchen bereits ein höherer Betrag gelten sollte.

Wer kontrolliert die Einhaltung des Mindestlohns?

Der Zoll und andere Behörden können in den Unternehmen kontrollieren, ob tatsächlich der Mindestlohn gezahlt wird. Die Behörden dürfen dafür auch Arbeitsverträge oder Geschäftsunterlagen einsehen. Dafür soll das Personal der Zollverwaltung aufgestockt werden, Berichten zufolge um 1600 Mitarbeiter. Arbeitgebern, die gegen das Mindestlohngesetz verstoßen, droht ein Bußgeld.

Wann könnte der Mindestlohn steigen?

Über die künftige Höhe soll eine Kommission entscheiden, der neben dem Vorsitzenden sechs weitere stimmberechtigte Mitglieder angehören - je drei von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Das Gremium soll bis Mitte 2016 über eine etwaige Erhöhung zum 1. Januar 2017 entscheiden. Die Koalition nahm hier in letzter Minute eine Korrektur vor, zunächst war die Anhebung erst für 2018 geplant. Entsprechend der Forderung von Arbeitgebern und Gewerkschaften soll die Kommission alle zwei Jahre über eine Anhebung entscheiden - ursprünglich war dies jährlich geplant.

Was ändert sich für bestehende Tarifverträge?

Künftig soll es leichter sein, den Tarifvertrag für eine Branche für allgemeinverbindlich zu erklären. Voraussetzung wird nur noch sein, dass die Sozialpartner und Spitzenverbände dies für erforderlich halten und es im öffentlichen Interesse liegt. Bislang galt, dass in der jeweiligen Branche für mindestens die Hälfte der Beschäftigten eine Tarifbindung besteht - das heißt, dass die jeweiligen Firmen einem Arbeitgeberverband angehören.

Die Gesamtzahl aller Erwerbstätigen in einem sogenannten atypischen Arbeitsverhältnis ging dem Bundesamt zufolge aber zurück: Die Zahl derer also, die befristet, in Teilzeit, als Zeitarbeiter oder als geringfügig Beschäftigte arbeiteten, sei 2013 im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent auf 7,81 Millionen Personen gesunken. Das war der niedrigste Gesamtwert seit 2009. In dem Krisenjahr war allerdings auch die Zahl der Erwerbstätigen insgesamt zurückgegangen, auf damals 34,8 Millionen im Jahresschnitt.

2013 hingegen stieg die Gesamtzahl der Erwerbstätigen auf das Rekordhoch von 36,4 Millionen an. Auszubildende, Wehr-, Zivil- und Freiwilligendienstler ausgeschlossen, galten dabei 21 Prozent als atypisch Beschäftigte. In den vorangegangenen Jahren hatte die Quote jeweils um einen Prozentpunkt höher gelegen.

Von

afp

Kommentare (1)

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Herr Wladimir Andropowitsch

04.08.2014, 14:15 Uhr

Dass die Grundsätze und Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft vermittels der Machenschaften der Kabinette Kohl-Genscher, Schröder-Fischer und Merkel-Konsorten heute faktisch in deren Gegenteil verkehrt sind und die Grundsätze und Prinzipien der Neuen Sozialen Marktwirtschaft sind, wird niemand ernsthaft bestreiten, wenn er denn die Werke von Eucken, Müller-Armack und Erhard zu seinem geistigen Eigentum gemacht hat.
Dass in der Neuen Bundesrepublik Deutschland sämtliche Strukturen und Methoden durch die Charakteristika der Unfairness, des Winkeladvokaturismus und imperialen Herrschaftsgehabes geprägt sind, wird aber nur den Ältern unter uns auffallen, die noch in der – halbwegs – demokratischen, rechtsstaatlichen, zivilisierten und kultivierten Bundesrepublik haben leben können.
Deutschland 2014. Das 4. Reich der real-existierenden Geldwirtschaftsdiktatur mir einer neuen Herrenmenschenkaste, die über einen neuen Untermenschentypus herrscht, ihn ausplündert und ausschlachtet, bis – ja bis wieder alles in Scherben fällt, denn diesen Neuen Herrenmenschen, so glauben sie jedenfalls selbst, gehört heute Deutschland und morgen noch sehr viel mehr.
Fazit: Größenwahn und Herrenmenschenallüren sind wiedererwacht.

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