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10.01.2005

07:00 Uhr

Im zweiten Quartal verliert die deutsche Konjunktur etwas an Schwung

Handelsblatt-Frühindikator: Moderates Wachstum bis zur Jahresmitte

Die deutsche Konjunktur kommt vorerst nicht weiter in Fahrt. Bis zur Jahresmitte dürfte sich die Wachstumsdynamik in Deutschland sogar etwas abschwächen – das ist die Botschaft des Handelsblatt-Frühindikators. Das Barometer signalisiert aber auch: Ein Einbruch der Konjunktur ist nicht zu befürchten.

pbs DÜSSELDORF. Der Indikator, der ab sofort in einer überarbeiteten Version erscheint, prognostiziert für das zweite Quartal ein Wachstum von 1,1 Prozent in gleitender Jahresrate nach 1,3 Prozent im ersten Quartal. Die gleitende Jahresrate stellt die Veränderung des Wachstums in den vergangenen vier Quartalen gegenüber den vorherigen vier Quartalen dar. Sie gilt als guter Indikator für den mittelfristigen Wachstumstrend.

In den neuen Bundesländern haben sich die Konjunkturperspektiven leicht aufgehellt, sind aber noch immer deutlich schlechter als in Gesamtdeutschland. Das Handelsblatt-Ostbarometer signalisiert: Im vergangenen Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den neuen Ländern um 0,2 Prozent gegenüber dem Jahr 2003 gewachsen sein. Damit war der Wachstumsrückstand gegenüber den alten Ländern gewaltig: Für das gesamtdeutsche BIP zeigt der Indikator für 2004 einen Zuwachs um 1,5 Prozent an. Damit liegt seine Prognose etwas niedriger als die Schätzung des Sachverständigenrates, der mit 1,8 Prozent rechnet.

>> Der Handelsblatt-Frühindikator für Deutschland gesamt

>>Der Handelsblatt-Frühindikator für Ostdeutschland

Im Dezember hatten sich die Geschäftserwartungen der Unternehmer aus dem verarbeitenden Gewerbe und die Konjunktureinschätzungen von Analysten und institutionellen Anlegern aufgehellt. Sie fließen über den Ifo-Index und über die ZEW-Konjunkturerwartungen in den Handelsblatt-Frühindikator ein. Auch einige „harte“ Konjunkturdaten waren im Oktober deutlich besser ausgefallen als erwartet – aber die Korrektur nach unten erfolgte schon im November: Die Einzelhandelsumsätze sind wieder gefallen und die Auftragslage im verarbeitenden Gewerbe hat sich schon verschlechtert.

Dennoch kann Ulrich van Suntum, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität in Münster, der Konjunkturperspektive etwas Positives abgewinnen: „Für die zweite Jahreshälfte zeichnet sich ein Silberstreif am Horizont ab“, sagt der Ökonom. Er hat den Indikator entwickelt und berechnet ihn monatlich. Zum Jahreswechsel hat er das Barometer neu justiert (siehe „Prognose-Güte des Indikators steigt deutlich“).

In diesem Jahr dürfte sich die Wachstumsdynamik gegenüber 2004 kaum beschleunigen, erwartet die Mehrzahl der Konjunkturexperten. Ihre Prognosen zum Wachstum des Bruttoinlandsproduktes schwanken zwischen 0,8 Prozent und 1,9 Prozent. Dabei stammt die pessimistischste Prognose vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW).

Die Liga der Optimisten führt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) an. Die Geister scheiden sich an der Einschätzung zur Entwicklung des privaten Konsums und den Investitionen.

Die Entwicklung der Einzelkomponenten:

Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe (Gewicht: 12 Prozent) sind im Oktober um 1,1 Prozent gestiegen, nach einem Plus von 0,8 Prozent im September. Im Oktober gingen 3,4 Prozent mehr inländische Bestellungen ein, die Auslandsnachfrage sank um 1,2 Prozent. Schon im November sind die Orders aber wieder deutlich gesunken – die Zahlen fließen aber erst in die Berechnung des Februar-Indikators ein.

Die Nachfrage im Bauhauptgewerbe (Gewicht: 24 Prozent) ist im Oktober um 1,4 Prozent gestiegen. Die Aufträge für den Nicht-Wohnungsbau legten um 14 Prozent zu.

Die Einzelhandelsumsätze (Gewicht: 11 Prozent) haben im Oktober um 1,5 Prozent zugelegt. Schon im November sind die Umsätze im Einzelhandel aber wieder gesunken. Diese Daten sind allerdings noch nicht in die Berechnung des Frühindikators eingeflossen. Äußerungen der Händler zufolge dürfte das Weihnachtsgeschäft zufriedenstellend gelaufen sein.

Die Ifo-Geschäftserwartungen im verarbeitenden Gewerbe (Gewicht: 13 Prozent) sind im Dezember erstmals wieder kräftig von 5,2 auf 9,6 Saldopunkte gestiegen. Allerdings wurde die aktuelle Geschäftslage etwas pessimistischer eingeschätzt. Die Export-Erwartungen blieben unverändert. Dass die Unternehmen insgesamt dennoch optimistischer sind, könnte ein Indiz dafür sein, dass die Inlandsnachfrage endlich anspringt.

Die ZEW-Konjunkturerwartungen (Gewicht: 40 Prozent) für Deutschland sind im Dezember gestiegen. Der Index basiert auf einer monatlichen Befragung von Analysten und institutionellen Anlegern. Das Barometer stieg minimal auf 13,9 von 14,4 Zählern. Der hohe Eurokurs haben die dämpfenden Wirkungen des hohen Ölpreises kompensiert, kommentierte das ZEW.

Definition: Der Frühindikator soll frühzeitig Wendepunkte der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung anzeigen und läuft ihr etwa drei Monate voraus. Referenzgröße ist die gleitende Jahresrate des realen Bruttoinlandsprodukts. Das ist die Veränderung in den vergangenen vier gegenüber den vorherigen vier Quartalen.

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