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07.01.2013

12:35 Uhr

IMK-Forscher Horn

„Rezession hängt an Deutschland wie ein Gewicht an den Füßen“

Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Aufschwung – noch. IMK-Forscher gehen davon aus, dass die Krisenländer in der Rezession verharren – das bleibe nicht ohne Auswirkungen für Deutschland. Sie fordern Gegenmaßnahmen.

IMK-Direktor Horn: „Die deutsche Wirtschaft wird sich in diesem Jahr über Wasser halten können.“ dpa

IMK-Direktor Horn: „Die deutsche Wirtschaft wird sich in diesem Jahr über Wasser halten können.“

Die Krise im Euroraum kann nach Meinung gewerkschaftsnaher Wirtschaftsforscher nur durch eine Abkehr vom bisherigen Sparkurs in den angeschlagenen Ländern der Währungsunion überwunden werden. Die „überharten Sparprogramme“ in den Euro-Krisenländern würden die Schuldenstände mittlerweile eher erhöhen als reduzieren, erklärte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung am Montag in Berlin. Das belegten aktuelle Studien und eigene Berechnungen des IMK. Striktes Sparen bremse den Wirtschaftsaufschwung demnach stärker als bisher gedacht.

Ein Kurswechsel ist aus Sicht des Instituts daher überfällig. Um Wachstum und Beschäftigung in Europa nicht noch weiter zu beeinträchtigen, sollten die Sparmaßnahmen abgemildert und zeitlich gestreckt werden. „Dass die harten Einschnitte in den Krisenländern nicht von Erfolg gekrönt sind, liegt nicht etwa an der laschen Umsetzung, sondern ist die makroökonomisch zwingende Folge eines sich selbst konterkarierenden Austeritätskurses“, erklärte das IMK. Staaten mit finanziellem Spielraum sollten die Konjunktur mit einer passenden Steuer- und Lohnpolitik sowie Investitionen fördern. Für Deutschland ergebe sich ein Spielraum von Lohnerhöhungen um rund 3,5 Prozent.

Das Institut bekräftigte seine im Dezember angehobene Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft. Das IMK rechnet weiterhin für 2013 mit einem Plus von 0,8 Prozent. Das Wachstum werde gestützt vom privaten Konsum und vom Export nach Osteuropa, Asien und Amerika. Doch könne dies die Nachfrageschwäche im Euroraum auf Dauer nicht ausgleichen, erklärte das Institut.

„Die deutsche Wirtschaft wird sich in diesem Jahr über Wasser halten können“, sagte der wissenschaftliche Direktor des IMK, Gustav Horn. „Doch die Rezession im Euroraum hängt ihr wie ein Gewicht an den Füßen.“

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Die Düsseldorfer Forscher gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung der Euro-Zone im laufenden Jahr weiter um 0,5 Prozent schrumpft. Die Europäische Zentralbank rechnet ebenfalls nicht mit einem Ende der Rezession. Zuletzt haben sich jedoch ein paar Stimmungsindikatoren wie der deutsche Ifo-Index aufgehellt.

Kommentare (5)

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Rene

07.01.2013, 13:09 Uhr

Jedem ist klar, dass Sparen das Wirtschaftswachstum hemmt.

Können die Neun-Mal-Klugen auch sagen, woher das Geld kommen soll, dass eben diese Ländern nicht haben?

Vermutlich schafft Herr Horn sein Einkommen unversteuert in die Schweiz anstatt dem griechischen Staat zu spenden und äußert nur Dinge, die schon alle Welt weiß, ohne innovative Lösungsproböleme zu präsentieren.

TrollFeeder

07.01.2013, 13:33 Uhr

Konzertierte Aktion des dynamischen Trios:
Horn, Bofinger, Flassbeck (folgt in kürze)
Grundtenor: hohe Lohnsteigerungen in D, um die deutsche Wirtschaft zu schwächen und die PIIGS "wettberbsfähiger" zumachen.
man muss einen Schwachsinn nur oft genug wiederholen, irgendwann wird er dann auch geglaubt

Account gelöscht!

07.01.2013, 13:51 Uhr

Ich mag den Horn zwar nicht, aber hier hat er Recht
Und vor allem sind diese Sparmaßnahmen ja nur, um die Banken zu retten.
Wir müssen endlich auch mal Banken gesittet in die Insolvenz schicken

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