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28.08.2014

13:43 Uhr

Immer weniger Kredite

Kreditklemme setzt EZB unter Druck

Die Banken in der Euro-Zone haben im Juli weniger Darlehen vergeben als noch vor einem Monat. Europäische Zentralbank will Kreditfluss wieder anregen. Banken, die Geld lieber horten als es zu verleihen, werden bestraft.

Kredite an Unternehmen und Haushalte werden im Euro-Raum immer weniger vergeben. dpa

Kredite an Unternehmen und Haushalte werden im Euro-Raum immer weniger vergeben.

FrankfurtNeue negative Konjunktursignale halten den Druck auf die EZB hoch, im Kampf gegen die Wirtschaftsschwäche bald nachzulegen. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt mitteilte, ist keine Entspannung bei der Kreditklemme in Sicht, unter der große Teile der Währungsunion leiden.

Nach Angaben der EU-Kommission sank zudem die Stimmung bei den Unternehmen weiter zurück - sowohl in der Industrie, als auch im Handel und bei den Dienstleistern. Das von der Behörde ermittelte Geschäftsklima sackte ab, vor allem in Italien und Frankreich, aber auch in Belgien und Finnland trübte sich die Stimmung deutlich ein.

Wie die EZB mitteilte, sank die Kreditvergabe der Banken in den 18 Ländern der Euro-Zone im Juli im Jahresvergleich zwar rein statistisch mit 1,6 Prozent weniger stark als im Juni (-1,8 Prozent). Doch der Blick auf einige besonders hart von der Krise betroffene Länder zeigt ein deutlich düstereres Bild: so ging die Kreditvergabe etwa der irischen Institute im Juli um 11,7 Prozent zurück. In Spanien sank die Vergabe um neun Prozent, in Portugal um knapp acht Prozent. Vor allem Unternehmen bekommen von den Geldhäusern immer schwerer Kredite - im Vergleich zum Juni vergaben sie in allen Euroländern zusammen 16 Milliarden Euro weniger. Bei den Konsumentenkrediten und Hypothekendarlehen an Haushalte sieht es laut EZB etwas besser aus.

Das sind die größten Banken Deutschlands

Platz 10 – Postbank

Bilanzsumme 2013 der Deutsche-Bank-Tochter: 161,5 Milliarden Euro

Platz 9 – Helaba

Bilanzsumme 2013 der Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale: 178,1 Milliarden Euro.

Platz 8 – NordLB

Bilanzsumme 2013 der Norddeutschen Landesbank: 200,8 Milliarden Euro

Platz 7 – BayernLB

Bilanzsumme 2013 der Bayerischen Landesbank: 255,6 Milliarden Euro

Platz 6 – LBBW

Bilanzsumme 2013 der Landesbank Baden-Württemberg: 273,5 Milliarden Euro

Platz 5 – Unicredit

Bilanzsumme 2013 der Unicredit (inkl. Hypo-Vereinsbank): 290 Milliarden Euro

Platz 4 – DZ Bank

Bilanzsumme 2013 der Deutschen Zentral-Genossenschaftsbank: 387 Milliarden Euro

Platz 3 – KfW

Bilanzsumme 2013 der KfW-Bankengruppe: 464,8 Milliarden Euro

Platz 2 – Commerzbank

Bilanzsumme 2013: 549,7 Milliarden Euro

Platz 1 – Deutsche Bank

Bilanzsumme 2013: 1611,4 Milliarden Euro

Quelle: Die Bank/Statista

Für Johannes Mayr, Ökonom und Analyst bei der BayernLB, sind vor allem zwei Faktoren von Bedeutung, die den Kreditfluss zu den Firmen hemmen. Auf Seiten der Banken belastet seiner Ansicht nach die Unsicherheit vor Veröffentlichung der Ergebnisse des großen Fitnesschecks der Branche durch die neue Aufsicht Mitte Oktober. Auf Seiten der Unternehmen dürften die Krisen in der Ukraine sowie im Nahen und Mittleren Osten negativ zu Buche schlagen. Sie dämpften die Investitionsbereitschaft der Firmen und damit die Nachfrage nach frischem Geld von den Banken

Die EZB hat bereits im Sommer mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket auf den immer geringeren Kreditfluss reagiert und unter anderem erstmals einen Strafzins für Banken eingeführt, die lieber Geld bei ihr parken als es weiterzuverleihen. Zwei zusätzliche Geldspritzen mit einem Volumen von bis zu 400 Milliarden Euro, mit denen die Notenbank die Kreditvergabe ankurbeln will, stehen erst im September und Dezember an. Wann ein von der EZB in Aussicht gestelltes Aufkaufprogramm für Kreditverbriefungen kommt, durch dass die Banken einen Teil ihrer Kreditrisiken auslagern könnten, ist noch unklar.

Ob dies angesichts der schwachen Nachfrage zu mehr neuen Krediten führt und damit die Konjunktur treibt, ist offen. Die EZB entscheidet kommenden Donnerstag das nächste Mal über ihren geldpolitischen Kurs. EZB-Präsident Mario Draghi hatte zuletzt Spekulationen angeheizt, die Notenbank könne bald noch mehr tun. EZB-Insider hatten Reuters am Mittwoch aber gesagt, die EZB werde wohl nur dann bereits im September erneut handeln, sollte die Gefahr einer für die Wirtschaft desaströsen Deflationsspirale konkreter werden. Im Fokus der Investoren an den Finanzmärkten stehen deshalb an diesem Freitag Daten zur Teuerung in der Euro-Zone.

Von

rtr

Kommentare (7)

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Herr Tom Schmidt

28.08.2014, 11:06 Uhr

Ein Anwachsen der Geldmenge M3 wird aber auch als Wirtschaftsleistung verbucht (auch wenn die real-wirtschaftliche Bedeutung erst einmal gleich 0 ist)

Es geht also nicht um die Allgemeinheit und das Bestrafen von Banken die keine Kredite vergeben (wenn die Bank das Geld nicht bei der EZB parkt, dann wird sich ja auch nicht bestraft). Es geht darum Geld zu drucken, damit die Banken nicht kollabieren! Es geht um die Inflation, damit die Schulden entwertet werden. Profiteur ist nicht die Allgemeinheit und die Volkswirtschaft, das ist lediglich der Eigennutz der Banken!

Herr Thomas Melber

28.08.2014, 14:14 Uhr

Hieß es nicht vor noch gar nicht allzu langer Zeit, es gäbe keine Kreditklemme?

Herr Helmut Paulsen

28.08.2014, 15:16 Uhr

Goldman Sachs hat wieder Durst auf neues billiges Geld - das dann an die Aktienmärkte fliesst als neue "Phantasien".

Draghi dient in Wirklichkeit nur dem Vermögen der Aktienmärkte, die unaufhörlich anschwellen .... ....

Alles zu Lasten der Steuerzahler. Deren Prokura missbraucht er, wenn er neue Schuldscheine auf ihren Namen ausstellt.

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