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16.09.2014

13:28 Uhr

In Milliardenhöhe

DIW rechnet mit Überschuss in Rentenkassen

Der Arbeitsmarkt entwickelt sich positiv – das beschert der Rentenversicherung hohe Einnahmen. Einen Überschuss von 2,5 Millionen Euro erwartet der DIW im kommenden Jahr. Beitragssenkungen bleiben gleichwohl ungewiss.

2,5 Millionen Euro dürfte die Deutsche Rentenversicherung demnächst erzielen. dpa

2,5 Millionen Euro dürfte die Deutsche Rentenversicherung demnächst erzielen.

BerlinDie Deutsche Rentenversicherung dürfte im laufenden Jahr einen Überschuss von insgesamt 2,5 Milliarden Euro erzielen. Das erwartet nach eigenen Angaben vom Dienstag das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das am Mittwoch seine Herbstgrundlinien für 2014 vorstellt. „Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist gut und dürfte es auch im kommenden Jahr bleiben“, begründete DIW-Finanzexpertin Kristina van Deuverden diese Einschätzung. Beitragssenkungen für 2015 bleiben aber gleichwohl ungewiss.

Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt „beschert der Rentenversicherung hohe Einnahmen“, erklärte van Deuverden weiter. Sie wies darauf hin, dass die Rentenkassen bereits im ersten Halbjahr 2014 hohe Überschüsse erzielt hätten. Trotz der milliardenschweren Mehrausgaben für die Rente mit 63 und die Mütterrente, die im zweiten Halbjahr zu Buche schlagen, würden daher am Jahresende auch für das Gesamtjahr schwarze Zahlen stehen.

Das Vermögen der Rentenkassen dürfte dann laut DIW auf mehr als 36 Milliarden Euro ansteigen. Die sogenannte Schwankungsreserve der Rentenversicherung werde bereits gegen Ende des Jahres die Obergrenze von anderthalb Monatsausgaben übersteigen.

Das Rentenpaket der Großen Koalition

Mütterrente

Etwa 9,5 Millionen Frauen, deren Kinder vor 1992 zur Welt kamen, bekommen Kindererziehungszeiten in der Rente künftig besser honoriert. Pro Kind sind das ab 1. Juli brutto knapp 28 Euro monatlich mehr im Westen und gut 26 Euro mehr im Osten. Dies ist eine Verdoppelung des bisher bezahlten Zuschlags. Frauen mit jüngeren Kindern sind bei der Mütterrente aber immer noch bessergestellt.

Abschlagsfreie Rente ab 63

Wer mindestens 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat, soll schon ab 63 Jahren ohne Abschlag in Rente gehen können. Begünstigt sind die Geburtsjahrgänge zwischen 1952 und 1963. Phasen kurzer Arbeitslosigkeit sollen mit angerechnet werden, aber nicht in den letzten zwei Jahre vor Beginn der Frührente. Das soll eine Welle von Frühverrentungen verhindern. Selbständige, die in ihrem Berufsleben mindestens 18 Jahre lang Pflichtbeiträge in die Rentenkasse entrichtet haben und danach freiwillig weiterversichert blieben, sollen ebenfalls ab 63 eine abschlagfreie Frührente beziehen können. Das kommt vor allem Handwerkern zugute.

Erwerbsminderungsrente

Wer aus gesundheitlichen Gründen vermindert oder gar nicht mehr arbeiten kann, soll brutto bis zu 40 Euro mehr Rente bekommen. Die Betroffenen werden so gestellt, als ob sie mit ihrem früheren durchschnittlichen Einkommen bis 62 – und damit zwei Jahre länger als bisher – in die Rentenkasse eingezahlt hätten.

Reha-Leistungen

Um Frühverrentungen aus gesundheitlichen Gründen zu verhindern, sollen die bislang gedeckelten Mittel für Rehabilitationsleistungen dynamisiert – also schrittweise erhöht – werden.

Nach geltender Rechtslage könnte daher der Beitragssatz zur Rentenversicherung zum Jahreswechsel um 0,6 Punkte auf dann 18,3 Prozent sinken. Das DIW wies aber darauf hin, angesichts der absehbaren demografischen Entwicklung könne auch über andere Möglichkeiten nachgedacht werden, um Überschüsse im System zu belassen und so künftige Beitragserhöhungen hinauszuschieben.

„Eine solche demografische Reserve könnte die Beitragsentwicklung über längere Zeit stabilisieren und künftige Beitragszahler und Generationen zumindest etwas entlasten“, erklärte dazu DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Allerdings müsse das Geld dann auch tatsächlich im System bleiben, forderte Fratzscher. Er verwies auf die Gefahr, dass die Bundesregierung Überschüsse der Rentenkassen erneut nutzen könnte, um „weitere Mehrausgaben im Rentensystem“ zu beschließen oder „Haushaltslöcher zu stopfen“.

Von

afp

Kommentare (2)

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Herr Fred Meisenkaiser

16.09.2014, 13:55 Uhr

Dann könnten die Beitragszahler ja auch mehr Rente bekommen!

Frau Margrit Steer

17.09.2014, 17:20 Uhr

Sollen die Bürger momentan ein wenig beruhigt werden, bevor der große Knall kommt?
Irgendwie erinnert das so an Göppels-Propaganda

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