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10.04.2015

13:06 Uhr

Industrie in der Euro-Zone

Umsatzminus für Deutschland, Spanien boomt

Die Industrie in Frankreich tritt weiterhin auf der Stelle. Die deutschen Betriebe haben sogar das stärkste Umsatzminus seit 2014 verzeichnet. Beim früheren Krisenland Spanien hingegen geht es spürbar bergauf.

Die deutsche Industrie verbucht im Februar weniger Aufträge. dpa

Aufzugsfertigung bei Thyssen-Krupp

Die deutsche Industrie verbucht im Februar weniger Aufträge.

Paris/Madrid/BerlinDie deutsche Industrie hat im Februar das größte Umsatzminus seit August 2014 hinnehmen müssen. Bereinigt um jahreszeitliche Schwankungen fielen die Erlöse um 0,7 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Im Dezember und Januar hatte es noch jeweils ein Plus von 0,8 Prozent gegeben. Im Februar verringerte sich nun der Inlandsumsatz um 1,3 Prozent, während das Auslandsgeschäft um 0,2 Prozent nachließ.

Das größte Umsatzplus gab es mit 3,3 Prozent bei den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen, die von einem starken Geschäft mit ihren Partnern in der Euro-Zone profitierten. Den höchsten Rückgang gab es mit 2,2 Prozent bei Herstellern von Nahrungs- und Futtermitteln.

Bei der Industrie fielen zuletzt Aufträge und Produktion mauer aus als erwartet. Dies könnte ein Beleg dafür sein, dass die gesamte Wirtschaft schwächer ins neue Jahr gestartet ist als von vielen Experten erwartet.

Wo die deutschen Exporteure 2015 wachsen – und wo nicht

Rekordjahr 2014

Die deutschen Exporteure haben 2014 ungeachtet der zahlreichen internationalen Krisen einen Umsatzrekord geschafft. Sie nahmen im Ausland 1133,6 Milliarden Euro ein und damit 3,7 Prozent mehr als 2013. In diesem Jahr soll es sogar um fünf Prozent nach oben gehen, sagt der Branchenverband BGA voraus. Es folgt ein Überblick über die boomenden und schrumpfenden Märkte.

USA

Keiner anderen großen Industrienation wird in diesem Jahr ein stärkeres Wirtschaftswachstum zugetraut. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet ein Plus von 3,6 Prozent – nach 2,4 Prozent im vergangenen Jahr. Die steigende Beschäftigung und die Entlastung der konsumfreudigen Verbraucher durch sinkende Energiepreise dürften die weltgrößte Volkswirtschaft ankurbeln. Beflügelt werden dürften die Geschäfte der deutschen Unternehmen zusätzlich vom schwachen Euro, wodurch sie ihre Produkte in den USA entweder billiger anbieten und so der Konkurrenz Marktanteile abjagen oder ihre Gewinnmarge steigern können.

China

Auch wenn die Zeiten eines Wachstums im zweistelligen Prozentbereich vorbei sind, so bleibt die Volksrepublik doch ein lohnender Markt für die deutschen Unternehmen. „Ein wichtiger Schlüssel zu profitablem Wachstum liegt für uns in China“, sagt etwa Daimler-Chef Dieter Zetsche. Seit Jahren ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wichtigster Absatzmarkt für die Autobauer und viele andere Branchen. Das Jahr begann verheißungsvoll: Mercedes Benz etwa steigerte seinen China-Absatz im Januar um 14,5 Prozent.

Euro-Zone

Das Geschäft auf dem wichtigsten Absatzmarkt entwickelt sich wegen der Schuldenkrise seit Jahren schleppend. Allerdings geht es in einigen Ländern wie Spanien und Portugal wieder aufwärts, was sich auch in der Exportstatistik niederschlägt: Die deutschen Ausfuhren in diese beiden Länder stiegen im vergangenen Jahr um jeweils rund zehn Prozent. Um immerhin 1,3 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt in der Euro-Zone im laufenden Jahr wachsen, 2014 waren es nur 0,8 Prozent.

Russland

Die Wirtschaft rechnet mit milliardenschweren Einbußen. Die Exporte dürften um fast 15 Prozent oder knapp vier Milliarden Euro einbrechen, so der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). „Davon werden insbesondere Spitzenexportbranchen wie die Automobilindustrie oder der Maschinenbau betroffen sein“, sagt DIHK-Experte Volker Treier. Bereits 2014 waren die Ausfuhren um rund ein Fünftel gefallen. Ein Grund ist der Kursverfall des Rubel. „Damit gehen enorme Kaufkraftverluste russischer Abnehmer einher“, sagt Treier. „Zudem entfaltet sich die Wirkung der dritten Sanktionsstufe der EU gegen Russland erst in diesem Jahr voll.“ Bislang habe der Warenaustausch zu einem großen Teil noch auf Verträgen basiert, die vor Verhängung dieser Sanktionen im Zuge der Ukraine-Krise geschlossen worden seien.

Opec

Der sinkende Ölpreis drückt die Exporte in die zwölf Opec-Staaten. Im November etwa brachen die Ausfuhren in die Länder des Ölkartells um mehr als sieben Prozent ein. „Der Verfall der Ölpreise drückt unsere Exporte in viele rohstoffreiche Länder“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Treier. Angesichts fehlender Milliarden aus dem Ölgeschäft schieben viele Förderstaaten Investitionen auf, auch Unternehmen zögern. „Wir erwarten allenfalls ein schwaches Exportwachstum knapp über der Nulllinie in die Region Mittlerer und Naher Osten plus Nordafrika“, so Treier. Bislang hatte der DIHK mit einem Plus im zweistelligen Prozentbereich gerechnet.

Südamerika

Die lange Zeit boomende Region steckt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. In vielen Ländern wie Argentinien und Venezuela dürfte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr schrumpfen, in Brasilien gerade einmal um 0,5 Prozent wachsen, sagen von Reuters befragte Ökonomen voraus. Grund dafür sind sinkende Rohstoffpreise, aber auch eine wachsende Staatsverschuldung. „Es gibt mehr Risiken als Chancen“, sagt etwa der Chefvolkswirt der Banco Brasil Plural, Mario Mesquita.

Die Industrie in Frankreich tritt weiter auf der Stelle. Die Unternehmen konnten ihre Produktion im Vergleich zum Januar nicht steigern, wie das nationale Statistikamt Insee am Freitag mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten allerdings sogar einen kleinen Rückgang um 0,1 Prozent erwartet. Frankreich gilt derzeit konjunkturell als eines der größten Sorgenkinder in der Euro-Zone.

Beim früheren Krisenland Spanien hingegen geht es spürbar bergauf. Die dortige Industrie stellte im Februar 0,6 Prozent mehr her als im Vorjahresmonat und übertraf nach Angaben der Statistiker damit die Markterwartungen deutlich. Denn Ökonomen hatten nur mit einer stagnierenden Produktion gerechnet.

Von

rtr

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