Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.01.2011

17:31 Uhr

Industrie

Wachsende US-Konjunktur beflügelt deutsche Exporte

VonRolf Benders, Dorit Marschall

Die USA scheinen die Rezession hinter sich zu lassen und auf Aufschwung umzuschalten. Nach Berechnungen des Handelsministeriums wuchs die weltgrößte Volkswirtschaft 2010 um 2,9 Prozent und damit so stark wie seit 2005 nicht mehr. Das überraschend starke Wachstum dürfte die deutschen Exporte beflügeln.

Der US-Aufschwung belebt die deutschen Exporte. dpa

Der US-Aufschwung belebt die deutschen Exporte.

NEW YORK/FRANKFURT. „Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass der Aufschwung sich nun selbst trägt ist“, sagte Harm Bandholz, US-Chefvolkswirt von Unicredit in New York. Die Mehrheit der Experten rechnet für dieses Jahr mit einem überdurchschnittlichen Wachstum von rund 3,5 Prozent. Viele halten das auch für 2012 und danach für möglich. „Der Aufschwung kann auch durchaus drei Jahre so anhalten“, sagte Dick Hoey, Chefvolkswirt bei Bank of New York Mellon.

Für die deutsche Exportindustrie, die bereits vom Aufschwung in Asien profitiert, ist das eine gute Nachricht. Vor allem der Automobilbau, seine Zulieferer, der Maschinenbau und die Chemieindustrie dürften davon profitieren, meinen Experten. „Denn diese drei Sektoren machen mehr als 50 Prozent der deutschen Exporte in die USA aus,“ sagte Frank Engels, Volkswirt bei Barclays Capital in Frankfurt.

Die USA sind trotz der immer größeren Rolle Asiens immer noch der zweitwichtigste Exportmarkt für Deutschland hinter Europa. Zudem hilft Wachstum in den USA der Weltwirtschaft und damit allen Märkten der deutschen Industrie. „Amerika ist nicht mehr länger ein globaler Bremsfaktor“, sagte Bandholz.

Mit insgesamt billionenschweren, schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen und einem Leitzins bei faktisch null Prozent haben die US-Regierung und die Notenbank 2008/2009 das Land vor dem Kollaps bewahrt. Ausschlaggebend für das jetzt einsetzende Wachstum ist vor allem die Belebung des privaten Konsums, der 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung ausmacht. Die Lage am US-Arbeitsmarkt ist zwar immer noch schlecht, aber im Vergleich zum Vorjahr stehen wieder eine Million mehr Menschen in Lohn und Brot. Die beste Weihnachtssaison in der Geschichte des Einzelhandels und steigende Autoabsatzzahlen zeigen, dass auch die Amerikaner wieder in die Geschäfte zurückkehren.

Die Sparquote sank von 6,2 Prozent im zweiten Quartal 2010 auf 5,4 Prozent zu Jahresende. Gleichzeitig sinkt das zur Verfügung stehende Volumen an Konsumkrediten seit 27 Monaten in Folge. Das legt nahe, dass Kredite beim Konsum keine so entscheidende Rolle spielen wie im zurückliegenden Boom vor der Krise. Die Mehrheit der Volkswirte rechnet damit, dass die Konsumneigung noch weiter ansteigt, wenn sich im ersten Quartal 2011 erstmals die im Dezember beschlossenen Steuererleichterungen bemerkbar machen. „Es wird erwartet, dass die Verbraucherausgaben 2011 um fast 3,5 Prozent ansteigen werden. Das war zuletzt in den Boomjahren 2004/05 der Fall“, sagte Bandholz.

Die Entwicklung kann die strukturellen Probleme, vor allem die durch die Konjunkturprogramme immens gestiegene Verschuldung, allerdings nicht lösen. „Wenn die Regierung das Haushaltsproblem nicht angeht, bevor die Zinsen wieder anfangen zu steigen, haben wir ein echtes Problem“, sagte Volkswirt Hoey.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×