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29.09.2014

15:34 Uhr

Inflation bleibt niedrig

Gute Nachricht für Verbraucher

Die Inflationsrate in Deutschland bleibt auf dem niedrigsten Stand seit viereinhalb Jahren. Die Kaufkraft dürfte steigen, die Wirtschaft profitieren. Der EZB dürfte die Entwicklung allerdings Kopfschmerzen bereiten.

Die Kaufkraft dürfte wegen der anhaltenden niedrigen Inflationsrate steigen. dpa

Die Kaufkraft dürfte wegen der anhaltenden niedrigen Inflationsrate steigen.

BerlinGute Nachricht für Verbraucher, schlechte für die EZB: Die Inflationsrate in Deutschland verharrt auf dem niedrigsten Stand seit viereinhalb Jahren. Die Verbraucherpreise stiegen im September um 0,8 Prozent zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte.

Die Teuerungsrate blieb damit den dritten Monat in Folge auf diesem Niveau – vor allem, weil Tanken und Heizen deutlich weniger kosteten. Noch niedriger lag sie zuletzt im Februar 2010, als die Wirtschaft mit den Nachwehen der weltweiten Finanzkrise zu kämpfen hatte.

Arbeitnehmer können angesichts der niedrigen Inflation mit merklichen Kaufkraftzuwächsen rechnen, wovon wiederum die Wirtschaft profitiert. „Die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, eine niedrige Inflationsrate sowie die niedrige Sparquote treiben die Konsumausgaben in Deutschland nach oben“, sagte der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther.

Niedrige Inflation: Wie reagiert die EZB?

Was spricht für ein Eingreifen der EZB?

Die Inflation im Euro-Raum lag im Mai bei 0,5 Prozent – und damit weit entfernt von der Zielmarke der EZB von nahe zwei Prozent. Die Entwicklung erhöht den Druck auf die EZB, die Zinsen niedrig zu halten oder noch unter das Rekordtief von 0,25 Prozent zu senken. EZB-Präsident Mario Draghi hatte betont, die Notenbank werde sich notfalls entschieden gegen einen Preisverfall stemmen.

Warum sind sinkende Preise schlecht?

Für Verbraucher sind sinkende Preise zunächst erfreulich, schließlich bekommt man mehr für sein Geld. Die Gefahr ist, dass eine Abwärtsspirale in Gang kommt, wenn die Preise auf breiter Front fallen. Ökonomen nennen das Deflation. Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen hinauszögern - in der Erwartung, dass es in den nächsten Monaten noch günstiger für sie wird. Das könnte die ohnehin noch fragile Erholung der Konjunktur in Europa abwürgen.

Wie real ist die Deflations-Gefahr?

„Eine handfeste Deflation ist in der Eurozone eine sehr weit entfernte Gefahr“, meint Berenberg-Volkswirt Christian Schulz. Das betont auch regelmäßig das EZB-Spitzenpersonal. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hatte Mitte März erklärt, er halte die Risiken von Preis- und Lohnrückgängen auf breiter Front im Euroraum für sehr begrenzt.

Was kann die EZB tun?

Bei den Zinsen hat die EZB den Boden fast erreicht. Mit einem Leitzins von 0,25 Prozent ist Zentralbankgeld für die Banken im Euroraum bereits extrem günstig. Ob eine weitere Zinssenkung die Geldinstitute dazu bewegen würde, mehr Kredite zu vergeben und so die Wirtschaft anzukurbeln, ist umstritten. Denkbar wäre, dass die EZB den Zins für Geld, das Geschäftsbanken bei der Notenbank parken, unter Null senkt. Theoretisch möglich wäre auch, dass die EZB in großem Stil Staatsanleihen aufkauft.

Bringen noch niedrigere Zinsen überhaupt etwas?

Theoretisch animiert das billige Geld Unternehmen zum Investieren und Verbraucher zum Konsumieren - beides kurbelt die Konjunktur an und erhöht so den Preisauftrieb. Doch gerade in den kriselnden Eurostaaten in Südeuropa blieb die Kreditvergabe zuletzt schwach. Nach Einschätzung des Bundesverbandes Deutscher Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) kann die EZB mit noch billigerem Geld dagegen so gut wie nichts ausrichten.

Im zweiten Quartal hatten die Löhne mit 2,3 Prozent deutlich stärker zugelegt als die Preise.

Der Europäischen Zentralbank (EZB) bereitet die Entwicklung dagegen Kopfschmerzen. Sie spricht nur beim Werten knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen. „Es wird wohl noch länger dauern, bis die Inflation wieder in diesen Bereich zurückkehrt“, sagte Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank. „Das rechtfertigt die Aktionen der EZB.“

Um einen für die Wirtschaft schädlichen Preisverfall auf breiter Front in der Euro-Zone zu verhindern, hat sie ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt. Außerdem pumpt sie Milliarden an billigem Geld in die Wirtschaft. An diesem Donnerstag entscheiden die Währungshüter erneut über die Geldpolitik. Erwartet werden Details zu den geplanten Käufen von Pfandbriefen und gebündelten Kreditpapieren.

Die geringe Inflation in Deutschland geht in erster Linie auf fallende Energiepreise zurück. Diese sanken um 2,2 Prozent im Vergleich zum September 2014, wobei vor allem Heizöl, Benzin und Diesel günstiger zu haben waren.

Nahrungsmittel verteuerten sich hingegen um 0,9 Prozent, die Nettokaltmieten um 1,4 Prozent. Das arbeitgebernahe IW-Institut sagt für dieses Jahr eine durchschnittliche Teuerungsrate von rund 1,25 Prozent voraus. 2015 soll sie bei gut 1,5 Prozent liegen.

Von

rtr

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