Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.12.2014

08:05 Uhr

Inflation in Deutschland

Billiges Öl drückt die Preise

Um lediglich 0,6 Prozent sind die Preise in Deutschland im November gestiegen. Das ist so wenig wie seit fast fünf Jahren nicht mehr. Heizöl und Sprit wurden billiger, aber auch Lebensmittel halten die Preise stabil.

Preissturz des schwarzen Goldes

Ölpreis in sechs Monaten 40 Prozent gefallen

Preissturz des schwarzen Goldes : Ölpreis in sechs Monaten 40 Prozent gefallen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BerlinBilligeres Tanken und Heizen hat die Inflationsrate in Deutschland im November auf den niedrigsten Stand seit annähernd fünf Jahren gedrückt. Die Verbraucherpreise stiegen im Schnitt nur noch um 0,6 Prozent zum Vorjahresmonat. „Eine niedrigere Teuerungsrate wurde zuletzt im Februar 2010 mit 0,5 Prozent ermittelt“, erklärte das Statistische Bundesamt am Donnerstag. In den vier Vormonaten lag sie noch bei jeweils 0,8 Prozent.

Weniger Geld ausgeben mussten die Verbraucher vor allem für Energie. Leichtes Heizöl verbilligte sich um 9,8 Prozent, Kraftstoffe wie Benzin um 4,5 Prozent. Grund dafür ist der Einbruch der Ölpreise: Sie sind seit dem Sommer um etwa 30 Prozent gefallen. Ursache ist die schwächere Weltwirtschaft, die die Nachfrage drückt. Gleichzeitig sind die USA durch das Fracking zu einer führenden Fördernation aufgestiegen, wodurch mehr Öl auf dem Markt ist.

Der Preisverfall beim Rohöl schlägt sich nicht Eins-zu-Eins in der Tankquittung nieder: Öl muss verarbeitet, transportiert und vor allem versteuert werden. Ein hoher Steueranteil, derzeit rund 80 Cent pro Liter Super-Kraftstoff, verhindert prinzipiell, dass der Preisverfall so beim Kunden ankommt, wie es fallende Ölpreise suggerieren.

Schon jetzt ist aber absehbar, dass die Kraftstoffpreise auch im Jahresdurchschnitt 2014 auf den niedrigsten Stand seit 2010 fallen werden. So kostete inklusive November ein Liter Super E10 in diesem Jahr 1,509 Euro und damit weniger als in den Jahren 2011 bis 2013. Für Diesel mussten die Autofahrer in den ersten elf Monaten 1,363 Euro je Liter bezahlen. Auch Diesel war zuletzt 2010 mit durchschnittlich 1,214 Euro billiger.

Gedämpft wurde die Inflation auch von den Nahrungsmittelpreisen. Sie blieben insgesamt stabil. Butter verbilligte sich dabei sogar um gut ein Fünftel, während Obst 1,6 Prozent weniger kosteten als im November 2013. Dagegen wurde für Gemüse 1,5 Prozent mehr verlangt, für Brot und Getreideerzeugnisse 1,3 Prozent mehr.

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht die Entwicklung der Preise in der Eurozone und auch in Deutschland mit Sorge. Sie strebt eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an.

OECD-Studie: Steuer- und Abgabenanteil an Wirtschaftsleistung steigt

OECD-Studie

Steuer- und Abgabenanteil an Wirtschaftsleistung steigt

Der Steuer- und Abgabenanteil an der Wirtschaftsleistung ist in den Industrieländern erneut gestiegen. Auch in Deutschland hob sich die Fiskalquote an. Die Ursache für den Trend liegt laut der OECD in Steuereinnahmen.

Um einen für die Wirtschaft schädlichen Preisverfall zu verhindern, hat sie ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt. Außerdem pumpt sie Milliarden an billigem Geld in die Wirtschaft. EZB-Chef Mario Draghi erwägt zusätzliche Maßnahmen wie etwa den Ankauf von Staatsanleihen, um die Wirtschaft anzuschieben und die unerwünscht niedrige Inflation anzuheizen.

Von

rtr

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

11.12.2014, 08:31 Uhr

Und was ist an der gedämpften Inflation schlecht? Nichts!

Die EZB strebt eine erhöhte Inflation an, um ihre größten Einflussnehmer, die ClubMed-Staaten und die Pleitebanken dieser Länder zu entlasten.

Und die dazu eingesetzten Mittel widersprechen den internationalen Abkommen (Maastricht) zwischen den EUR-Teilnehmerstaaten
sowie allgemein marktwirtschaftlichen Prinzipien.

Im Bankenbereich der EUR-Zone herrscht mittlerweile Staatsdirigismus.

Der EUR ist kein Friedensprojekt, sondern das größte Wohlstands-Vernichtungsprojekt nach dem 2ten Weltkrieg! das ist empirisch belegt!

Nebenbei wird die EU vom größten und übelsten Bankenlobbyisten geführt.

Herr Markus Gerle

11.12.2014, 08:47 Uhr

Es würde mich freuen, wenn auch mal Ausgabenposten wie private Krankenversicherungen, sämtliche Steuern und kommunale Abgaben sowie Wohnkosten in den Warenkorb Eingang finden würden. Dann sähe die Inflationsrate schon ganz anders aus. Nur zwei Beispiele: Alleine meine PKV erhöht mal wieder um 13% (durchschnittlich sind es 7% pro Jahr). Meine Miete hat sich um knapp 10% erhöht (hauptsächlich wegen kommunaler Abgaben). Die Miete meines Mieters (bin sowohl Mieter als auch Vermieter) erhöhte sich um ca. 6% (ausschließlich wegen kommunaler Abgaben). Da muss man schon verdammt viel Auto fahren, um das statistisch auszugleichen.

Herr Michael Rensler

11.12.2014, 09:20 Uhr

Bei der PKV fehlt mir das Mitleid. Meine Krankenversicherung senkt nächstes Jahr den Beitrag. Die Miete bleibt konstant wobei die Nebenkosten sogar leicht gesunken sind. Sehr wahrscheinlich habe ich sogar negative Inflation.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×