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30.01.2017

17:50 Uhr

Inflation in Deutschland

Debatte über EZB-Geldpolitik wird neu befeuert

Die Inflation stieg im Januar auf knapp zwei Prozent. Die Europäische Zentralbank will aber auch künftig massiv Geld in den Markt pumpen. Ein Ende des Geldregens ist nicht in Sicht. Doch im Sommer könnte sich das ändern.

„Aber ich denke, dass wir bei der Prognose zur Jahresmitte, der Juni-Prognose, mit Sicherheit eine Diskussion zur weiteren Entwicklung haben.“ Reuters, Sascha Rheker

Ewald Nowotny

„Aber ich denke, dass wir bei der Prognose zur Jahresmitte, der Juni-Prognose, mit Sicherheit eine Diskussion zur weiteren Entwicklung haben.“

Berlin/FrankfurtDie Inflationsrate in Deutschland ist zu Jahresbeginn in die Höhe geschnellt und befeuert die Kontroverse über die laxe EZB-Geldpolitik. Im Januar legten die Verbraucherpreise um 1,9 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Daten am Montag mitteilte. Dies ist das höchste Niveau seit Juli 2013. Damit kratzt die Inflation hierzulande an der von der EZB für den gesamten Währungsraum angepeilten Zielmarke von knapp zwei Prozent. Im Dezember lag die Rate noch bei 1,7 Prozent. Insbesondere um 5,8 Prozent gestiegene Energiepreise sorgten für den Schub: „Die EZB sollte dringend umsteuern“, sagte der Wirtschaftsweise Volker Wieland der Nachrichtenagentur Reuters. Es gehe darum, den Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik vorzubereiten.

Auch sein Kollege Lars Feld, der ebenfalls in dem führenden wirtschaftspolitischen Beratergremium der Bundesregierung sitzt, stößt ins selbe Horn: „Die Inflation in Deutschland ist zurück. Sie dürfte sich in der Euro-Zone ebenfalls beschleunigen.“ Deswegen sollte die EZB seiner Ansicht nach schon ab diesem Frühjahr einen weiteren Rückgang ihrer Anleihenkäufe ankündigen. EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny hält solche Überlegungen jedoch für verfrüht. Er erwartet keine raschen Beschlüsse über ein Abschmelzen der billionenschweren Transaktionen.

Best of Mario Draghi

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

5.6.2014

„Das ist ein bedeutendes Maßnahmenpaket. Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“

(Draghi am 5.6.2014 in Frankfurt nachdem die Notenbank ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum beschlossen hat)

4.9.2014

„Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht.“

(Draghi am 4.9.2014 in Frankfurt zum EZB-Beschluss, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe zu kaufen)

22.1.2015

„Ich könnte ein paar Witze dazu erzählen. Aber ich lese einfach noch mal das Eingangsstatement vor. Denn das ist alles, was wir heute sagen können. Und ich vermeide Witze in dieser Sache lieber.“

(Draghi am 22.1.2015 auf die Frage eines Journalisten: „War's das jetzt? War's das - oder können die Leute erwarten, dass die Geldpolitik demnächst noch verschärft wird?“)

3.9.2015

„Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist.“

(Draghi am 3.9.2015 zu einer möglichen Ausweitung des Anleihenkaufprogramms)

9.3.2017

„Unsere Geldpolitik war erfolgreich.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Anstieg der Inflation auf zwei Prozent)

9.3.2017

„Es gibt nicht mehr das Gefühl, dass das Risiko einer Deflation drängend ist.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Erfolg seiner expansiven Geldpolitik)

Die Europäische Zentralbank werde das sicherlich noch nicht bei der Vorlage ihrer neuen Wirtschaftsprognosen im März diskutieren, sagte der österreichische Notenbankchef in Wien. „Aber ich denke, dass wir bei der Prognose zur Jahresmitte, der Juni-Prognose, mit Sicherheit eine Diskussion zur weiteren Entwicklung haben“, so Nowotny. Eine Entscheidung über ein Herunterfahren der Käufe werde dann jedoch noch nicht gefällt.

Die Währungshüter wollen mit der Geldflut die aus ihrer Sicht noch immer zu niedrige Inflationsrate in der Euro-Zone anheizen. Für die am Dienstag anstehenden Daten aus der Währungsunion erwarten Experten 1,6 Prozent. Die EZB pumpt seit März 2015 über den Kauf von Staatsanleihen Woche für Woche Milliarden in das Finanzsystem. Erst im Dezember hatten die Hüter des Euro das Programm um neun Monate bis Ende 2017 verlängert. Eine Maßnahme, die der Wirtschaftsweise Wieland angesichts der jüngsten Preisentwicklung für „nur schwer zu rechtfertigen“ hält. Das Gesamtvolumen des Wertpapier-Kaufprogramms wird dadurch auf 2,28 Billionen Euro anschwellen. Kritik aus Deutschland an der ultra-lockeren Geldpolitik hat EZB-Chef Mario Draghi mit dem Argument gekontert, die Wirtschaft in der Euro-Zone sei noch auf Unterstützung angewiesen.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Dass der EZB-Zielwert bei der Inflation nun zumindest in der größten Volkswirtschaft des Euro-Raums annähernd erreicht wird, ist Wasser auf die Mühlen der Draghi-Gegner - auch innerhalb der EZB. Bundesbankchef Jens Weidmann hat bereits laut über eine Abkehr von der laxen Linie der EZB nachgedacht. Auch die deutsche EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger meint, dass die Diskussion über einen Ausstieg bald beginnen sollte.

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